Zwei Tage Stillstand auf Schienen und Straßen: Am Freitag und Samstag legt ein Warnstreik den Nahverkehr in Berlin weitgehend lahm. Die Beschäftigten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) folgen dem Aufruf der Gewerkschaft ver.di und erhöhen damit den Druck in den laufenden Tarifverhandlungen. Ein BVG-Mitarbeiter sagt im Berliner KURIER, warum er bessere Arbeitsbedingungen fordert.
Wie zur Arbeit kommen Freitag früh?
Für Millionen Berliner bedeutet der Streik zum Wochenschluss vor allem eines: improvisieren. Schon am frühen Freitagmorgen dürfte die Stadt spüren, was es heißt, wenn U-Bahnen, Straßenbahnen und die meisten Busse in den Depots bleiben. Berufspendler müssen auf S-Bahnen, Regionalverkehr, Fahrräder oder das Auto ausweichen, sofern das möglich ist.

Job bei der BVG wird immer stressiger
Viele werden im Homeoffice arbeiten, andere deutlich mehr Zeit für den Arbeitsweg einplanen müssen. Besonders hart trifft es Beschäftigte im Schichtdienst, Eltern mit langen Arbeitswegen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität.
Im Zentrum des Konflikts stehen die Forderungen der BVG-Beschäftigten nach spürbar höheren Löhnen, besseren Arbeitsbedingungen und Entlastung im Schichtsystem. „Ich bin seit zehn Jahren Tram-Fahrer in Berlin und der Job wird immer stressiger. Die Bahnen sind rappelvoll. Da sind Verspätungen programmiert, weil man Ampelschaltungen nicht schafft. Das macht wieder die Fahrgäste sauer, weil sie ihren Anschluss verpassen. Eine Spirale, die Stress macht“, berichtet Manuel von Stubenrauch (44) dem KURIER aus dem täglichen Arbeitsalltag. „An der Endstelle fällt durch Verspätungen dann für mich die Pause umso kürzer aus, da wird es auch schon für den Toilettengang knapp.“
„Wir streiken, weil wir ein Leben neben dem Dienstplan wollen“, sagt auch Busfahrer Ekkehard Spiegel. „Ein Wochenende mit meiner Frau habe ich vielleicht einmal im Monat. Wie soll unter solchen Bedingungen Familienleben funktionieren?“

BVG-Mitarbeiter klagen über Überstunden
Viele Fahrerinnen und Fahrer klagen auch über Personalmangel, zunehmende Überstunden und hohe Belastung durch unregelmäßige Arbeitszeiten. Von Stubenrauch: „Oft fangen wir schon um 3 Uhr früh an zu arbeiten, es gibt geteilte Dienste, da bin ich den ganzen Tag auf der Arbeit unterwegs. Dazu kommen Wochenend- und Feiertagsdienste.“ Das schreckt auch neue Kollegen ab, „die kommen als Quereinsteiger und sind bei diesen Arbeitsbedingungen schnell wieder weg“, so Manuel von Stubenrauch.
Die Gewerkschaft Verdi argumentiert, nur deutlich attraktivere Bedingungen könnten verhindern, dass noch mehr Personal den Nahverkehr verlässt – mit direkten Folgen für Zuverlässigkeit und Taktung. Von Stubenrauch: „Die BVG muss attraktiv bleiben für neue Mitarbeiter. Berlin hat eine starke BVG bitter nötig. Nach dem guten Tarifabschluss 2025 stieg die Zahl der Bewerbungen stark an, um 30 Prozent.“



