Bei den Tigern und Brillenbären im Tierpark Berlin gab es Nachwuchs. Gute Nachrichten, die man gerne von Direktor Dr. Andreas Knieriem (60) hört. Doch es gibt auch schlechte. Zwei große Gehege wurden geschlossen, von stagnierenden Einnahmen und hohen Kosten ist die Rede. Und der Senat prüft aktuell, ob Flächen verkauft werden sollen. Herr Direktor Knieriem, wie arm ist der Tierpark Berlin?
Knieriem leitet den ältesten Tiergarten Deutschlands
Seit zwölf Jahren ist er in Berlin. Andreas Knieriem leitet nicht nur den Zoo und damit den ältesten Tiergarten Deutschlands. Er ist auch Chef des Tierpark Berlin, mit 160 Hektar der größte innerstädtische Zoo weltweit. Knieriem weiß es zu schätzen, was auf dieser Anlage alles geleistet wurde, die vor 70 Jahren mithilfe der Berliner aufgebaut wurde, in der heute etwa 8000 Tiere leben, um die sich 237 Mitarbeiter kümmern.
In den vergangenen Jahrzehnten gab es immer wieder ein Auf und Ab, sagt Knieriem dem KURIER. „Nein, der Tierpark ist nicht arm“, sagt er. „Aber wir müssen uns wie alle in Deutschland fragen, wie weit man den Gürtel enger schnallen muss.“
Der wirtschaftliche Abschwung im Land macht allen zu schaffen. „Steigende Energiekosten und Lebensmittelpreise – da überlegen die Menschen schon, für was sie das Geld ausgeben. Das bekommt auch der Tierpark zu spüren“, sagt Knieriem.

Dazu kommt das Wetter. Seit 2024 zwei verregnete Sommer hintereinander. Die Herbstferien 2025 waren auch nicht besser. „Der Tierpark ist ein Freiluftunternehmen“, sagt Knieriem. Wenn es da an den falschen Tagen regnet, etwa am Wochenende statt am Montag oder Dienstag, dann spüre man das auch bei den Besucherzahlen und den Einnahmen.
Besonders hart traf die Maul- und Klauenseuche (MKS), die im Januar 2025 in Hönow ausgebrochen war. In der Gefahrenzone lag auch der Tierpark. Etwa zwei Wochen lang musste er schließen. Keine Besucher, keine Eintrittsgelder, aber die Kosten für die Versorgung der Tiere liefen weiter. MKS sorgte für etwa eine halbe Million Euro Verlust.
Tierpark musste den Gürtel schon enger schnallen
Wie weit der Tierpark in den vergangenen Monaten den Gürtel enger schnallen musste, steht im Geschäftsbericht 2025, der erst im Frühjahr offiziell veröffentlicht wird. Daher gibt es noch keine genauen Zahlen. Aber es gibt eine Prognose der Senatsfinanzverwaltung von Ende Dezember 2025.

Darin steht: Der Ticketverkauf 2025 werde deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen. „Wesentlichen Einfluss habe hierbei der Verkauf der Tagestickets, der sich rd. 32 Prozent unter Plan bewege. Der Verkauf der Jahreskarten werde den Planansatz um rd. 18 Prozent verfehlen. Die Erlöse aus Eintritten würden rd. 3.052.000 Euro unter Plan und rd. 1.168.000 Euro unter dem Vorjahr liegen.“ Zum Vergleich: 2024 hatte der Tierpark Einnahmen in Höhe von 24,3 Millionen Euro, 2023 waren es 24,6 Millionen Euro.
Ausgaben des Tierparks steigen enorm
Dagegen steigen die Ausgaben (2024: etwa 26,2 Millionen Euro) enorm. „Die Energiekosten haben sich verdoppelt. Serviceleistungen, zu denen das Reinigen der Besuchertoiletten gehören, sind um 20 bis 30 Prozent teurer geworden“, sagt Knieriem. Dazu kommen die hohen Personalkosten.

„In den vergangenen vier Jahren sind die Löhne im Schnitt um 25 Prozent gestiegen“, sagt Knieriem. Zu Recht, sagt der Tierpark-Chef, der auf die 237 fest angestellten Mitarbeiter stolz ist. Vom Pfleger und Handwerker bis zum Tierarzt – 70 Berufsgruppen kümmern sich um das Wohl des Tierparks. Und sie haben dafür gesorgt, dass trotz der Probleme die Besucherzahlen von 2025 im Millionenbereich liegen werden.
Zusammen mit dem Zoo gehört damit der Tierpark noch immer zu den meistbesuchten innerstädtischen Zoos der Welt – nach Singapur und San Diego. „New York liegt sogar hinter unseren Hauptstadtzoos“, sagt Knieriem. „Das alles haben wir auch unseren Mitarbeitern zu verdanken. Jeder zeigt, dass der Tierpark auch in schwierigen Zeiten seine Hausaufgaben macht.“ Und daher erklärt Knieriem: „Wir wollen niemanden entlassen!“ Nur bei Saisonkräften wurden die Verträge nicht verlängert.
Tierpark braucht im Sommer mehr Personal
Dabei braucht der Tierpark mehr Leute. Für das neue Elefantenhaus, das spätestens im Sommer eröffnet sein soll. Doch Neueinstellungen kann sich der Tierpark nicht leisten. So schlossen Anfang Februar zwei Tierreviere. Die Fasanerie und Teile des Haustierbereichs machten dicht, um Mitarbeiter für das Elefantenhaus zu bekommen.
Was aus den Flächen wird, ist unklar. Die Lichtenberger Abgeordnete Hendrikje Klein (Linke) befürchtet, dass die beiden Areale verkauft werden sollen. Sie fragte daher die Senatsfinanzverwaltung: „Gibt es Überlegungen oder Pläne, Flächen des Tierparks aus dem Gesamtareal herauszulösen und zu veräußern bzw. zu verpachten?“
Dem KURIER liegt exklusiv die Antwort der Finanzverwaltung vor: „Die Tierpark GmbH teilt mit, dass wirtschaftliche Herausforderungen auch künftig bestehen bleiben. […] Vor diesem Hintergrund kommt individuellen, auf den Betrieb zugeschnittenen Lösungsansätzen eine besondere Bedeutung zu. Eine Option sei die Herauslösung von Flächen. Dies wird aktuell senatsseitig geprüft.“
Davon ist im KURIER-Gespräch mit dem Tierpark-Direktor nicht die Rede. Knieriem stellt aber klar, warum die beiden Gehege geschlossen wurden. „Sie waren die entlegensten Areale mit den einfachsten Stallungen und die mit den wenigsten Besuchern – und sie waren sehr personalintensiv.“ Und natürlich war der Umbau des alten Dickhäuterhauses aus DDR-Zeiten wichtig. Nicht nur, weil das Gebäude ein Energiefresser war.
Elefantenanlage ist Investition in die Zukunft
Die neue, moderne Elefantenanlage: Sie soll für die weitere Attraktivität des Tierparks und damit für mehr Besucher sorgen. Eine Investition in die Zukunft, die 67 Millionen Euro kostet. Der Tierpark zahlt nur 6,7 Millionen Euro aus der eigenen Tasche. Der Löwenanteil stammt aus Fördermitteln der EU, von Bund und dem Land Berlin.
Selbst Gelder aus dem eingezogenen Vermögen der DDR-Parteien und Massenorganisationen fließen in den Tierpark. Etwa 1,1 Millionen Euro für eine Großvogelvoliere (Flamingos), 385.000 Euro für Handwerksarbeiten, Landschafts- und Tierpflege. Dazu kommen 350.000 Euro für neue Kühlzellen im Futterlager und 275.000 Euro für neue Trafos in den Tierpark-eigenen Energiestationen.






