Der längste Stromausfall in der Berliner Nachkriegsgeschichte: Zwar gibt es seit Mittwoch wieder Strom im Südwesten der Stadt. Doch die Katastrophe ist längst nicht vorbei. In Berlin hängen die etwa 45.000 Haushalte, die in Steglitz-Zehlendorf fünf Tage lang vom Blackout betroffen waren, nur an zwei provisorischen Lösungen. Eine sichere Stromversorgung sieht anders aus.
Alles hängt an zwei Provisorien
Vorbei ist ein Leben in Dunkelheit und Kälte. Licht ist da, die Heizungen funktionieren wieder. So langsam kehrt die Wärme in den Wohnräumen zurück. Dennoch haben die Menschen in Steglitz-Zehlendorf Angst. Davor, dass der Strom wieder ausfällt. Sie hoffen, dass die Leitungsprovisorien vor allem den knackigen Frostnächten und auch Frosttagen widerstehen.

Die eine Verbindung, die nun wieder für Strom im Südwesten sorgt, ist genau an der Stelle des Teltowkanals, wo am Samstag vergangener Woche offenbar Linksextremisten den Brandanschlag auf die dortige, freiliegende Hochspannungsleitung verübt hatten. Über 300 Meter Kabel wurden jetzt neu über die Leitungsbrücke am Kabelwerk Lichtenrade verlegt und zusammengesteckt.
Stromausfall zeigt: In Berlin ist vieles nicht sicher
Das System sei eigentlich sicher, soll den Frosttemperaturen standhalten. „Alles ist im grünen Bereich“, versichern Experten der zuständigen Stromnetz Berlin. Aber der Stromausfall hat auch gezeigt: In Berlin ist vieles nicht sicher!
Um besser abgesichert zu sein, wurde daher an einem weiteren Provisorium gearbeitet. Diese Leitungsbrücke entstand nahe des Umspannwerkes an der Argentinischen Allee. Am Wochenende wurde auch die zweite provisorische Hochspannungsleitung in Betrieb genommen. „Sie sichert die Stromversorgung in dem betroffenen Gebiet zusätzlich ab. Die Zuschaltung erfolgte wie geplant ohne erneute Stromunterbrechung“, teilte Stromnetz mit.

Solange diese Absicherung nicht stand, so lange blieben auch viele der Notstromaggregate vor Altersheimen oder Schulen im Einsatz. Viele dieser Geräte kamen von Strombetreibern, dem THW, der Bundeswehr oder Feuerwehren aus anderen Bundesländern wie Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein oder Hamburg.
Sicher ist sicher: Notstromgeräte bleiben auch nach Blackout
Doch die Notstromaggregate, die nicht mehr im Einsatz sind, wurden dennoch nicht in Richtung Heimat abtransportiert. „Sie stehen derzeit in einem Hangar des ehemaligen Flughafens Tempelhof“, sagt Stromnetz-Sprecher Henrik Beuster zum KURIER. Sicher ist, sicher. Denn die Gefahr eines erneuten Stromausfalls ist nicht gebannt. Die Möglichkeit, dass die Notstromanlagen wieder gebraucht werden, besteht immer noch.

Die beiden Provisorien sollen so lange bestehen, bis die zerstörte Anlage am Teltow-Kanal wieder richtig hergestellt ist. „Das kann Monate dauern“, sagt der Stromnetz-Sprecher. Die Reparatur der Kabelbrücke ist offenbar schneller, als die Leitungen unter den Teltow-Kanal zu verlegen. Fakt ist, dass sie das aber eines Tages sollen. „Es ist geplant, bis in die 2030er Jahre alle Freileitungen in Berlin unter die Erde zu bringen“, sagt Stromnetz-Sprecher Beuster.


