Der frühere Regierende Bürgermeister Walter Momper rechnet mit seinem Nachfolger ab. Der Sozialdemokrat kritisiert scharf das Verhalten von Amtsinhaber Kai Wegner (CDU) während des großflächigen Stromausfalls im Südwesten Berlins – insbesondere dessen Tennisstunde mit Lebensgefährtin und Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) nach Ausbruch der Krise.
Blackout war längst bekannt, als Wegner Tennis spielte
Zehntausende Berliner und Berlinerinnen im Südwesten mussten ab Samstagmorgen ohne Strom und ohne Heizung ausharren. Schnell war klar, dass der massive Stromausfall nach einem Brandanschlag zur ersten großen Krise in Berlin im neuen Jahr werden würde. Heizungen fielen aus, ebenso das Mobilfunknetz und Ampeln. Bereits gegen 8 Uhr war die Polizei durch die betroffenen Stadtteile gefahren und informierte die Bewohner über den großflächigen Blackout, wenig später wurden erste Pflegeheime evakuiert.
Doch der Regierende Kai Wegner (CDU) ging mitten im Stromchaos lieber auf den Tennisplatz. Sein Vorgänger Walter Momper (SPD) kann das Verhalten kaum fassen. „Er hat die Dimension der ganzen Geschichte nicht erkannt“, sagte Momper der Deutschen Presse-Agentur. Wegner habe gewusst, dass bereits Tausende Haushalte ohne Strom gewesen seien – und wohl auch, wie lange der Ausfall dauern würde. „Und da hat er nicht angemessen reagiert“, so der 80-Jährige, der von März 1989 bis Ende Januar 1991 Regierender Bürgermeister war.

„Ich würde nicht sagen, das ist unentschuldbar, aber es bedarf der Aufklärung, wie der Tag für ihn verlaufen ist und wie er sich da angestellt hat“, so Momper. „Und dass er zum Tennis gegangen ist, das erscheint mir schon ein bisschen abwegig gewesen zu sein.“
Wegner muss sich vor CDU-Fraktion erklären
Der Druck auf Wegner wächst, am Morgen des 8. Januar ist eine außerplanmäßige Sitzung der CDU-Fraktion im Landesparlament einberufen worden. Dort soll Wegner zum Tennis-Skandal Stellung beziehen. AfD und die nicht im Abgeordnetenhaus vertretene FDP fordern inzwischen seinen Rücktritt.
Am Abend wurde zudem bekannt, dass Wegners Tennispartnerin ausgerechnet ein weiteres Senatsmitglied war: Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU), zugleich seine Lebensgefährtin. Das bestätigte die Senatssprecherin. Nach eigenen Angaben spielte Wegner am Samstagmittag – rund fünf Stunden nach Bekanntwerden des Stromausfalls – etwa eine Stunde Tennis. Er habe nach zahlreichen Telefonaten „den Kopf freikriegen wollen“, so Wegner.

Momper kritisiert jedoch nicht nur das Verhalten, sondern auch die spätere Darstellung. Wegner hatte auf Journalistenfragen zu seinem Tagesablauf das Tennisspiel zunächst nicht erwähnt. „Es war nicht die ganze Wahrheit, dass er den ganzen Tag gearbeitet hätte, das kann man ja so nicht sagen“, sagte Momper. „Das ist wohl eine Schutzbehauptung gewesen. Das ist schwerwiegend genug.“
Auch aus der aktuellen Politik kommt scharfe Kritik an Wegner. Linke-Landeschef Maximilian Schirmer erklärte: „Wer lieber Tennis spielt, als in der größten Not bei den Menschen zu sein, sollte sich vielleicht überlegen, ob dieser Job noch der richtige für ihn ist.“
Wegner sagte nur die halbe Wahrheit
SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach nannte Wegners Verhalten inakzeptabel und eines Regierenden Bürgermeisters unwürdig. Grünen-Fraktionschef Werner Graf warf Wegner vor, die Bevölkerung getäuscht zu haben. Er habe den Berlinerinnen und Berlinern „in einer dunklen Stunde dieser Stadt“ nicht die Wahrheit gesagt. „Da muss man ganz klar sagen, dass die Berlinerinnen und Berliner zu Recht ganz andere Ansprüche an einen Regierenden Bürgermeister haben.“
Ausgelöst worden war der Stromausfall durch einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische Gruppe bekannte. Ab Samstagmorgen waren zunächst rund 45.000 Haushalte und 2200 Unternehmen ohne Strom – und damit auch ohne Heizung, Internet und Mobilfunk.




