„Junge im blauen Mantel“

Das Geheimnis hinter dem DDR-Gemälde „Peter im Tierpark“

Das Gemälde des Malers Harald Hakenbeck hat Generationen begleitet. Jetzt rückt die Geschichte hinter dem Kultmotiv wieder in den Blickpunkt.

Author - Sebastian Krause
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„Peter im Tierpark“ (r.) von Harald Hakenbeck ist eines der bekanntesten Bilder der DDR.
„Peter im Tierpark“ (r.) von Harald Hakenbeck ist eines der bekanntesten Bilder der DDR.Sebastian Kahnert/dpa

Bereits vor vielen Jahrzehnten hat dieses Bild für große Aufmerksamkeit gesorgt. Und das tut es auch heute noch. Vor wenigen Tagen tauchte in der Facebook-Gruppe „Ostkombinat – Altstoffsammlung“ das berühmte Gemälde „Peter im Tierpark“ von Harald Hakenbeck auf und weckte bei dem einen oder anderen besondere Erinnerungen an längst vergangene DDR-Tage.

Viele besondere Erinnerungen an „Peter im Tierpark“

Die Meinungen zu dem ikonischen Bild mit dem etwa vierjährigen Jungen im blauen Wintermantel in einem Waldstück gingen in der Facebook-Gruppe weit auseinander. Eine Userin schrieb: „Ich mag es sehr. Auch das Strandbild des jungen Paares.“ Eine andere meinte hingegen: „Davor habe ich mich als Kind gegruselt! Hat irgendwie eine bedrohliche Atmosphäre. Schon immer gehasst, dieses Bild.“

Bild entstand zwischen den Jahren 1960 und 1961

Fest steht: Fast jeder, der dieses Bild zu Ostzeiten gesehen hat, verbindet damit irgendeine Geschichte. Doch die Geschichte hinter dem vierjährigen Jungen ist nur wenigen bekannt.

Das 66 mal 46 Zentimeter große Ölgemälde entstand in den Jahren 1960 und 1961 und zeigt den damals vierjährigen Sohn des Malers Harald Hakenbeck. Doch der Titel führt in die Irre. Nicht im Berliner Tierpark, sondern im Atelier in der Nähe der Wohnung des Künstlers entstand das heute legendäre Werk.

Dass das Bild vielen Menschen so vertraut erscheint, liegt an seiner ungewöhnlichen Verbreitung. Für zahlreiche ostdeutsche Generationen gehörte es zur Kindheit. Sie sahen es im Kindergarten, beim Zahnarzt, in Schulbüchern oder auf Postkarten. Besonders in Erinnerung geblieben ist wahrscheinlich die Briefmarke mit dem Motiv, die 1967 in einer Auflage von vier Millionen Stück erschien.

In Dresden wurde das Gemälde erstmals präsentiert

Einer großen Öffentlichkeit bekannt wurde das Gemälde bereits ab 1962, als es auf der fünften Deutschen Kunstausstellung in Dresden erstmals präsentiert wurde. Im selben Jahr erwarb das Ministerium für Kultur das Werk. Heute befindet es sich als Dauerleihgabe der Bundesrepublik in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und ist in der Gemäldegalerie Neue Meister zu sehen.

Bei einer DDR-Ausstellung in Erfurt 2022 wurde das Gemälde „Peter im Tierpark“ von Maler Harald Hakenbeck gezeigt.
Bei einer DDR-Ausstellung in Erfurt 2022 wurde das Gemälde „Peter im Tierpark“ von Maler Harald Hakenbeck gezeigt.Karina Hessland/imago

„Fairer Blick auf die Kunst aus der DDR“

Auch in Sonderausstellungen spielte das Bild eine Rolle. 2014 zeigte die Rostocker Kunsthalle das Original in der Ausstellung „Bilder machen Schule. Kunstwerke aus DDR-Schulbüchern“. Damals betonte Cornelius Fetsch vom Dresdner Institut für Kulturstudien, man müsse endlich „einen fairen Blick auf die Kunst aus der DDR, auch im Westen“ werfen. Ein Appell, der im Kontext des Werkes besonders nachvollziehbar erscheint.

Harald Hakenbeck, geboren am 20. September 1926 in Stettin, fand erst über Umwege zur Kunst. Zunächst absolvierte er zwischen 1942 und 1944 bei einer Krankenkasse eine Lehre als kaufmännischer Angestellter. Es folgten Kriegsdienst, britische Kriegsgefangenschaft und erst 1948 der Start des Studiums an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin-Weißensee. Dort unterrichteten ihn unter anderem Arno Mohr und Bert Heller.

Nach dem Diplom im Fach Wandgestaltung war er Meisterschüler von Heinrich Ehmsen an der Deutschen Akademie der Künste und arbeitete ab 1957 als freischaffender Maler und Grafiker in Berlin.

Viele Reisen führen Hakenbeck ins Ausland

Reisen führten ihn 1958 nach Albanien sowie 1963 nach Burma und Indonesien. Zwischen 1965 und 1968 unterrichtete er am Institut für Kunsterziehung der Universität Greifswald, später an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Heute lebt Hakenbeck in Berlin.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com