Der Barkas B1000 war über Jahrzehnte ein vertrauter Anblick im Alltag der DDR. Ein universeller Kleinbus, der von 1961 bis 1991 im VEB Barkas‑Werk in Karl‑Marx‑Stadt gebaut wurde und vom Krankenwagen über den Lieferwagen bis zum Feuerwehrfahrzeug nahezu jede Rolle im Land übernahm. Die Freiwillige Feuerwehr des Treuenbrietzener Ortsteils Zeuden (Potsdam-Mittelmark) hat ihn sogar bis vor ein paar Wochen noch genutzt.
Diese Feuerwehr nutzte den DDR-Barkas noch
Bis vor Kurzem gehörte er noch selbstverständlich zum Ortsbild von Zeuden: der fast 40 Jahre alte Barkas B1000, das letzte DDR‑Fahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Treuenbrietzen. Jahrzehntelang rückten die Kameraden mit dem kultigen Kleinlöschfahrzeug aus. Ein Relikt aus einer anderen Zeit, das dennoch stets zuverlässig zur Stelle war.
„Es ist unser erstes Fahrzeug, das wir hier in Zeuden hatten“, sagt Feuerwehrmann Bernd Friese rückblickend rbb. „Er hat uns gute Dienste geleistet, hat uns nie verlassen.“ Doch inzwischen war klar: Der Barkas ist in die Jahre gekommen.

Sein Zweitaktmotor mit 42 bis 46 PS galt nie als Kraftprotz. „Wichtig ist ankommen“, kommentiert Friese. Dazu kamen typische Eigenheiten, die nur Liebhaber schätzen konnten. Der Funk im Inneren? Kaum verständlich. Die Geräuschkulisse? Ein heiseres, unverwechselbares Röhren, das nur der DDR-Kleinbus erzeugt. „Der macht Geräusche, ist eben ein B1000 – den kann nicht jeder fahren.“
Ost-Oldtimer für 14.000 Euro versteigert
Auch Stadtwehrführer Olaf Fetz findet deutliche Worte: Der Barkas sei „sehr gewöhnungsbedürftig“. Beim Bremsen könne das Fahrzeug schon mal nach rechts oder links ziehen – ein Risiko, das Feuerwehrleute im Einsatzalltag nicht tragen sollten. Für schnelle Wendemanöver oder moderne Sicherheitsanforderungen war der DDR‑Transporter schlicht nicht mehr geeignet.

So fiel schließlich die Entscheidung, das 1988 gebaute Fahrzeug außer Dienst zu stellen. Ein neues, zeitgemäßes Einsatzfahrzeug ist bereits angeschafft. Und der Barkas sollte ein letztes Mal zeigen, dass er immer noch begehrt ist: Die Stadt Treuenbrietzen stellte ihn als Sonder-Kfz zur Versteigerung ein. Dort entwickelte sich ein regelrechter Bieterwettlauf: 91 Gebote gingen ein, am Ende erzielte der Oldtimer stolze 14.100 Euro. Weit mehr, als die Feuerwehr selbst erwartet hatte.
Neues Leben für den Barkas – aber ohne Blaulicht
Der Erlös soll vollständig der Feuerwehr zugutekommen und unter anderem helfen, das neue Fahrzeug weiter auszustatten. Der Kontakt mit dem neuen Besitzer wurde bereits aufgenommen. Doch bevor der Barkas auf seine Weiterreise gehen kann, stehen einige Formalitäten an: Alle hoheitlichen Abzeichen müssen entfernt oder unkenntlich gemacht werden, und auch die Sondersignalanlage darf künftig nicht mehr benutzt werden.

Der Zustand des Fahrzeugs ist trotz seines Alters bemerkenswert. Zwar listet die Auktion einige Mängel wie leichte Roststellen sowie Undichtigkeiten an Kraftstoffpumpe, Getriebe, Abgaskrümmer und Motor auf, doch insgesamt gilt der B1000 als „fahrbereit“ und in gutem Zustand. Kein Wunder, schließlich wurde er jahrelang gepflegt. Für die Zeudener Feuerwehr endet damit ein Stück Geschichte.
Der Barkas war der „Bulli“ der DDR
Mit seinem markanten Dreizylinder‑Zweitaktmotor und der Frontlenker‑Bauweise war der Barkas B1000 technisch zwar schlicht, aber äußerst praktisch: viel Platz, robuste Konstruktion und leicht zu reparieren. Genau das, was im DDR‑Alltag gebraucht wurde.




