Seit Oktober 2025 hängt die Berliner Fahrschulbranche in der Warteschleife. Damals kündigte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder eine große Reform an: Der Führerschein sollte günstiger, moderner und einfacher werden. Für viele Fahrschüler klang das wie ein Versprechen. Für Berlins Fahrschulen wurde es zum echten Problem.
Warten auf den günstigeren Führerschein
Denn seit der Ankündigung warten viele – und warten. Anmeldungen werden verschoben, Entscheidungen vertagt. In der Hoffnung, bald weniger zahlen zu müssen. Und das, obwohl Verkehrsminister Schnieder bereits angekündigt hat, dass die Führerschein-Reform noch dauern wird.
„Ein Abwarten lohnt sich nicht“, sagte der Minister der Funke-Mediengruppe. Zwar wolle er die Reform zügig umsetzen, doch selbst im besten Fall werde das neue Gesetz frühestens Anfang 2027 in Kraft treten.
Fahrschüler warten – Fahrschulen verlieren Kunden
In Berlins Fahrschulen hat diese Botschaft längst Spuren hinterlassen. Die Lage ist angespannt, vielerorts kritisch. „Die Leute sind total verunsichert, wann sie ihren Führerschein jetzt machen sollen, und zögern“, sagt Stephan Ackerschewski vom Fahrlehrerverband Berlin dem Berliner KURIER. „Mich rufen Fahrschulen an und sagen: Bei mir ist gerade alles tot.“

Seit der Reformankündigung sei die Nachfrage spürbar eingebrochen. Viele Betriebe berichten von drastisch sinkenden Anmeldezahlen. Fixkosten wie Miete, Leasingraten und Personalkosten laufen weiter – Einnahmen bleiben aus.
„Die Sorgen der Fahrschulen sind groß“, warnt Ackerschewski. „Die Zahlen sind alarmierend.“ Einige Betriebe hätten bereits Angst vor der Pleite und müssten bei den Personalkosten sparen.
Durch die Reform wird es nicht automatisch billiger
Die neue Reform setzt auf mehr Freiheiten für Fahrschulen. Weniger Theoriefragen, reduzierte Sonderfahrten, mehr Online-Unterricht – und künftig auch mehr Technik. „Wie sich das konkret auf die Preise auswirkt, wird der Markt regeln“, so Schnieder.
In Berlin stößt das auf Skepsis. Fahrlehrer berichten, dass die Anforderungen an die Ausbildung in den vergangenen Jahren stetig gestiegen seien. „Die Ansprüche sind gewachsen, die Anforderungen an die Technik sind größer geworden“, sagt Ackerschewski. Es müsse mehr vermittelt werden – und das koste eben auch mehr Geld.


