In der deutschen Hauptstadt sprießt der Wunsch nach mehr Grün und gleichzeitig die Notwendigkeit, die Verwaltung dafür zu stärken. Was hat es mit der Idee eines Baumamts auf sich, und wie denken die Politiker darüber?
Ein Baumamt für Berlin geplant, mit 480 Mitarbeitern
Während das Berliner Abgeordnetenhaus Anfang November das neue Klimaanpassungsgesetz verabschiedet hat, das Hunderttausende neue Straßenbäume vorsieht, blüht die Bürokratie gleich mit: Die Hauptstadt-Bezirke sehen für die kommenden Jahre einen gigantischen Bedarf an zusätzlichem Personal – und der Senat spielt sogar mit dem Gedanken, eigens eine neue Behörde zu schaffen, um all die frisch geplanten Bäume zu verwalten.

Allein die bezirklichen Straßen- und Grünflächenämter haben errechnet, dass sie 480 zusätzliche Mitarbeiter benötigen. Und es geht nicht nur um Pflanztrupps mit Schaufel und Gießkanne: Jeder Bezirk will auch noch eine eigene Stelle für Öffentlichkeitsarbeit obendraufsetzen.
Ein Landesamt für Bäume? Senat denkt groß
Umwelt-Staatssekretär Andreas Kraus (46, CSU) kann sich sogar ein völlig neues Landesamt vorstellen. „Wir stehen erst am Anfang des Prozesses“, sagt er der B.Z. – Details gebe es noch keine, aber die Pläne lägen auf dem Tisch. Bis zum 20. Mai soll ein erster Entwurf vorliegen, frühestens 2028 geht das „Landesamt für Klimaanpassung“ an den Start.
Für SPD-Abgeordnete Linda Vierecke (43) ist die Idee logisch: „Ich glaube, es ist illusorisch, dass wir ein Gesetz mit dieser Größe den Bezirken allein überlassen. Es braucht eine Steuerung und auch Umsetzung, die auf die gesamte Stadt blickt.“ Andere Bundesländer hätten ähnliche Behörden längst geschaffen.

Auch CDU-Politiker Danny Freymark (42) zeigt sich offen für neue Strukturen: „Es gibt keine Denkverbote! Mir ist wichtig, dass sich Berliner wohl in ihrer Stadt fühlen, sie gesund bleiben und immer älter werden.“
FDP findet die Idee „verrückt“ und „dreist“
Während einige Parteien nach vorne preschen, formiert sich anderswo deutlicher Widerstand. Die Liberalen halten die Pläne für maßlos überzogen. FDP-Landeschef Christoph Meyer (50) findet klare Worte: „Das Letzte, was Berlin braucht, ist ein Kai-Wegner-Amt für Baumangelegenheiten. Bäume auf Pump pflanzen zu lassen, statt Investitionen in Sicherheit und Infrastruktur voranzutreiben, ist schon verrückt genug. Jetzt zusätzlich noch knapp 500 neue Stellen zu schaffen, ist dreist.“

Und tatsächlich: Die Kosten für die Pflanzoffensive sollen bei rund einer Milliarde Euro liegen, finanziert aus dem Berliner Anteil des Bundes-Sondervermögens.
Wo die meisten Bäume gefällt und gepflanzt werden
Derweil veröffentlichten die Berliner Forsten neue Zahlen, die zeigen: Die Stadt fällt ihren eigenen Zielen noch deutlich hinterher. Statt einer millionenstarken Baumreihe plant der Senat nun 240.000 neue Straßenbäume. Genug, um alle 15 Meter einen Schattenspender zu setzen.
Doch die Realität bleibt ernüchternd: Trotz aller Pläne wurden 2025 wieder 2907 mehr Bäume gefällt als gepflanzt. Besonders hart trafen Sommerstürme Reinickendorf (-912) und Marzahn-Hellersdorf (-910).

Einige Bezirke zeigen, dass es auch anders geht. Tempelhof-Schöneberg schafft ein Plus von 205 Bäumen, Neukölln legt 13 drauf, Treptow-Köpenick immerhin acht. Grünen-Politiker Benedikt Lux lässt es sich nicht nehmen, darauf hinzuweisen, dass diese Bezirke von seiner Partei geführt werden und fordert die CDU-geführten „Schlusslichter“ offen dazu auf, endlich nachzuziehen.


