Brewdog ist ein wahres Erlebnis für Biertrinker. Aus über 100 IPA-Biersorten kann man in einer Bar der schottischen Brauerei wählen. Auch die schicken Standorte in Mitte und Friedrichshain können sich wirklich sehen lassen. Ebenso wie die prächtige Brauerei im Marienpark in Mariendorf, die man neben dem Biergenuss auch besichtigen kann. Trotz alldem ist Brewdog einfach nicht erfolgreich genug und muss nun alle Standorte in Berlin schließen.
Brewdog zieht sich aus ganz Deutschland zurück
Brewdog scheitert in Deutschland – und jetzt ist es offiziell: Alle Standorte schließen, der Craftbier-Gigant stellt kommende Woche einen Insolvenzantrag beim Berliner Amtsgericht. Morgenpost berichtet. Die Nachricht kommt nicht völlig überraschend, doch ihr Ausmaß trifft die Betroffenen hart.
Schon die Schließung des Standorts in Berlin-Friedrichshain ließ Schwierigkeiten erahnen. Nun ist klar: Es bleibt nicht bei einem Einzelfall. Was als mutiger Versuch begann, die deutsche Hauptstadt mit schottischem Craftbier zu erobern, endet abrupt und endgültig.

Unternehmensgründer und CEO James Watt selbst informierte die Belegschaft per E-Mail über die drastischen Schritte. Die angeschlossene Brewdog-Agentur in London bestätigte am Freitagabend, dass sämtliche deutschen Bars sowie die Berliner Brauerei in den Insolvenzprozess gehen. Laut James Watt sei dies ein notwendiger Schritt, um der Marke Brewdog „eine geordnete Neuausrichtung“ zu ermöglichen. Für viele Angestellte klingt das wie ein schwacher Trost inmitten einer existenziellen Krise.
Harte Folgen für das Team – Löhne bleiben aus
In Berlin trifft der Schock besonders hart: Neben der bereits geschlossenen Friedrichshain-Filiale verschwinden nun auch die Bar in der Ackerstraße in Mitte sowie der beliebte Biergarten samt Brauerei im Marienpark. Diese Standorte galten bislang als Aushängeschilder der Marke – lebendige Treffpunkte, voll mit Touristen, Expats und Craftbier-Liebhabern. Doch jetzt heißt es: Lichter aus, Zapfhähne zu.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet die Insolvenz nicht nur den Verlust ihres Arbeitsplatzes, sondern auch eine unmittelbare finanzielle Unsicherheit. Die Gehälter für Februar werden nicht wie gewohnt überwiesen. Stattdessen sollen die Beschäftigten Insolvenzgeld über die Bundesagentur für Arbeit erhalten – ein bürokratischer Vorgang, der unter der Aufsicht eines vorläufigen Insolvenzverwalters läuft. Laut Watt bleiben die Arbeitsverträge währenddessen zunächst bestehen, doch das ändert wenig an der Tatsache, dass der Alltag der Angestellten von heute auf morgen ins Wanken gerät.
Brewdog schweigt über Gründe für den Rückzug
Warum Brewdog Deutschland letztlich scheiterte, bleibt vorerst unklar. Watt nannte keine konkreten Gründe, versprach jedoch, dass er und der vorläufige Insolvenzverwalter zeitnah „klare Informationen und genaue Zeitpläne“ liefern wollen.
Auch außerhalb Berlins zieht sich Brewdog zurück. Die Filiale in Wiesbaden verschwand bereits zum Jahreswechsel, nun folgt der einzige verbliebene Standort in Hamburg. Damit bleibt von Brewdogs groß angekündigtem Deutschland-Auftritt nichts mehr übrig als ein abruptes Ende und viele offene Fragen.
Wir trinken einfach zu wenig Bier
Sicherlich hängt der Rückzug von Brewdog auch damit zusammen, dass der Bierkonsum in Deutschland seit Jahren deutlich sinkt. 2025 fiel der Bierabsatz erstmals unter die Marke von acht Milliarden Litern und erreichte nur noch rund 7,8 Milliarden Liter, was einem Rückgang von über sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dieser Trend setzt eine langfristige Entwicklung fort, denn seit 1993 hat sich der Absatz insgesamt um mehr als ein Viertel verringert.
Verantwortlich dafür sind vor allem ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein, eine älter werdende Bevölkerung und veränderte Trinkgewohnheiten, die zu weniger Alkoholkonsum führen. Auch wirtschaftliche Faktoren spielen eine Rolle: Gestiegene Preise in Gastronomie und Handel dämpfen die Nachfrage zusätzlich.

Daneben beeinflussen äußere Bedingungen den Markt: Verregnete Sommer bremsen den Absatz in Biergärten, während alkoholfreies Bier immer beliebter wird und dem klassischen Bier zunehmend Marktanteile abnimmt. Zwar sorgte der außergewöhnlich heiße Juli 2025 kurzzeitig für Rekordverkäufe, doch dieser Effekt konnte den übergeordneten Negativtrend nicht aufhalten. Insgesamt zeigt sich: Trotz einzelner Ausschläge nach oben bewegt sich der Biermarkt in Deutschland seit Jahren klar und stetig nach unten.


