Export in 25 Länder

DDR-Süßigkeit Liebesperlen sind noch heute ein Klassiker

Die Liebensperlen-Flaschen aus DDR-Zeiten sind noch heute ein Klassiker. So hat das Unternehmen die beiden Weltkriege und die Wende überstanden.

Author - Sebastian Krause
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Die DDR-Süßigkeit Liebesperlen werden heute noch in 25 Länder exportiert.
Die DDR-Süßigkeit Liebesperlen werden heute noch in 25 Länder exportiert.Ulla Michels/Funke Foto Services

Kaum eine Süßigkeit weckt so viele Kindheitserinnerungen wie die kleinen, bunten Liebesperlen. Die Zuckerperlen aus Sachsen sind mehr als nur ein Klassiker im Süßwarenregal. Sie sind ein Stück deutscher Industriegeschichte.

Süße Kreation aus dem Jahr 1908

Den Grundstein für den süßen Erfolg legte Rudolf Hoinkis im August 1896. Damals gründete er eine Süßwarenfabrik in Görlitz. Am 3. April 1908 brachte er schließlich eine neue Kreation auf den Markt: kleine Zuckerperlen. Zunächst aber noch namenlos.

Frau von Erfinder gibt den Perlen ihren Namen

Anschließend kehrte Hoinkis an diesem Abend mit seiner Erfindung nach Hause zurück und sagte zu seiner Familie: „Ich liebe euch, wie diese Perlen.“

Seine Frau Emilie erkannte das Potenzial dieses Moments und gab den Perlen ihren bis heute bekannten Namen: Liebesperlen.

Die Liebesperlen befinden sich noch heute in markanten Flaschen.
Die Liebesperlen befinden sich noch heute in markanten Flaschen.Birgit Reitz-Hofmann/imago

120 Stunden dauert die Produktion der Liebesperlen

Die Herstellung der Liebesperlen ist aufwendig und nahezu unverändert geblieben. Rund 120 Stunden dauert es, bis die farbenfrohen Kügelchen fertig sind. In schräg rotierenden Kupferkesseln werden Zuckerkerne schichtweise mit Traubenzucker-Lösung besprüht. So entstehen nach und nach die charakteristischen Perlen.

Abgefüllt werden jeweils 70 Gramm in die ikonischen kleinen Fläschchen – eine Form, die Generationen von Kindern begleitet hat.

Unternehmen übersteht Umbrüche des 20. Jahrhunderts

Die Firmengeschichte spiegelt die politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts wider. Das Unternehmen überstand den Ersten und Zweiten Weltkrieg ebenso wie die Enteignung während der DDR-Zeit. Bereits zu DDR-Zeiten wurden Liebesperlen in die Bundesrepublik exportiert.

Mit der Reprivatisierung 1990 kehrte die Familie Hoinkis an die Unternehmensspitze zurück. 1996, zum 100-jährigen Bestehen, zog der Betrieb in moderne Produktionshallen im Gewerbegebiet Görlitz Nord-West um.

Wir haben ein einzigartiges Produkt entwickelt. Jeder kennt und liebt die Liebesperlen, die zu den sogenannten gelernten Produkten gehören.

Mathias Hoinkis, Geschäftsführer

DDR-Liebesperlen werden in 25 Länder exportiert

Heute führen mehr als 20 Mitarbeiter die Tradition fort. Jährlich produziert das Unternehmen rund 1200 Tonnen Liebesperlen, die in 25 Länder exportiert werden – nach Europa, in den arabischen Raum und nach Südamerika.

Auch der israelische Markt steht im Fokus. Mathias Hoinkis, Geschäftsführer und Vertreter der fünften Generation, erklärte im Nordkurier: „Wir nehmen die kulturellen Unterschiede zwar wahr, aber sie halten uns nicht davon ab, voranzugehen. Nur bei der Koscher-Zertifizierung fehlen uns bisher noch Erfahrungen.“

Unternehmen mit existenziellen Problemen

Nach der Wende stand das Unternehmen jedoch vor existenziellen Problemen. Die traditionellen Glasfläschchen galten als ungeeignet für Kinder, die beigegrauen Kartons wirkten wenig attraktiv. „Für uns ging es ums nackte Überleben“, erinnerte sich Senior-Chef Bernd-Christian Hoinkis in einem früheren Interview mit der Welt.

„Liebesperlen in Glasfläschchen waren wegen der Kinder ungeeignet. Die Nachfrage nach unserem Produkt war da, aber niemand wollte unsere Verpackung. Das war ein riesiges Problem, das uns fast in den Ruin getrieben hätte“, erklärte er.

Die Liebesperlen sind in verschiedenen Farben gefärbt und wecken bei vielen Menschen besondere Erinnerungen.
Die Liebesperlen sind in verschiedenen Farben gefärbt und wecken bei vielen Menschen besondere Erinnerungen.Sylvio Dittrich/imago

Hilfe auf der Südwarenmesse in Köln

Die Rettung kam auf der Süßwarenmesse in Köln. Dort fand das Unternehmen einen Partner für neue, zeitgemäße Verpackungen. Heute präsentieren sich die Perlen in fantasievollen Varianten – als Trompeten, Schirme, Malstifte oder Wunderröhrchen, ergänzt durch Schlüsselanhänger, Sammelfiguren oder kleine Bausätze.

Doch trotz internationaler Präsenz bleibt die Zukunft eine Herausforderung. Mathias Hoinkis sieht die zunehmende Marktkonzentration mit Sorge. „Übertrieben gesagt, entscheiden vier, fünf Leute darüber, was in Europa gegessen wird“, sagt er.

Handel wird von großen Industriekonzernen dominiert

Große Industriekonzerne dominierten zunehmend den Handel, während mittelständische Unternehmen unter hohen Werbekosten und wachsender Bürokratie litten.

Besonders Zertifizierungen stellten viele Betriebe vor enorme finanzielle Hürden. „Auf diese Weise zerstört man den Mittelstand“, sagt Hoinkis.

Tradition und Anpassung sind kein Widerspruch

Das Erfolgsgeheimnis der Liebesperlen liegt laut Unternehmenschef in ihrer Unverwechselbarkeit. „Wir haben ein einzigartiges Produkt entwickelt. Jeder kennt und liebt die Liebesperlen, die zu den sogenannten gelernten Produkten gehören.“

Zwischen Nostalgie und Innovation beweisen die kleinen Zuckerperlen aus Görlitz, dass Tradition und Anpassungsfähigkeit kein Widerspruch sein müssen. Und vielleicht ist es gerade diese Mischung, die sie seit über einem Jahrhundert so erfolgreich macht.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com