Fahrgastverband verärgert

Bargeld statt Karten-Irrsinn: „Frechheit, wie BVG-Fahrgäste ausgegrenzt werden!“

Nach dem Karten-Irrsinn: Berliner Fahrgastverband fordert Wiederherstellung der Bargeldzahlung in den Bussen der BVG.

Author - Norbert Koch-Klaucke
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Es steht an jedem BVG-Bus: Tickets gibt es nur mit Kreditkarten mit der „Kontaktlos“-Funktion.
Es steht an jedem BVG-Bus: Tickets gibt es nur mit Kreditkarten mit der „Kontaktlos“-Funktion.Poliical-Moments/imago

Die eine geht, die andere nicht! Der Geldkarten-Irrsinn beim Ticketkauf in den Bussen der BVG verärgert die Berliner – und den Fahrgastverband Igeb. Sprecher Christian Linow (45) ist sauer, dass nicht alle Karten an den Lesegeräten in den Bussen akzeptiert werden – und überhaupt nicht mehr mit Bargeld gezahlt werden darf. „Es ist eine Frechheit, wie hier die BVG die Fahrgäste ausgrenzt!“, sagt er.

Zwei-Klassen-Gesellschaft in den BVG-Bussen

Zur Erinnerung: Seit Monaten gilt in Berlin das bargeldlose Bezahlen in den BVG-Bussen. Karte an das Kartengerät halten oder einschieben – und schon hat man das Ticket. Nur läuft das bargeldlose Bezahlen in den Bussen nicht so uneingeschränkt wie an der Supermarktkasse.

Grund: Die Kartenlesegeräte in den Geschäften akzeptieren das kontaktlose Bezahlen (Kreditkarte einfach heranhalten) und auch das Einschieben von Girokarten (Chip- und PIN-Verfahren). Die Kartenlesegeräte der BVG-Busse akzeptieren nur Karten mit der „Kontaktlos“-Funktion, ergab jetzt eine parlamentarische Anfrage der AfD an die Senatsverkehrsverwaltung.

Das Fazit: Wer noch eine Girokarte mit dem sogenannten Chip- und PIN-Verfahren hat, die in Lesegeräte eingeschoben werden muss, sieht beim Bezahlen im BVG-Bus ziemlich alt aus.

Mit dieser Zwei-Klassen-Gesellschaft bei den Kartennutzern „sperrt die BVG einen Teil der Fahrgäste aus“, sagt Fahrgastverband-Sprecher Linow. Und spricht damit so manchem BVG-Kunden aus dem tiefsten Herzen. Wie etwa bei Jana Riebe.

BVG-Ärger: „Dann fahre ich lieber Auto und bin unabhängig!“

Die Berlinerin schrieb dem KURIER: „Es ist ja toll, welche Möglichkeiten ich habe, wenn ich die BVG nutzen möchte. Nur nutzt dies mir und anderen Menschen nicht, wenn ich im Bus einsteigen und mit meiner Karte bezahlen möchte, und diese dann nicht funktioniert.“

Und weiter schreibt sie: „Wie viele Menschen sollen im digitalen Zeitalter noch ausgegrenzt werden? Warum habe ich als selbstständige Person nicht mehr die Möglichkeit, welche Dinge ich im Alltag nutzen möchte und welche nicht? Ganz ehrlich, da fahre ich lieber Auto und bin unabhängig!“

Igeb-Srecher Christian Linow (45).
Igeb-Srecher Christian Linow (45).privat

Das kann der Sprecher des Berliner Fahrgastverbandes sehr gut nachvollziehen. Linow sagt: „Mit dem bargeldlosen Bezahlen werden noch mehr Fahrgäste diskriminiert. Etwa diejenigen, die aus bestimmten Gründen gar keine Geldkarte haben. Auch diese Menschen schließt die BVG von einer Fahrt mit dem Bus aus.“

Verband fordert wieder Bargeldzahlung in BVG-Bussen

Der Igeb-Sprecher erinnert die BVG daran, dass sie allen Menschen die Möglichkeit geben muss, uneingeschränkt die Öffis zu benutzen, um in der Hauptstadt mobil sein zu können. Und das scheitert schon am Bezahlen. Der Verbandssprecher fordert: „Schluss mit nur Kartenbezahlung! In den BVG-Bussen muss auch das Bezahlen mit dem Bargeld wieder möglich sein!“

Menschen steigen in einen Bus der BVG ein.
Menschen steigen in einen Bus der BVG ein.Emmanuele Contini/imago

Doch die BVG denkt gar nicht daran. Senat und BVG sehen auch keinen Handlungsbedarf, die beschränkten Kartenlesegeräte in den Bussen nachzurüsten.

Der Senat erklärt: Für diejenigen, die nicht über eine kontaktlosfähige Bankkarte verfügen „oder diese nicht für den Fahrscheinerwerb nutzen möchten, besteht die Möglichkeit, eine BVG-Guthabenkarte zu erwerben und diese für den kontaktlosen Kauf von Fahrkarten im Bus zu nutzen“. Dies könne man auch mit Bargeld. Genauso gut könne man Fahrscheine im Vorverkauf in den Kundenzentren erwerben.

Was ist Ihre Meinung zu dem Thema? Habven Sie auch Probleme beim Bezahlen mit der Karte im Bus? Schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com