Streit um Rentensystem

Diese Jahrgänge trifft die Rente mit 70 zuerst

In der Renten-Debatte ist die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre in der Diskussion. Was würde das für einzelne Geburtsjahrgänge bedeuten?

Author - Stefan Doerr
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Die Rente mit 70 ist großes Streitthema.
Die Rente mit 70 ist großes Streitthema.Steinach/Imago

Die Rente mit 70 ist kein fernes Szenario mehr, sondern steht im Mittelpunkt der leidigen Debatte um die Reform des Rentensystems. Beim nächsten Treffen der 13-köpfigen Rentenkommission am 23. Februar könnte bereits über eine mögliche Anhebung des Renteneintrittsalters beraten werden – und welche Jahrgänge dies als erstes treffen würde.

Druck auf Rentensystem wächst

Geleitet wird das Gremium von Sozialrechtsprofessorin Constanze Janda von der Universität Speyer. Schon jetzt regt sich Widerstand gegen die Pläne, die Millionen Beschäftigte betreffen könnten.

Hintergrund der Debatte um eine Erhöhung des Renteneintrittsalters ist der wachsende Druck auf das Rentensystem. Immer mehr Babyboomer gehen in den Ruhestand, während weniger junge Beitragszahler nachrücken. Schon heute finanzieren nur noch etwa 2,1 Beschäftigte einen Rentner, wie die „Tagesschau“ berichtet.

Das Rentensystem soll reformiert werden.
Das Rentensystem soll reformiert werden.Julian Stratenschulte/dpa

Welche Jahrgänge träfe es wann?

Der Ökonom Martin Werding, Mitglied der Kommission, schlägt vor, das Renteneintrittsalter künftig an die Lebenserwartung zu koppeln. Wie „ZDF heute“ berichtet, soll es ab 2031 alle zehn Jahre um ein halbes Jahr steigen. Die Marke von 70 Jahren würde nach seinen Berechnungen erst 2091 erreicht. Dennoch verspricht er bereits vorher „günstige Effekte“ wie ein höheres Rentenniveau und niedrigere Beitragssätze.

Doch es gibt auch ein anderes Szenario: Würde die Anhebung wie bisher weiterlaufen, also um zwei Monate pro Jahr, träfe es deutlich früher ganze Generationen. Dann wäre der Jahrgang 1982 der erste, der regulär erst mit 70 Jahren in Rente gehen dürfte, wie unsere Liste unten zeigt. Für alle danach Geborenen würde sich das Arbeitsleben weiter verlängern.

Reguläres Renteneintrittsalter nach Jahrgang bei +2 Monaten pro Jahr
  • 1964: 67 Jahre
  • 1965: 67 Jahre und 2 Monate
  • 1966: 67 Jahre und 4 Monate
  • 1967: 67 Jahre und 6 Monate
  • 1968: 67 Jahre und 8 Monate
  • 1969: 67 Jahre und 10 Monate
  • 1970: 68 Jahre
  • 1971: 68 Jahre und 2 Monate
  • 1972: 68 Jahre und 4 Monate
  • 1973: 68 Jahre und 6 Monate
  • 1974: 68 Jahre und 8 Monate
  • 1975: 68 Jahre und 10 Monate
  • 1976: 69 Jahre
  • 1977: 69 Jahre und 2 Monate
  • 1978: 69 Jahre und 4 Monate
  • 1979: 69 Jahre und 6 Monate
  • 1980: 69 Jahre und 8 Monate
  • 1981: 69 Jahre und 10 Monate
  • 1982: 70 Jahre

Die demografischen Zahlen verdeutlichen die Brisanz. 2020 lebten in Deutschland rund 16,7 Millionen Menschen über 67 Jahre, bis 2040 sollen es knapp 21 Millionen sein. Ohne Reformen drohen steigende Beiträge oder sinkende Renten. Für viele Beschäftigte bedeutet das schon heute: privat vorsorgen oder länger arbeiten.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com