Das SEZ, der gigantische DDR‑Freizeittempel an der Landsberger Allee, wird abgerissen. 650 Wohnungen, eine Schule und Gewerbe sollen auf dem Gelände entstehen. Moderne Stadtplanung und endlich neue Wohnungen, sagen die einen. Ein Vernichten eines weiteren Stücks Ost-Identität, sagen die anderen. Und mitten in der Diskussion meldet sich auch die CDU in Marzahn-Hellersdorf mit einer Idee zu Wort.
SEZ-Einrichtungsgegenstände als Erinnerung
Sie will laut eines Berichts des Tagesspiegel Teile des SEZ in einem geplanten Kombibad in Marzahn‑Hellersdorf unterbringen.
Es ist Wahlkampf in Berlin und die Ostseele ist wund. Da wundert es nicht, wenn die CDU in Marzahn-Hellersdorf ein wenig Linderung versprechen will. Während Bagger und Abrissbirne am SEZ schon ihre Arbeit verrichten.
Das SEZ ist eben nicht nur Beton, es ist Erinnerung an Wellenbad, Polardisko, Chlorgeruch, Pommes, an erste Dates. Erinnerungen, die die CDU nun am liebsten konservieren will.
CDU-Fraktionschef Maximilian Schröder in Marzahn-Hellersdorf sagt gegenüber dem Blatt: „Das SEZ war für viele Menschen ein prägender Ort voller Erinnerungen. Wir möchten, dass im neuen Kombibad im Jelena‑Šantić‑Friedenspark ein Stück davon weiterlebt.“

Doch wie soll das gehen? Vom Innenleben des SEZ ist wenig übrig. Um welche Stücke es sich im Einzelnen handeln sollte, ist noch unklar. Doch Schröder legt nach: „Es wäre ein schönes Zeichen, wenn einzelne Gegenstände oder Gestaltungselemente dort eine neue Heimat finden. So können schöne Erinnerungen bewahrt werden und zugleich entsteht mit dem Kombibad ein neuer Ort, an dem hoffentlich schon bald viele weitere schöne Erinnerungen entstehen können.“
Die Wohnungsbaugesellschaft WBM, Bauherr und Abrisschefin im SEZ zeigt sich offen. Laut Tagesspiegel sei man „grundsätzlich bereit, das Anliegen zu prüfen“. Noch gibt es keine Details, keine Liste der Objekte, nur die Idee, die Ressentiments gegen den Abriss abfedern will.
Marzahn wartet auf eine Schwimmhalle
Marzahn‑Hellersdorf ist dabei in Berlin der einzige Bezirk ohne richtiges Freibad. Seit Jahren warten Familien, Vereine und Schulen auf ein Kombibad. Die Pläne wurden schon häufig verschoben, verkleinert, wieder aufgeblasen. Erst sollte es nur eine Typenschwimmhalle geben, jetzt läuft eine Machbarkeitsstudie für ein Außenbecken. Der Baubeginn? Wohl später als 2027.

Doch die Idee, SEZ‑Elemente zu retten, gibt dem Projekt plötzlich eine emotionale Dimension. Ob sie mehr ist als Wahlkampfgeplänkel, weiß bisher niemand. Den umstrittenen Abriss des SEZ stoppt der Plan jedenfalls nicht. Ab März soll der Abriss starten. Gegner bringen sich bereits in Stellung. Es seien geschützte Fledermäuse im SEZ gefunden worden, heißt es. Auch in Hinblick auf den bisher fehlenden Denkmalschutz wollen die zwei Vereine „Naturfreunde Berlin“ und „Gemeingut in BürgerInnenhand“ nicht lockerlassen und gegen den Abriss klagen. Es gibt Gutachten von der Architektenkammer Berlin und vom Landesdenkmalrat, die den Denkmalwert des SEZ unterstreichen.


