Bisher sah man von der Straße nur, wie der Abriss-Bagger an der Fassade des SEZ wütete. Doch jetzt ist von den gegenüberliegenden Hochhäusern das ganze Ausmaß der Zerstörungswut des Berliner Senats sichtbar, wie er mit dem SEZ immer mehr die DDR-Geschichte aus Friedrichshain wegrasiert. Am einstigen Spaßbad fehlen nicht nur mehrere Fassaden- und Dachteile, auch das Außenbecken ist weg.
Abriss einer DDR-Ikone: So redet sich der Senat heraus
Dabei gibt es nicht einmal eine Abrissgenehmigung! Mit aller Macht will Bausenator Christian Gaebler (SPD) das SEZ plattmachen, um auf dem Areal 680 neue Wohnungen zu bauen.

Zu den andauernden Baggerarbeiten heißt es offiziell: Es seien die vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg genehmigten „vorbereitenden Maßnahmen“ für den SEZ-Abriss, die von der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft WBM durchgeführt werden.
Ziel der Arbeiten: Man wolle herausfinden, welche Schadstoffe im SEZ stecken, bevor es endgültig abgerissen wird.
Bagger wüten, dabei ist Abriss noch nicht final geklärt
Sabine Lorenz (51) von der Bürgerinitiative „SEZ für alle“ glaubt dagegen, dass die aktuellen Bagger-Arbeiten weit über das Ziel der „vorbereitenden Maßnahmen“ hinausgehen.
„Der Kampf um den Erhalt ist noch nicht vorbei“, sagt sie. „Das SEZ kann gerettet werden. Denn auch in der Berliner Politik ist der Abriss des SEZ noch völlig offen.“
In der Tat kämpfen nicht nur Menschen, die mit dem SEZ aufgewachsen sind, für den Erhalt des 1981 eröffneten Baus im Osten Berlins. Oder namhafte Architekten, die nicht in der DDR aufwuchsen und sich für den Verbleib des SEZ einsetzen. Auch mehrere Abgeordnete von CDU, SPD, Linkspartei und Grünen wollen über einen Alternativplan zum Abriss des einstigen DDR-Bades sprechen.

Und das soll in Form einer Machbarkeitsstudie geschehen, in der Experten die Möglichkeit eines Erhalts oder Teilerhalts des SEZ und dessen Kosten untersuchen soll. Anfang März soll im Bauausschuss des Abgeordnetenhauses darüber entschieden werden. „Bis dahin sollten die Arbeiten am SEZ in Richtung Abriss ruhen“, sagt Julian Schwarze, Stadtentwicklungssprecher der Grünen, dem KURIER.

Die WBM, die im Auftrag des Senats handelt, hat bereits eine Machbarkeitsstudie zu dem SEZ-Abriss und dem nachfolgenden Wohnprojekt vorgelegt. Das Dokument füllt den Inhalt von drei Aktenordnern.
Darin sind etwa der Bebauungsplan, Computergrafiken zu dem Aussehen des neuen Stadtteils, der Nachweis von Schadstoffen wie Asbest („in vertretbarem Umfang“) – und irgendwo steht, dass noch im ersten Quartal 2026 die WBM eine Bauvoranfrage einreichen will, um bei den Baubehörden die Zulässigkeit für das ganze Projekt SEZ-Abriss und Wohnungsneubau abzusichern.
Senatsstudie verrät nicht, was SEZ-Abriss kostet
Was in dem großen Papierwerk aber fehlt: Was der Abriss des SEZ und der Bau der 680 Wohnungen kosten wird. Keine Berechnung dazu habe der Grünen-Abgeordnete Julian Schwarze gefunden, der die gesamte Machbarkeitsstudie einsehen durfte.




