Tennis-Affäre

CDU-Fraktion stellt sich in Sondersitzung hinter Kai Wegner

CDU-Fraktion hatte Berlins Regierenden Bürgermeister geladen, um ihn über sein Tennis-Match mitten im Stromausfall zu befragen.

Author - Stefan Doerr
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Kai Wegner (CDU) steht wegen seines Krisenmanagements unter Druck.
Kai Wegner (CDU) steht wegen seines Krisenmanagements unter Druck.Michael Ukas/dpa

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) gerät wegen seiner Tennis-Affäre im längsten Stromausfall der Berliner Nachkriegsgeschichte immer stärker unter Druck. Der CDU-Politiker räumte ein, am Samstag, 3. Januar, wenige Stunden nach Beginn des Blackouts im Berliner Südwesten Tennis gespielt zu haben – während sich 100.000 Betroffene ohne Strom und Heizung, Internet und Handyempfang mitten im Winter große Sorgen machten, vor Ort eilig Notunterkünfte aufgebaut wurden und Hilfe anlief. Jetzt musste Wegner sich auf einer Sondersitzung der CDU-Fraktion vor den Parteifreunden erklären.

Wegner sagte auf Pressekonferenz nicht die Wahrheit

Er habe „einfach mal den Kopf freikriegen“ müssen, nachdem er stundenlang wegen des Stromausfalls mit den zuständigen Behörden telefoniert habe, begründete Wegner das Tennis-Match am Samstagnachmittag. Von 13 bis 14 Uhr habe er auf dem Tennisplatz gestanden. Wegners Partnerin war dabei ausgerechnet ein anderes Senatsmitglied: seine Lebensgefährtin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU). Wegner beteuerte jedoch, er sei jederzeit am Handy erreichbar gewesen, auch auf dem Tennisplatz. „Das Handy war auf laut gestellt, bin danach sofort zurückgefahren und habe weitergearbeitet“, sagte Wegner.

Was ihn zusätzlich in die Bredouille bringt: Auf einer Pressekonferenz am Sonntag, 4. Januar, hatte Wegner noch gesagt, er sei am Samstag zu Hause gewesen und habe sich in sein Büro eingeschlossen. „Ich habe mich gestern weder gelangweilt noch die Füße hochgelegt, sondern ich war den ganzen Tag am Telefon und habe versucht, zu koordinieren und mich bestmöglich zu informieren, weil ich denke, das hilft den Menschen noch mehr“, hatte der Regierende beteuert.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) spielte mit Lebensgefährtin Katharina Günther-Wünsch (CDU) mitten in der Stromkrise Tennis.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) spielte mit Lebensgefährtin Katharina Günther-Wünsch (CDU) mitten in der Stromkrise Tennis.Fabian Sommer/dpa

Keine offene Kritik an Wegner in der CDU

In der CDU-Fraktion erwartete man eine Erklärung von Wegner, warum er nicht gleich die Wahrheit gesagt hat. Offene Kritik wurde am Spitzenkandidaten der CDU für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September in der Sitzung zwar nicht geäußert. Nach B.Z.-Informationen will Wegner am 15. Januar eine Regierungserklärung abgeben. Allerdings teilte er laut B.Z. gegen die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) aus, weil sie Wegner später als andere Senatsmitglieder über den Stromausfall informiert habe.

Außerdem räumte Kai Wegner gegenüber der Fraktion ein, dass er rückblickend die Öffentlichkeit besser bereits am Wochenende über seine sportliche Pause informiert hätte. Am Ende der Sitzung stellte sich die Fraktion trotz aller Kritik hinter Wegner und dessen Krisenmanagement: „Er hat die Krise gut gemanagt, hat sich gekümmert, er war vor Ort“, sagte ein Fraktionsmitglied.

Rücktrittsforderungen gegen Wegner

Der durch einen mutmaßlich linksextremistischen Brandanschlag verursachte Stromausfall wurde am Mittwochmittag behoben und die Versorgung komplett wiederhergestellt. Kurz danach kam Wegners Eingeständnis und löste einen Sturm der Entrüstung aus. AfD- und FDP-Politiker forderten seinen Rücktritt. Acht Monate vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September attackierten auch Linke und Grüne Wegner hart, ebenso Spitzenkandidat Steffen Krach vom Koalitionspartner SPD. Ihr Tenor: Wegner habe die betroffenen Menschen im Stich gelassen, sei seiner Rolle als Regierungschef nicht gerecht geworden und habe die Öffentlichkeit über seine Aktivitäten am ersten Tag des Mega-Blackouts belogen.

Wegner stand wegen seines Krisenmanagements ohnehin bereits in der Kritik. Vertreter anderer Parteien, aber auch Kommentatoren Berliner Medien kreideten dem 53-Jährigen an, dass er nicht bereits am Samstag vor Ort in den vom Stromausfall betroffenen Stadtteilen präsent war, sondern erst am Sonntag. Er hatte das unter anderem damit begründet, dass er vor Ort im Krisengebiet keine Möglichkeit gehabt habe, Telefonate zur Organisation von Hilfe zu führen – es gab dort keinen Internet- und Handyempfang.

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