Nach der Pleitewelle

Kaufhof, Woolworth: Wie sich ehemalige Kaufhaus-Standorte neu erfinden

In bester Innenstadtlage warten die Konsumtempel wie in Berlin darauf darauf, mit neuem Leben gefüllt zu werden. Das sind die Ideen.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Hinter dem Kaufhof am Alexanderplatz wächst ein neues Hochhaus in die Höhe: Seit dem Juli vergangenen Jahres sind noch ein paar Etagen dazu gekommen.
Hinter dem Kaufhof am Alexanderplatz wächst ein neues Hochhaus in die Höhe: Seit dem Juli vergangenen Jahres sind noch ein paar Etagen dazu gekommen.Peter Meißner/imago

Die Zeit der großen Warenhäuser ist definitiv vorbei. Karstadt, Kaufhof und Co., das waren einst Garanten für analoge Shoppingerlebnisse. Heute versuchen Städte, die großen Kaufhäuser, oft in bester Innestadtlage, neu zu beleben. Dabei unterscheiden sich die Nutzungskonzepte für die Galeria‑Standorte erheblich.

Kaufhof-Standorte in guter Lage mit neuen Ideen

Ehemalige Galeria‑Kaufhof‑Gebäude gehören zu den prominentesten Immobilien vieler Innenstädte. Doch nach den Schließungswellen der vergangenen Jahre stehen die Kommunen vor der Frage, wie sie diese zentralen Flächen sinnvoll weiterentwickeln können. Die Antworten fallen dabei ziemlich unterschiedlich aus.

In Berlin wird für das Kaufhof-Gebäude am Alexanderplatz gerade um eine zukunftsfähige Nutzung  gerungen. Noch hat Galeria mit seinen rund 350 Mitarbeitern am Alexanderplatz bis Ende März 2027 Aufschub erhalten. Dann läuft der Mietvertrag für das Gebäude, das derzeit umgebaut wird, aus. Berlin will einen Einkaufsort in der Mitte der Stadt, unterm Fernsehturm, erhalten.

Der Konzern Commerz Real möchte aber die Einzelhandelsfläche deutlich verkleiern und die Zentral- und Landesbibliothek als weiteren Anziehungspunkt ins Haus holen. Die Verlängerung des Mietvertrages für Galeria schafft nun Zeit für neue Verhandlungen.

Traditions-Kaufhaus wird neuer Mieter im Ringcenter

Im Ringcenter an der Frankfurter Allee hingegen zieht demnächst ein neuer Shopping-Gigant in die alte Kaufhof-Filiale ein: Woolworth eröffnet die zweitgrößte Niederlassung in Berlin. Hier wird weiter auf das Einkaufserlebnis gesetzt.

Viele Städte nutzen allerdings auch die Chance, aus den Warenhäusern lebendige Stadtquartiere ohne Konsumrausch zu machen.

In Düsseldorf geht es statt ins Kaufhaus bald in die Oper

In Düsseldorf wird die Kaufhof-Immobilie etwa zu einem gemischt genutzten Quartier mit Wohnungen, Büros, Gastronomie und begrünten Aufenthaltsflächen umgebaut. Die Stadt reagiert damit auf den Mangel an innerstädtischem Wohnraum und belebt gleichzeitig die Umgebung. In dem Ex-Kaufhof-Areal soll langfristig auch eine neue Oper für Düsseldorf gebaut werden.

Bis es soweit ist, könnte schon bald wenigstens die Dachterrasse auf dem alten Kaufhof als Gastro- und Kulturstandort zwischengenutzt werden.

Ämter ziehen in alte Galeria-Häuser ein

In Dresden wiederum kann man im alten Karstadt in der Prager Straße nun seinen Personalausweis beantragen. Ein Bürgerbüro ist in die fünfte Etage eingezogen: Die Idee dazu kam vor drei Jahren von Galeria. Filialgeschäftsführer Michael Zielke (56) sprach von einer „sensationellen Symbiose“, warb dafür, den Ämterbesuch mit Shopping zu verbinden.

Einkaufsmeile Prager Strasse in Dresden.
Einkaufsmeile Prager Strasse in Dresden.Imago / Dittrich

Auch in Cottbus kommt die öffentliche Hand ins Spiel, hier wird der frühere Kaufhof zum neuen Rathaus. Die Stadt verlagert zentrale Verwaltungsbereiche in das Gebäude.

Kreativzentrum statt Karstadt-Konsumtempel

In Chemnitz wiederum setzt man auf Kreativzentrum statt auf Konsumtempel. Im ehemaligen Galeria Kaufhof entsteht ein Kreativstandort mit Ateliers, Proberäumen und Flächen für Start-ups.

Ob nun Ämter statt Armani, Probenraum statt Pullovertraum, Wohnen oder Bibiothek – das neue Leben in den alten Kaufhof-Geschäften soll überall wieder mehr Menschen in die Innenstädte bringen. Als wertvolle Liegenschaften können sie ihren Beitrag zu neu gedachten Städten leisten.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Wie könnte man die großen Kaufhäuser gut weiter nutzen? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com