Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) gerät wegen seiner Tennis-Affäre im längsten Stromausfall der Berliner Nachkriegsgeschichte immer stärker unter Druck. Der CDU-Politiker räumte ein, am Samstag, 3. Januar, wenige Stunden nach Beginn des Blackouts im Berliner Südwesten Tennis gespielt zu haben – während sich 100.000 Betroffene ohne Strom und Heizung, Internet und Handyempfang mitten im Winter große Sorgen machten, vor Ort eilig Notunterkünfte aufgebaut wurden und Hilfe anlief. Jetzt musste Wegner sich auf einer Sondersitzung der CDU-Fraktion vor den Parteifreunden erklären.
Wegner sagte auf Pressekonferenz nicht die Wahrheit
Er habe „einfach mal den Kopf freikriegen“ müssen, nachdem er stundenlang wegen des Stromausfalls mit den zuständigen Behörden telefoniert habe, begründete Wegner das Tennis-Match am Samstagnachmittag. Von 13 bis 14 Uhr habe er auf dem Tennisplatz gestanden. Wegners Partnerin war dabei ausgerechnet ein anderes Senatsmitglied: seine Lebensgefährtin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU). Wegner beteuerte jedoch, er sei jederzeit am Handy erreichbar gewesen, auch auf dem Tennisplatz. „Das Handy war auf laut gestellt, bin danach sofort zurückgefahren und habe weitergearbeitet“, sagte Wegner.
Was ihn zusätzlich in die Bredouille bringt: Auf einer Pressekonferenz am Sonntag, 4. Januar, hatte Wegner noch gesagt, er sei am Samstag zu Hause gewesen und habe sich in sein Büro eingeschlossen. „Ich habe mich gestern weder gelangweilt noch die Füße hochgelegt, sondern ich war den ganzen Tag am Telefon und habe versucht, zu koordinieren und mich bestmöglich zu informieren, weil ich denke, das hilft den Menschen noch mehr“, hatte der Regierende beteuert.

Keine offene Kritik an Wegner in der CDU
In der CDU-Fraktion erwartete man eine Erklärung von Wegner, warum er nicht gleich die Wahrheit gesagt hat. Offene Kritik wurde am Spitzenkandidaten der CDU für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September in der Sitzung zwar nicht geäußert. Nach B.Z.-Informationen will Wegner am 15. Januar eine Regierungserklärung abgeben. Allerdings teilte er laut B.Z. gegen die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) aus, weil sie Wegner später als andere Senatsmitglieder über den Stromausfall informiert habe.
Außerdem räumte Kai Wegner gegenüber der Fraktion ein, dass er rückblickend die Öffentlichkeit besser bereits am Wochenende über seine sportliche Pause informiert hätte. Am Ende der Sitzung stellte sich die Fraktion trotz aller Kritik hinter Wegner und dessen Krisenmanagement: „Er hat die Krise gut gemanagt, hat sich gekümmert, er war vor Ort“, sagte ein Fraktionsmitglied.


