Sie war das fröhliche Gesicht der DDR. Mit Chris Doerk und ihrem Bühnenpartner und Ehemann Frank Schöbel zeigte sich die DDR bunt und aufgeschlossen, frech und dynamisch. Eine ganze Generation erinnert sich an die Frau mit dem dunklen Bubikopf. Heute feiert sie ihren 84. Geburtstag.
Traum vom Modebusiness
Eigentlich wollte Chris Doerk Modezeichnerin werden. Schon als Teenagerin skizzierte sie Kleider, experimentierte mit Stoffen, träumte von einer Karriere in der Modewelt. „Aber meine Eltern rieten ab – die Ausbildung sei zu lang“, erinnert sie sich.
Ein Rat, der ihrem Leben eine völlig andere Wendung gab. Statt an der Schneiderpuppe landete sie in der Gebrauchswerbung – und zum Glück schließlich auf der großen Bühne. Denn aus der jungen Frau mit dem sicheren Strich wurde die Sängerin, die bald zu den bekanntesten Gesichtern der DDR gehörte.
Chris und Frank: Traumpaar der DDR
Mit Frank Schöbel bildete die fröhliche Chris Doerk das Traumpaar des Ostens. Millionen kannten ihre Duette, ihre TV‑Auftritte, ihre Filme. Doerk und Schöbel waren das, was man heute ein „Promi‑Paar“ nennen würde – nur ohne Instagram.
„Chris und Frank“ füllten die Säle und wurden zum Aushängeschild eines modernen Sozialismus. Sie sangen und tanzten in den Defa-Filmen „Heißer Sommer“ (1968) und „Nicht schummeln, Liebling“ (1972). Und der Sommer anno 1968 war wirklich heiß: Während der Dreharbeiten zu dem DDR-Filmklassiker wurde sie schwanger.
„Heißer Sommer“ führte zu Sohn Alexander
Chris Doerk und Frank Schöbel waren damals privat untergebracht. In Stralsund bei einem Kripo-Kommissar und seiner Frau, ebenfalls Polizistin, die bei der Sitte arbeitete. „Sie stellten uns ihr Ehebett zur Verfügung“, wie sie in einem Interview erzählte. Neun Monate nach den Dreharbeiten wurde Sohn Alexander geboren.
Doch die heiße Liebe hielt nicht ewig. Nach der Scheidung 1974 gingen sie auch beruflich getrennte Wege, die Doerk blieb aber dem Schlager zunächst treu.
Erst in den 90er-Jahren widmete sich Chris Doerk, die bis heute in Kleinmachnow lebt, intensiv der Malerei, veröffentlichte 2002 ihr Buch „La casita – Geschichten aus Kuba“ und stellte ihre Kunstwerke international aus.
Markenzeichen Bubikopf
Chris Doerks Markenzeichen: Etuikleider, die heute wieder in den Boutiquen hängen, weiße Lederstiefel, damals Inbegriff von Modernität, und der dunkle Bubikopf, der über Jahrzehnte ihr Wiedererkennungsmerkmal blieb.
„Bei mir fing alles mit dem ‚Heideröslein‘ an, gesungen im Musikunterricht in der Schule“, erzählt die in Königsberg geborene Künstlerin. In der Klasse sei applaudiert worden. „Das machte mir Mut. Eigentlich war ich sehr schüchtern“, sagt sie, obwohl man das kaum glauben mag.



