Erinnern Sie sich noch?

Raststätten der Mitropa in der DDR: Das stand auf der Speisekarte!

Die Mitropa betrieb in der DDR nicht nur Speisewagen, sondern auch Gaststätten an der Autobahn. Wir haben in die Karte geguckt.

Author - Florian Thalmann
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Auch Autofahrer brauchen mal eine Pause - das war schon in der DDR so. Die Mitropa kümmerte sich an den Autobahnraststätten deshalb um gutes Essen für die hungrigen DDR-Bürger.
Auch Autofahrer brauchen mal eine Pause - das war schon in der DDR so. Die Mitropa kümmerte sich an den Autobahnraststätten deshalb um gutes Essen für die hungrigen DDR-Bürger.Sächsische Zeitung/imago, Facebook

Wer zu DDR-Zeiten beim Reisen Hunger bekam, der kam um ein Unternehmen nicht herum: die Mitropa! Die Mitteleuropäische Schlafwagen- und Speisewagen-Aktien-Gesellschaft versorgte zu Honeckers Zeiten nicht nur die Fahrgäste der Bahn in den Speisewagen, sondern auch in Bahnhofsgaststätten und an Autobahnraststätten. Während noch heute Speisekarten belegen, was es in Speisewagen der Mitropa oder an den Bahnhofsgaststätten gab, sind Karten von Autobahnraststätten eine Seltenheit. Doch eine wurde jetzt entdeckt!

Was gab es in der DDR an den Mitropa-Raststätten?

Die Mitropa wurde schon im Jahr 1916 während des ersten Weltkrieges gegründet, im Jahr 1945 zwischen Ost und West aufgeteilt. Fortan kümmerte sich in der Bundesrepublik die Deutsche Schlafwagen- und Speisewagengesellschaft (DSG) um die Versorgung der Fahrgäste, in der DDR wurde die Mitropa weitergeführt. Nach und nach wurde der Schaffenskreis des Unternehmens ausgebaut – weg vom ausschließlichen Betrieb der Speisewagen, hin zur Versorgung der Menschen in Bahnhofsgaststätten.

Die Mitropa übernahm später auch die gastronomische Versorgung auf den Schiffen der Weißen Flotte in Berlin und bei der Sächsischen Dampfschifffahrt in Dresden. Auch Fahrgäste der Eisenbahnfähren auf der Ostsee kamen in den Genuss der Arbeit des Unternehmens.

1961 dann bekam die Gesellschaft auch die Aufgabe, die Autobahnraststätten der DDR zu versorgen. Interessant: Während vom Betrieb der Schlafwagen und Bahnhofsgaststätten noch viele Speisekarten existieren, ist es sehr schwierig, einen Blick auf das kulinarische Angebot der Raststätten zu werfen.

Blick in einen Speisewagen der Mitropa. Die Gesellschaft versorgte zu DDR-Zeiten die Bahrgäste, die in den Zügen unterwegs waren. Noch heute loben viele das Flaschenbier.
Blick in einen Speisewagen der Mitropa. Die Gesellschaft versorgte zu DDR-Zeiten die Bahrgäste, die in den Zügen unterwegs waren. Noch heute loben viele das Flaschenbier.Arkivi/imago

In einer Gruppe auf Facebook, die sich Erinnerungen an die DDR widmet, ist jetzt aber eine der seltenen Speisekarten aufgetaucht. Sie stammt von der Autobahnraststätte in Wilsdruff bei Dresden, galt ab dem 30. Januar 1979. In der Speisekarte wurde nach Preisstufe II abgerechnet – dieses System legte in der DDR die Preise für Gaststätten je nach Größe und Qualität fest.

Preisstufe I wurde in einfachen Gaststätten, Kantinen und Selbstbedienungslokalen kassiert, Preisstufe II in mittleren Gaststätten, Preisstufe III galt in gehobenen Gaststätten und Spezialitätenrestaurants. Preisstufe IV war gehobenen Lokalen vorbehalten.

Mitropa an der Autobahnraststätte Wilsdruff: Das gab es

Und was gab es im Mitropa-Lokal an der Autobahnraststätte Wilsdruff? Zwischen 14 Uhr und 21.30 wurden im Gasthaus warme Speisen serviert. Als Vorspeisen standen unter anderem Gänsefettbemmchen mit Käse für 2,25 Mark auf der Karte, außerdem gab es zwei halbe Pfirsiche mit Geflügelsalat für 3,10 Mark. Wer etwas Kaltes als Vorspeise wollte, konnte unter anderem zum Eiersalat garniert mit Weißbrot für 1,95 Mark greifen – oder Geflügelsalat mit Toast für 2,25 Mark und Berliner Wurstsalat mit Butter und Brot für 2,40 Mark wählen.

Die Mitropa versorgte auch die Menschen an den Autobahnen mit Essen. Hier: Alte Fotos zeigen den Mitropa Rasthof Hermsdorfer Kreuz in Thüringen.
Die Mitropa versorgte auch die Menschen an den Autobahnen mit Essen. Hier: Alte Fotos zeigen den Mitropa Rasthof Hermsdorfer Kreuz in Thüringen.Arkivi/imago

Auch Suppen hatte die Mitropa-Gaststätte an der Autobahnraststätte Wilsdruff im Angebot. Es gab unter anderem Kraftbrühe mit Eierstich und Gemüse für 0,65 Mark, Ukrainische Soljanka mit Sauerrahm und Zitrone für 1,95 Mark und Tomatencremesuppe mit Einlage für 1,20 Mark. Für den größeren Hunger boten sich das Omelett für 1,60 Mark oder gebackene Eier mit Letscho, Risotto und Salat für 3,40 Mark an.

Essen am Rasthof der Mitropa: Kaninchen für 5,60 Mark

Auch die Hauptgerichte konnten sich sehen lassen! Für Fisch-Fans hatte das Personal der Mitropa-Gaststätte Karpfen „blau“ mit Zitrone, Meerrettich, Schwenkkartoffeln und Salat für 5,70 Mark im Angebot. Außerdem gab es natürlich den halben Goldbroiler mit Pommes und Salat für 6,60 Mark. Auch Kaninchenbraten mit Sahnesoße, Rotkohl und Kartoffeln konnte man hier für 5,60 Mark genießen.

Spannend: Mehrere Gerichte sind als Fertiggerichte aufgelistet. Rinderbrust mit Kräutersoße und Klößen gab es schon für 3,45 Mark, Gulasch Szegediner Art mit Kartoffeln für 3,60 Mark und Hackbraten und Grillwürstchen mit Erbsen und Pommes Frites für 4,85 Mark.

Es finden sich auch mehrere Gerichte auf der Karte, bei denen sich kaum nachvollziehen lässt, worum es sich handelte. Etwa die Raststättenschnitte für 3,45 Mark und die Käseplatte „Weißer Schwan“ mit Butter und Brot für 3,35 Mark. Für Naschkatzen bot die Küche den Eisbecher „Praline“ für 3,10 Mark, den Frucht-Eisbecher mit Sahne für 2,50 Mark, die garnierte Mandelcreme für 1,80 Mark und eine Schale feine Quarkcreme mit Früchten für 1,40 Mark.

Speisekarte der Mitropa vom Rasthof Wilsdruff in der DDR

Aus der Speisekarte der Mitropa-Gaststätte an der Raststäte Wilsdruff
  • Gänsefettbemmchen mit Käse: 2,25 Mark
  • Zwei halbe Pfirsiche mit Geflügelsalat gefüllt: 3,10 Mark
  • Kraftbrühe mit Eierstich und Gemüse: 0,65 Mark
  • Ukrainische Soljanka mit Sauerrahm und Zitrone: 1,95 Mark
  • Tomatencremesuppe mit Einlage: 1,20 Mark
  • Omelett: 1,60 Mark
  • 2 gebackene Eier mit Letscho, Risotto und Salat: 3,40 Mark
  • Karpfen „blau“ mit Zitrone, Meerrettich, Schwenkkartoffeln und Salat: 5,70 Mark
  • ½ Goldbroiler mit Pommes und Salat: 6,60 Mark
  • ¼ Ente mit Rotkohl und Klößen: 5,35 Mark
  • Kaninchenbraten mit Sahnesoße, Rotkohl und Kartoffeln: 5,60 Mark
  • Rinderbrust mit Kräutersoße und Klößen: 3,45 Mark
  • Gulasch Szegediner Art mit Kartoffeln: 3,60 Mark
  • Hackbraten und Grillwürstchen mit Erbsen und Pommes Frites: 4,85 Mark
  • Filetgulasch „Stroganoff“ mit Risotto: 5,45 Mark
  • Meißner Bratwurstspieß auf Sauerkohl mit Kartoffelpüree: 5,10 Mark
  • Kaßlerkotelett „Metzger Art“ mit Pommes: 5,60 Mark
  • Eiersalat garniert mit Weißbrot: 1,95 Mark
  • Geflügelsalat mit Toast: 2,25 Mark
  • Berliner Wurstsalat mit Butter und Brot: 2,40 Mark
  • Raststättenschnitte: 3,45 Mark
  • Käseplatte „Weißer Schwan“ mit Butter und Brot: 3,35 Mark
  • Eisbecher „Praline“: 3,10 Mark
  • Frucht-Eisbecher mit Sahne: 2,50 Mark
  • Mandelcreme, garniert: 1,80 Mark
  • Feine Quarkcreme mit Früchten: 1,40 Mark

Viele erinnern sich noch heute an die Preise in der DDR

Das alles klingt verlockend – und günstig. Viele erinnern sich noch heute an das Essen auf den Raststätten der DDR, manche reagieren aber belustigt auf die Speisekarte. „Ja, da hatte der Kellner noch Hose mit Weste an“, schreibt ein Nutzer. „Allerdings musste man anstehen, wenn man da mal essen wollte auf der Autobahn.“

Ein anderer: „Wer war denn dort essen? Eine Raststätte in der DDR hatte doch für den Bürger selbst nur einen geringen Nutzen.“ Und einer erinnert sich vor allem daran, dass vieles im Vergleich zu heute günstiger war. „Das waren noch Preise, man konnte in die Mitropa gehen, Bier 0,25l für 48 Pfennig. Das war der Osten Deutschlands. Wir haben weniger verdient, aber (bis auf die Repressalien) besser gelebt.“

Erinnern Sie sich noch an die Mitropa-Gaststätten – und wie fanden Sie damals Speisenangebot und Preise? Schicken Sie uns Ihre Erinnerungen per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!