Berlin

1 Million Euro Belohnung, aber die Fahndung nach Stromanschlag stockt

Das Bundeskriminalamt setzte bis zu 1 Million Euro Belohnung für Hinweise zum Anschlag aufs Berliner Stromnetz aus

Author - Stefan Doerr
Teilen
Mit einer Plakat-Kampagne wird um Hinweise zu dem Anschlag auf das Stromnetz im Südwestens Berlin Anfang Januar gebeten.
Mit einer Plakat-Kampagne wird um Hinweise zu dem Anschlag auf das Stromnetz im Südwestens Berlin Anfang Januar gebeten.Sebastian Gollnow/dpa

Tagelang legte ein linksterroristischer Anschlag die Stromversorgung in Berlin lahm. Berlin und der Bund ergriffen drastische Maßnahmen, um die Verantwortlichen zu schnappen und lobten eine Belohnung von einer Million Euro für Hinweise auf die Täter aus. Mit einer Plakat-Kampagne in Berlin jagen die Behörden die Strom-Terroristen.

Auch drei Wochen nach dem schweren Anschlag auf das Berliner Stromnetz im Südwesten der Stadt kommen die Ermittlungen nur schleppend voran. Zehntausende Haushalte waren tagelang ohne Strom, die Verunsicherung ist bis heute groß. Nun setzen die Behörden auf einen neuen Hebel: Eine Belohnung von 1 Million Euro soll helfen, die Täter zu finden.

Bundeskriminalamt und der Generalbundesanwalt haben bis zu einer Million Euro Belohnung ausgeschrieben.
Bundeskriminalamt und der Generalbundesanwalt haben bis zu einer Million Euro Belohnung ausgeschrieben.Sebastian Gollnow/dpa

Hinweise werden rund um die Uhr entgegengenommen

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte für die Jagd auf die Täter eine „breit angelegte Informationskampagne“ in Berlin und Brandenburg angekündigt. Mit Plakaten soll die vom Bundeskriminalamt (BKA) ausgelobte Millionensumme jetzt bekannt gemacht werden. Das BKA will dafür auch personell aufstocken und rund um die Uhr Hinweise aus der Bevölkerung entgegennehmen.

Der Zeugenaufruf läuft noch bis zum 24. Februar. Hinweise können telefonisch oder online abgegeben werden, auch jede andere Polizeidienststelle nimmt entsprechende Informationen entgegen.

Sicherheitsleute bewachen Anfang Januar die Brandstelle einer Kabelbrücke vor dem Kraftwerk Lichterfelde am Teltowkanal.
Sicherheitsleute bewachen Anfang Januar die Brandstelle einer Kabelbrücke vor dem Kraftwerk Lichterfelde am Teltowkanal.Christophe Gateau/dpa

Ermittlungen gegen Vulkangruppe

Die ungewöhnlich hohe Belohnung begründete Dobrindt mit dem Ausmaß der Tat. Über 100.000 Menschen hätten unter den Folgen des Stromausfalls gelitten. Auslöser war ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke. Zeitweise waren dadurch rund 45.000 Haushalte sowie 2200 Gewerbeeinheiten ohne Strom.

Zu dem Anschlag bekannte sich die linksextremistische Vulkangruppe. Sowohl das Landeskriminalamt als auch das Bundeskriminalamt und der Verfassungsschutz stuften das Bekennerschreiben als glaubwürdig ein. Inzwischen hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Sie prüft unter anderem den Verdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, der verfassungsfeindlichen Sabotage, der Brandstiftung sowie der Störung öffentlicher Betriebe.

Immer wieder Brandanschläge durch Vulkangruppen

Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes existieren sogenannte Vulkangruppen bereits seit 2011. Seitdem verüben sie immer wieder Brandanschläge in Berlin und Brandenburg. Die Ziele sind meist Kabelschächte entlang von Bahntrassen, aber auch Funkmasten, Datenleitungen oder Firmenfahrzeuge. In der Vergangenheit bekannten sich Vulkangruppen auch zu zwei Anschlägen auf die Tesla-Fabrik im brandenburgischen Grünheide.