Erinnern Sie sich?

DDR-Kult „Ein Kessel Buntes“: Das traurige Ende der drei Dialektiker

Das Kabarett-Trio moderierte die Show mehr als fünf Jahre. Doch dann verschwanden Manfred Uhlig, Lutz Stückrath und Horst Köbbert von der Bildfläche.

Author - Florian Thalmann
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Die Drei Dialektiker Horst Köbbert, Manfred Uhlig und Lutz Stückrath moderierten fünf Jahre lang „Ein Kessel Buntes“, die größte Unterhaltungsshow der DDR.
Die Drei Dialektiker Horst Köbbert, Manfred Uhlig und Lutz Stückrath moderierten fünf Jahre lang „Ein Kessel Buntes“, die größte Unterhaltungsshow der DDR.Eventpress/imago, Montage: FTH/BK

Es gibt Stars aus der DDR, die für eine ganze Zeit lang landauf, landab berühmt waren – doch dann verschwanden sie ganz plötzlich von der Bildfläche. Und dennoch: Manch einer erinnert sich gern an sie, schließlich standen sie mal im Rampenlicht. Ein gutes Beispiel sind die drei Dialektiker. Klingelt’s? Das Komiker-Trio moderierte jahrelang „Ein Kessel Buntes“, die berühmteste Unterhaltungsshow der DDR! Warum waren sie plötzlich weg – und was wurde aus den Stars?

Die drei Dialektiker waren die Stars in „Ein Kessel Buntes“

Die drei Dialektiker gehören zu jenen Fernseh-Persönlichkeiten des Ostens, die viele Menschen aus der DDR heute sicherlich beinahe vergessen haben. Und doch waren sie Superstars, denn sie moderierten fünf Jahre lang „Ein Kessel Buntes“.

Schon in der ersten Folge der Kult-Sendung aus dem Osten standen sie im Berliner Friedrichstadt-Palast auf der Bühne – und moderierten die einzelnen Künstlerinnen und Künstler an. Darunter West-Schlagersängerin Manuela, Ost-Star Frank Schöbel, das Ensemble des Kabarett-Theater Distel in Berlin und Kabarettist Heinz Draehn.

Der Auftakt einer steilen Karriere für die drei Dialektiker: Nach der Show am 29. Januar 1972 moderierten sie „Ein Kessel Buntes“ in der DDR bis ins Jahr 1977 – bei der Unterhaltungssendung, die am 30. April 1977 ebenfalls aus dem Friedrichstadt-Palast in Berlin gesendet wurde, verabschiedeten sie sich vom Publikum.

Und verschwanden danach in der Versenkung. Der Grund: Das Kabarettisten-Trio wurde eigens und nur für „Ein Kessel Buntes“ ins Leben gerufen. Und verlor mit der Idee, dass wechselnde Künstler die Fernsehshow moderieren könnten, die ganz große Bühne.

Manfred Uhlig mit Lutz Stückrath gehörten zur Kabarett-Gruppe Die drei Dialektiker, moderierten fünf Jahre lang die DDR-Show „Ein Kessel Buntes“.
Manfred Uhlig mit Lutz Stückrath gehörten zur Kabarett-Gruppe Die drei Dialektiker, moderierten fünf Jahre lang die DDR-Show „Ein Kessel Buntes“.Eventpress/imago

Aber: Wer waren „Die drei Dialektiker“? Zu dem Trio gehörten die Kabarettisten Horst Köbbert aus Rostock, Lutz Stückrath aus Berlin und Manfred Uhlig aus Leipzig. Den Namen erhielt die Gruppe, weil alle drei Männer unterschiedliche Dialekte mit auf die Bühne brachten.

Manfred Uhlig sächselte, Lutz Stückrath berlinerte und Horst Köbbert sprach feinsten Ostseedialekt. Die Auswahl sollte auch einen Querschnitt der Bevölkerung der DDR darstellen: Einer der drei kam aus dem Norden, einer aus dem Süden und einer aus der Hauptstadt.

Die drei Dialektiker kritisierten auch die DDR

Neben den Ansagen der Künstler, die bei „Ein Kessel Buntes“ auf der Bühne standen, spielten die drei Dialektiker auch Sketche – und kommentierten damit auch bissig aktuelle politische Probleme in der DDR. Dabei ging es zum Beispiel um die Versorgungslage in der DDR und die Mangelwirtschaft.

Lutz Stückrath verlas bei einem Auftritt etwa die Anfrage eines Mannes, der wissen wollte, ob eigentlich Tomaten oder grüne Bohnen gesünder sind. Kollege Manfred Uhlig antwortete: „In diesem Jahr Tomaten. Kann aber auch sein, dass es im nächsten Jahr mehr grüne Bohnen gibt.“ Bei einem Sketch drehte Uhlig ein Stück Tapete durch eine kleine Wäschemangel – und kommentierte es mit „Das ist Mangelware“.

Manfred Uhlig an seinem heimischen Schreibtisch. Der Kabarettist stand nicht nur bei „Ein Kessel Buntes“ im Fernsehen der DDR auf der Bühne, sondern war ein echtes Leipziger Original.
Manfred Uhlig an seinem heimischen Schreibtisch. Der Kabarettist stand nicht nur bei „Ein Kessel Buntes“ im Fernsehen der DDR auf der Bühne, sondern war ein echtes Leipziger Original.Picture Point/imago

Solche und andere Kommentare zum Leben in der DDR brachten das Publikum im Friedrichstadt-Palast zum Kreischen. Doch Anfang der 70er-Jahre entschied man sich, die Sendung „Ein Kessel Buntes“ zukünftig von einer Vielzahl an DDR-Stars moderieren zu lassen.

Fortan übernahmen wechselnde Promis die Ansagen – dazu gehörten Komiker-Legende Helga Hahnemann, Sängerin Dagmar Frederic, Schlager-Star Frank Schöbel, Moderatorin Petra Kusch-Lück und Peter Kersten. Er war in der DDR auch als „Zauberpeter“ bekannt, brachte mit seiner Fernsehsendung „Zauber auf Schloss Kuckuckstein“ die Magie in die Wohnzimmer des Ostens.

„Ein Kessel Buntes“ war DIE Unterhaltungssendung der DDR. Hier traten auch internationale Stars und Bands wie ABBA auf.
„Ein Kessel Buntes“ war DIE Unterhaltungssendung der DDR. Hier traten auch internationale Stars und Bands wie ABBA auf.United Archives/imago

Die drei Dialektiker: Abschied von „Ein Kessel Buntes“

Für die drei Dialektiker endete damit ein Stück TV-Karriere. Berichten zufolge verloren sie die Bühne bei „Ein Kessel Buntes“ auch deshalb, weil sie nicht akzeptieren wollten, dass an ihren kabarettistischen Texten zu viel geändert wurde. Doch was wurde aus ihnen?

Für alle drei ging die Karriere auf verschiedenen Wegen weiter. Horst Köbbert war auch weiterhin auf der Bühne und für das Fernsehen aktiv, moderierte nach der Wende etwa die Sendung „Große Hafenrundfahrt“ im NDR. 2023 musste er sich wegen einer Erkrankung aus dem Showgeschäft zurückziehen. Köbbert starb am 11. Juli 2014.

Lutz Stückrath arbeitete nach dem Ende bei „Ein Kessel Buntes“ und dem Bühnenabschied der drei Dialektiker weiter als freischaffender Kabarettist, spielte in etlichen Fernseh- und Kinofilmen mit, unter anderem bei „In aller Freundschaft“, „Der Landarzt“ und „Unser Charly“. Seinen letzten Auftritt vor der Kamera hatte er im Jahr 2005 in „Die Küstenwache“. Auf der Bühne stand er unter anderem im Berliner Kabaretttheater „Die Stachelschweine“. Er erkrankte an Krebs, starb im Oktober 2020 in Berlin und wurde in Rahnsdorf beigesetzt.

DDR-Star Manfred Uhlig und „Alte Liebe rostet nicht“

Und Manfred Uhlig? Der Leipziger arbeitete schon vor dem Start der drei Dialektiker unter anderem bei Radio DDR I, moderierte dort zusammen mit Günter Hansel die Sendung „Alte Liebe rostet nicht“ – mit 24 Jahren Dauer war sie eine der beliebtesten Rundfunksendungen im Radio in Deutschland.

Nach der Wende war er unter anderem für den Mitteldeutschen Rundfunk tätig. Er starb im Juli 2019 in seiner Geburtsstadt Leipzig. Als die drei Dialektiker werden Manfred Uhlig, Lutz Stückrath und Horst Köbbert Fans von „Ein Kessel Buntes“ lange in Erinnerung bleiben.

Erinnern Sie sich noch an „Ein Kessel Buntes“ und an die drei Dialektiker? Schicken Sie uns Ihre Meinung zum Thema per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!