Millionenverluste

Der Berliner Tierpark ist in Finanz-Not

Der Senat prüft aktuell, ob sogar Flächen im Tierpark verkauft werden müssen. Der Berliner KURIER sprach mit dem Tierpark-Direktor Andreas Knieriem.

Author - Norbert Koch-Klaucke
Teilen
Tierpark- und Zoo-Chef Andreas Knieriem mit der Nashorn-Skulptur am Zoo Berlin.
Tierpark- und Zoo-Chef Andreas Knieriem mit der Nashorn-Skulptur am Zoo Berlin.Volkmar Otto

Bei den Tigern und Brillenbären im Tierpark Berlin gab es Nachwuchs. Gute Nachrichten, die man gerne von Direktor Dr. Andreas Knieriem (60) hört. Doch es gibt auch schlechte. Zwei große Gehege wurden geschlossen, von stagnierenden Einnahmen und hohen Kosten ist die Rede. Und der Senat prüft aktuell, ob Flächen verkauft werden sollen. Herr Direktor Knieriem, wie arm ist der Tierpark Berlin?

Knieriem leitet den ältesten Tiergarten Deutschlands

Seit zwölf Jahren ist er in Berlin. Andreas Knieriem leitet nicht nur den Zoo und damit den ältesten Tiergarten Deutschlands. Er ist auch Chef des Tierpark Berlin, mit 160 Hektar der größte innerstädtische Zoo weltweit. Knieriem weiß es zu schätzen, was auf dieser Anlage alles geleistet wurde, die vor 70 Jahren mithilfe der Berliner aufgebaut wurde, in der heute etwa 8000 Tiere leben, um die sich 237 Mitarbeiter kümmern.

In den vergangenen Jahrzehnten gab es immer wieder ein Auf und Ab, sagt Knieriem dem KURIER. „Nein, der Tierpark ist nicht arm“, sagt er. „Aber wir müssen uns wie alle in Deutschland fragen, wie weit man den Gürtel enger schnallen muss.“

Der wirtschaftliche Abschwung im Land macht allen zu schaffen. „Steigende Energiekosten und Lebensmittelpreise – da überlegen die Menschen schon, für was sie das Geld ausgeben. Das bekommt auch der Tierpark zu spüren“, sagt Knieriem.

Seit Jahren entsteht im Tierpark Berlin ein neues Elefantenkaus.
Seit Jahren entsteht im Tierpark Berlin ein neues Elefantenkaus.Markus Wächter/Berliner KURIER

Dazu kommt das Wetter. Seit 2024 zwei verregnete Sommer hintereinander. Die Herbstferien 2025 waren auch nicht besser. „Der Tierpark ist ein Freiluftunternehmen“, sagt Knieriem. Wenn es da an den falschen Tagen regnet, etwa am Wochenende statt am Montag oder Dienstag, dann spüre man das auch bei den Besucherzahlen und den Einnahmen.

Besonders hart traf die Maul- und Klauenseuche (MKS), die im Januar 2025 in Hönow ausgebrochen war. In der Gefahrenzone lag auch der Tierpark. Etwa zwei Wochen lang musste er schließen. Keine Besucher, keine Eintrittsgelder, aber die Kosten für die Versorgung der Tiere liefen weiter. MKS sorgte für etwa eine halbe Million Euro Verlust.

Tierpark musste den Gürtel schon enger schnallen

Wie weit der Tierpark in den vergangenen Monaten den Gürtel enger schnallen musste, steht im Geschäftsbericht 2025, der erst im Frühjahr offiziell veröffentlicht wird. Daher gibt es noch keine genauen Zahlen. Aber es gibt eine Prognose der Senatsfinanzverwaltung von Ende Dezember 2025.

Nach einem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche musste auch der Tierpark Berlin kurzzeitig schließen.
Nach einem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche musste auch der Tierpark Berlin kurzzeitig schließen.Sebastian Gollnow/dpa

Darin steht: Der Ticketverkauf 2025 werde deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen. „Wesentlichen Einfluss habe hierbei der Verkauf der Tagestickets, der sich rd. 32 Prozent unter Plan bewege. Der Verkauf der Jahreskarten werde den Planansatz um rd. 18 Prozent verfehlen. Die Erlöse aus Eintritten würden rd. 3.052.000 Euro unter Plan und rd. 1.168.000 Euro unter dem Vorjahr liegen.“ Zum Vergleich: 2024 hatte der Tierpark Einnahmen in Höhe von 24,3 Millionen Euro, 2023 waren es 24,6 Millionen Euro.

Ausgaben des Tierparks steigen enorm

Dagegen steigen die Ausgaben (2024: etwa 26,2 Millionen Euro) enorm. „Die Energiekosten haben sich verdoppelt. Serviceleistungen, zu denen das Reinigen der Besuchertoiletten gehören, sind um 20 bis 30 Prozent teurer geworden“, sagt Knieriem. Dazu kommen die hohen Personalkosten.

Das Schloss Friedrichsfelde im Tierpark Berlin wurde 1695 erbaut. Die heutige Form erhielt das Schloss im Jahr 1800.
Das Schloss Friedrichsfelde im Tierpark Berlin wurde 1695 erbaut. Die heutige Form erhielt das Schloss im Jahr 1800.Hohlfeld/imago

„In den vergangenen vier Jahren sind die Löhne im Schnitt um 25 Prozent gestiegen“, sagt Knieriem. Zu Recht, sagt der Tierpark-Chef, der auf die 237 fest angestellten Mitarbeiter stolz ist. Vom Pfleger und Handwerker bis zum Tierarzt – 70 Berufsgruppen kümmern sich um das Wohl des Tierparks. Und sie haben dafür gesorgt, dass trotz der Probleme die Besucherzahlen von 2025 im Millionenbereich liegen werden.

Zusammen mit dem Zoo gehört damit der Tierpark noch immer zu den meistbesuchten innerstädtischen Zoos der Welt – nach Singapur und San Diego. „New York liegt sogar hinter unseren Hauptstadtzoos“, sagt Knieriem. „Das alles haben wir auch unseren Mitarbeitern zu verdanken. Jeder zeigt, dass der Tierpark auch in schwierigen Zeiten seine Hausaufgaben macht.“ Und daher erklärt Knieriem: „Wir wollen niemanden entlassen!“ Nur bei Saisonkräften wurden die Verträge nicht verlängert.

Tierpark braucht im Sommer mehr Personal

Dabei braucht der Tierpark mehr Leute. Für das neue Elefantenhaus, das spätestens im Sommer eröffnet sein soll. Doch Neueinstellungen kann sich der Tierpark nicht leisten. So schlossen Anfang Februar zwei Tierreviere. Die Fasanerie und Teile des Haustierbereichs machten dicht, um Mitarbeiter für das Elefantenhaus zu bekommen.

Was aus den Flächen wird, ist unklar. Die Lichtenberger Abgeordnete Hendrikje Klein (Linke) befürchtet, dass die beiden Areale verkauft werden sollen. Sie fragte daher die Senatsfinanzverwaltung: „Gibt es Überlegungen oder Pläne, Flächen des Tierparks aus dem Gesamtareal herauszulösen und zu veräußern bzw. zu verpachten?“

Dem KURIER liegt exklusiv die Antwort der Finanzverwaltung vor: „Die Tierpark GmbH teilt mit, dass wirtschaftliche Herausforderungen auch künftig bestehen bleiben. […] Vor diesem Hintergrund kommt individuellen, auf den Betrieb zugeschnittenen Lösungsansätzen eine besondere Bedeutung zu. Eine Option sei die Herauslösung von Flächen. Dies wird aktuell senatsseitig geprüft.“

Davon ist im KURIER-Gespräch mit dem Tierpark-Direktor nicht die Rede. Knieriem stellt aber klar, warum die beiden Gehege geschlossen wurden. „Sie waren die entlegensten Areale mit den einfachsten Stallungen und die mit den wenigsten Besuchern – und sie waren sehr personalintensiv.“ Und natürlich war der Umbau des alten Dickhäuterhauses aus DDR-Zeiten wichtig. Nicht nur, weil das Gebäude ein Energiefresser war.

Elefantenanlage ist Investition in die Zukunft

Die neue, moderne Elefantenanlage: Sie soll für die weitere Attraktivität des Tierparks und damit für mehr Besucher sorgen. Eine Investition in die Zukunft, die 67 Millionen Euro kostet. Der Tierpark zahlt nur 6,7 Millionen Euro aus der eigenen Tasche. Der Löwenanteil stammt aus Fördermitteln der EU, von Bund und dem Land Berlin.

Selbst Gelder aus dem eingezogenen Vermögen der DDR-Parteien und Massenorganisationen fließen in den Tierpark. Etwa 1,1 Millionen Euro für eine Großvogelvoliere (Flamingos), 385.000 Euro für Handwerksarbeiten, Landschafts- und Tierpflege. Dazu kommen 350.000 Euro für neue Kühlzellen im Futterlager und 275.000 Euro für neue Trafos in den Tierpark-eigenen Energiestationen.

2023 wurde im Tierpark Berlin die neue Savannenlandschaft eröffnet.
2023 wurde im Tierpark Berlin die neue Savannenlandschaft eröffnet.Olaf Wagner/Pressefoto Wagner

Tierpark-Fans spenden gerne für den Berliner Park

Auch die Tierpark-Fans spenden, etwa als der Tierpark die Verluste wegen der Maul- und Klauenseuche hatte. Bis zu 350.000 Euro kamen bis heute zusammen.

„Die Berliner lieben ihren Tierpark“, sagt Knieriem. „Auch die Politik steht an unserer Seite.“ Die Senatsfinanzverwaltung wird dieses Jahr etwa sechs Millionen Euro als Betriebskostenzuschuss zahlen, rund 500.000 Euro mehr als im Vorjahr. Mit diesem Geld sollen Verluste aufgefangen werden. Die wirtschaftliche Situation sei beherrschbar, so Knieriem. „Der Tierpark wird niemals geschlossen“, sagt er.

Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.