Es ist nicht zu fassen. Alle sind sich einig, dass die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) in das Kaufhaus am Alexanderplatz ziehen soll. Und trotzdem liefert sich der Senat ein endloses Pokerspiel mit den Vermietern der Immobilie, weil man sich offenbar nicht auf den Preis für den ZLB-Einzug einigen kann. Platzt der Deal, steht der Verlierer schon jetzt fest: die 244 Mitarbeiter des Warenhauses Galeria. Denn vom Einzug der Bibliothek hängt das Überleben des letzten Kaufhauses im Osten Berlins ab.
Am Alex kann die erste Kaufhaus-Bibliothek von Berlin stehen
Bücher ausleihen und dann shoppen: Eine Kaufhaus-Bibliothek wäre schon eine geile Sache. Für die ZLB, die endlich aus ihren maroden Gebäuden in Mitte und Kreuzberg herauskäme und in eine moderne Immobilie einziehen könnte. Für den finanziell angeschlagenen Warenhaus-Konzern Galeria ist die „Kaufhaus“-Ehe mit der ZLB überlebenswichtig.
Denn mit den Galeria-Filialen sieht es nicht gerade rosig aus. Wegen der Finanznotlage müssen bundesweit acht Warenhäuser neue Mietverträge aushandeln. Darunter sind auch die einstigen Berliner Galeria-Karstadt-Häuser am Kudamm und am Hermannplatz. „Sollte es nicht gelingen, eine für beide Seiten tragfähige Lösung zu erreichen, die allen Parteien eine langfristige Zukunft eröffnet, besteht auch die Möglichkeit von Schließungen“, teilte Galeria mit.
Pokerspiel um Kaufhaus-Bibliothek Galeria
Das Flaggschiff der Kaufhaus-Kette am Alex hat da noch Glück. Der Mietvertrag wurde im Januar für die Galeria am Alex verlängert. Um mehrere Monate, wie es offiziell hieß. Gleichzeitig wurde seitens aller Beteiligten erklärt, dass im Sommer der Einzug der ZLB unter Dach und Fach ist. Damit hätte auch die Galeria eine weitere Zukunft am Alex.

Aber die Verhandlungen ziehen sich. Die jetzige Koalition würde die Sache aussitzen, um vor den Berlin-Wahlen im September keine Entscheidungen treffen zu müssen, vermuten einige.
„Dabei sind alle Seiten sich einig. Vor allem die Senatskulturverwaltung und die Senatswirtschaftsverwaltung befürworten einen ZLB-Umzug zum Alex“, sagt Regina Kittel, Vorsitzende des Landesbibliothekenverbandes dbv.
Warum man dennoch nicht zu Potte kommt? „Es scheitert an den Finanzen“, sagt Kittel.
Kaufhaus am Alex: Millionen soll der Bibliotheks-Einzug kosten
Offiziell wird keine Summe genannt. Der Senat nennt die offerierten Kosten für den Einzug der Zentral- und Landesbibliothek in die Warenhaus-Immobilie am Alex für „nicht einlassungsfähig“. Das Angebot soll nachgebessert werden, lautet die Botschaft an den Hauseigentümer und Verhandlungspartner Commerz Real.

Inoffiziell ist von ungefähr 600 Millionen Euro die Rede, die in Form eines Finanzkonstrukts aus Miete, Kauf und Erbbaurecht für die Warenhaus-Immobilie als Angebot stehen. Der Vorteil: Das Land Berlin wäre irgendwann Eigentümer des Kaufhauses.
Klar, sind 600 Millionen Euro viel. „Aber so viel würde auch die Sanierung der jetzigen Häuser kosten, in der die ZLB ist“, sagt Regina Kittel vom Berliner Bibliothekenverband.
Das Land Berlin hat das Geld nicht! Und über diese Summe müsste auch noch das Berliner Abgeordnetenhaus seine Zustimmung geben.
Der Senat liebäugelt daher bei der Finanzierung noch mit dem Bundesvermögen in Höhe von 5,2 Milliarden Euro, die Berlin in den kommenden Jahren erhalten soll. Einen Teil würde man für den ZLB-Umzug ausgeben.
Verbandschef: Hängepartie schadet dem Standort Alexanderplatz
Die Zeit, die sich der Senat zum Verhandeln nimmt, die hat die Galeria am Alex nicht. Selbst wenn es das Flaggschiff ist – auch dieses Warenhaus kämpft ums Überleben.




