Mehr als 35 Jahre nach der Wende verschwinden immer mehr Dinge, die zu DDR-Zeiten den Alltag bestimmten, für immer. Nun steht erneut das Ende einer Ära bevor: Wie die Tschechische Bahn České dráhy berichtet, werden immer mehr alte Wagen aus der DDR, die in der Tschechischen Republik noch im Einsatz sind, verschrottet. Nun sollen die letzten Zugwaggons eines bestimmten Typs verschwinden, die man damals auch als „Honecker“ oder „Honeckers Rache“ bezeichnete.
Warum die Wagen bei der Bahn „Honecker“ hießen
Hintergrund: Bei der Tschechischen Bahn läuft seit geraumer Zeit eine riesige Modernisierungskampagne. Damit Platz für viele moderne Züge ist, müssen aber auch zahlreiche alte Wagen aus dem Fuhrpark des Unternehmens ausgemustert werden, davon betroffen sind auch Wagen aus der DDR. „Deshalb verschrottete die Tschechische Bahn im vergangenen Jahr 279 Fahrzeuge“, teilt das Unternehmen mit. Weitere 43 Fahrzeuge seien an neue Besitzer verkauft worden – sie werden laut Berichten unter anderem in der Gastronomie genutzt.
Auch den berühmten Wagen, die im Volksmund „Honecker“ genannt wurden, geht es an den Kragen. Laut Jiří Ješeta, dem stellvertretenden Leiter des Personenverkehrs bei České dráhy, sind 22 Wagen des Typs betroffen. Dabei handelt es sich um Personenwagen des Typs Bdmtee, die Ende der 80er-Jahre im VEB Waggonbau Bautzen hergestellt wurden. Die Fahrgäste verspotteten die Wagen dafür, dass sie einen sehr engen Innenraum hatten und aus der DDR kamen, nannten sie deshalb „Honeckers Rache“ oder eben einfach nur „Honecker“.

„Honecker“-Wagen waren nicht besonders beliebt
Die Wagen waren ursprünglich dunkelgrün, weil sie im Stil der Tschechoslowakischen Staatsbahnen gestaltet waren. Später wurden die Wagen hellgrau lackiert, die Fenster hellgrün – und zuletzt sind sie besonders oft in der typischen blauen Färbung der Tschechischen Bahn zu sehen gewesen. Besonders beliebt waren die Wagen nicht, sagt auch Jiří Ješeta von České dráhy.
Auch zahlreiche andere Wagen aus dem Fuhrpark mussten dran glauben – darunter „Triebwagen der Baureihe 460 und die ‚Koffer‘ der Baureihe 810 sowie deren Beiwagen 063, 010, 012 und 015“, sagt Jiří Ješeta. „Vom Typ B249 wurden 54 Wagen verschrottet. Weitere 70 Wagen des Typs Bdt mit großzügiger Raumaufteilung wurden ebenfalls verschrottet.“

Die Schrott-Bilanz von České dráhy: 279 alte Wagen wurden zerstört, 43 an neue Besitzer verkauft. „Das entspricht im Wesentlichen einem ausgemusterten Wagen oder einer Lokomotive pro Werktag“, so Michal Krapinec, Vorstandsvorsitzender und CEO der Tschechischen Bahn. Und der Prozess geht weiter: Bis zu 500 ausgemusterte Wagen sollen zur Demontage abgegeben werden, teilt das Unternehmen mit. „Auch die unbeliebten Honecker werden ausgemustert.“
Wagen rollen weiter durch Deutschland und Polen
Aber: Auch das Angebot nicht mehr benötigter Fahrzeuge zum Ankauf an andere Interessenten wird fortgesetzt. „In diesem Jahr sollen beispielsweise Elektrolokomotiven der Baureihen A-1216 oder 380 zum Verkauf stehen“, heißt es von České dráhy. Die bisher verkauften 43 Wagen gingen übrigens an Käufer aus Tschechien, aber auch an Interessenten aus Polen und Deutschland. Nicht alle Wagen aus der ehemaligen DDR verschwinden also für immer.




