Das Bäckerei-Sterben in Deutschland ist eine traurige Entwicklung. Doch Strom, Gas und Öl zum Backen werden immer teurer, ganz zu schweigen von den Zutaten. Jetzt hat es die nächste traditionsreiche Kette getroffen: Im Sauerland (Nordrhein-Westfalen) muss ein 1890 gegründeter Betrieb alle Filialen schließen.
Bäckerei Kayer ist insolvent und macht dicht
Zwei der insgesamt 14 Filialen der Bäckerei Kayser haben bereits am Sonntag ihre Türen geschlossen. Auch die restlichen beiden Standorte werden zum Monatsende dichtmachen. Das bestätigte der Sprecher des Insolvenzverwalters Prof. Dirk Andres gegenüber Bild: „Wider Erwarten hat sich trotz intensiver Suche leider kein Investor gefunden, der bereit gewesen wäre, den Geschäftsbetrieb zu übernehmen.“
„Alle Bemühungen, für das Unternehmen und die Arbeitsplätze eine dauerhaft wirtschaftlich tragfähige Struktur zu schaffen, haben damit nicht zum Erfolg geführt.“ Ein Satz, der wie ein letzter Nagel im Sarg eines Traditionsbetriebs wirkt, der über Jahrzehnte zur sauerländischen Kultur gehörte und nun endgültig verstummt.

Welche Gründe am Ende ausschlaggebend waren und warum die Suche nach einem Investor scheiterte, wollte der Sprecher nicht konkret benennen. Noch vor einer Woche hieß es eigentlich, der Betrieb könne zumindest mit acht Filialen in Nordrhein-Westfalen fortgeführt werden. Ein Hoffnungsschimmer, der sich nun als trügerisch entpuppt.
120 Mitarbeiter ohne Job
Stattdessen steht jetzt das bittere Aus fest: Die Insolvenz ist endgültig und bedeutet das Ende einer Ära, die viele Kunden seit Jahrzehnten begleitet hat. Besonders hart trifft es die Belegschaft. Rund 120 Mitarbeiter müssen ihren Arbeitsplatz räumen und werden in den kommenden Tagen ihre Kündigungen erhalten. Allein in Lüdenscheid betrieb Kayser sechs Standorte, die übrigen lagen im regionalen Umland.
Lediglich zwei Filialen – im Sterncenter und an der Herscheider Landstraße – bleiben noch ein paar Wochen geöffnet, um die vorhandenen Warenbestände abzubauen. Danach wird auch hier das Licht ausgehen.
Traditionsbetrieb stolpert zum zweiten Mal
Die Geschichte hinter dem Fall geht weit zurück. Denn für die Bäckerei Kayser ist es nicht die erste finanzielle Schieflage. Bereits vor zwei Jahren hatte das Unternehmen Insolvenz anmelden müssen – ein Schock, dem damals ein vermeintlicher Rettungsanker folgte. Die HKT Verwaltungs- und Verwertungsgesellschaft mbH aus Frankfurt übernahm daraufhin den Betrieb und führte ihn unter dem neuen Namen „Kayser Drei“ weiter. Für einen Moment kehrte Hoffnung zurück, dass der Traditionsbetrieb noch einmal durchstarten könnte.

Doch dieser Neustart blieb nicht nachhaltig. Die Probleme, die das Unternehmen schon damals belasteten, holten es erneut ein. Die wirtschaftliche Lage, steigende Kosten, verändertes Konsumverhalten – viele Faktoren dürften eine Rolle gespielt haben, auch wenn sich offiziell niemand in die Karten schauen lässt.
Bäckerei-Sterben auch in Berlin
Auch in Berlin schließen immer mehr traditionsreiche Läden. Die Bäckerei Zessin (1938 gegründet) im Prenzlauer Berg, ein Überbleibsel der DDR-Tradition, musste Ende 2025 dichtmachen – und zwar alle drei Filialen. Besonders die Geschäfte in der Bötzowstraße und Zionskirchstraße waren in ihrem Kiez stark verankert und bekannt für ihre „Ostschrippen“.


