Tennis-Affäre

„Fühle mich verarscht!“ – Heftige Kritik für Kai Wegner bei Lanz

Berlins Regierender Bürgermeister muss für sein Verhalten während des Blackouts einstecken.

Author - Tobias Esters
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Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner steht nach seinem umstrittenen Tennismatch massiv unter Druck.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner steht nach seinem umstrittenen Tennismatch massiv unter Druck.Michael Ukas

Der Blackout in Berlin ist behoben, doch die politische Erschütterung wirkt weiter nach. Das umstrittene Tennismatch von Kai Wegner während der Krise entwickelt sich zunehmend zu einer Vertrauensfrage – mitten im Wahljahr. Am Dienstagabend wurde die Affäre auch in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ intensiv diskutiert. Für Wegner hagelt es Kritik von allen Seiten.

Amthor spricht über Verantwortung

Wirtschaftsstaatssekretär und CDU-Kollege Phillip Amthor versuchte zunächst, persönliche Distanz zu schaffen. „Ich spiele kein Tennis“, stellte er klar. Doch schnell wurde deutlich, dass es hier um weit mehr geht als um Sport. „Ich finde, es ist so, dass das natürlich sehr viele bewegt hat in Berlin. Das ist eine schreckliche Situation dort. Es ist wichtig, da richtig zu reagieren.“

Der eigentliche Schaden entstand nicht durch den Tennistermin selbst, sondern durch das, was danach folgte. Moderator Markus Lanz brachte es unverblümt auf den Punkt: „Er hat gelogen.“ Amthor bestätigte den politischen Schaden nüchtern: „Das ist jetzt etwas, was die Glaubwürdigkeit auch erschüttert hat.“

Phillip Amthor muss für seinen CDU-Kollegen den Kopf hinhalten.
Phillip Amthor muss für seinen CDU-Kollegen den Kopf hinhalten.Hendrik Schmidt/dpa

Amthor blieb sachlich und machte deutlich, worum es politisch geht: „Gerade deshalb würde ich als jemand, der auch politische Fehler gemacht hat, sagen: Es ist immer wichtig, zu politischen Fehlern auch zu stehen.“ Zugleich verwies er darauf, dass zumindest technisch schneller gehandelt worden sei als erwartet: „Ich bin froh, dass der Strom schneller da war als gedacht.“ Moderator Markus Lanz kommentierte das trocken als das „verrückte Deutschland-Tempo“.

„Verheerende Nachwirkungen“ im Wahljahr

Noch düsterer fiel die Einschätzung der RND-Journalistin Eva Quadbeck aus. Mit Blick auf den anstehenden Wahlkampf warnte sie eindringlich: „Ich glaube, dass das für ihn verheerende Nachwirkungen haben wird in einem Wahljahr.“

Wie tief der Vertrauensverlust reicht, zeigte die emotionale Reaktion des Berliner Unternehmers Christian Miele. „Ich empfinde das als instinktlos, was Kai Wegner da gemacht hat.“ Dann folgte ein Satz, der sinnbildlich für den Ärger vieler Bürger steht: „Fühle mich persönlich ein wenig verarscht.“ Sein Fazit fällt entsprechend hart aus: „Das wird kein gutes Wahljahr für Kai Wegner.“

Zum Abschluss brachte der Wirtschaftsprofessor Rüdiger Bachmann die Debatte auf eine einfache, fast schon brutale Formel. Der Schaden wäre begrenzbar gewesen: „Er hätte einfach sagen sollen, er hat Mist gebaut. Und dann blickt man nach vorne.“