Vorwürfe von Verdi

Zwei Berliner Galerias wackeln – Sorge um Kudamm und Hermannplatz

Bitter! Galeria steht wieder einmal vor möglichen Filialschließungen in Berlin aufgrund hoher Mietkosten.

Author - Sharone Treskow
Teilen
Galeria Karstadt am Kurfürstendamm steht vor dem Aus. Entscheidend ist jetzt der Mietvertrag.
Galeria Karstadt am Kurfürstendamm steht vor dem Aus. Entscheidend ist jetzt der Mietvertrag.Joko/imago

Wieder große Aufregung um die Traditionskette Galeria. Die ohnehin von Krisen gebeutelte Warenhausmarke steht offenbar vor einer neuen Welle möglicher Filialschließungen – und ausgerechnet zwei der prominentesten Galeria-Karstadt-Häuser der Hauptstadt geraten erneut ins Zittern: der beliebte Kudamm-Standort und das geschichtsträchtige Kaufhaus am Hermannplatz in Neukölln. Für Kunden und Beschäftigte ein bitteres Déjà-vu.

„Möglichkeit von Schließungen“ besteht

Auslöser sind erneut die immensen Mietkosten. Gleich an bundesweit acht Standorten müssen die Verträge neu ausgehandelt werden – ein finanzieller Kraftakt für die Kette, die erst 2024 aus der dritten Insolvenz innerhalb von vier Jahren gekrochen ist. Wie gefährlich die Lage ist, zeigt auch der Ton des Unternehmens.

Das Galeria Karstadt am Hermannplatz und seine Mitarbeiter müssen auch um ihre Zukunft bangen.
Das Galeria Karstadt am Hermannplatz und seine Mitarbeiter müssen auch um ihre Zukunft bangen.Joko/imago

Denn laut Galeria laufen die Gespräche mit den Vermietern bereits. Und die sind alles andere als Formsache. Das Unternehmen stellt klar: „Sollte es nicht gelingen, eine für beide Seiten tragfähige Lösung zu erreichen, die allen Parteien eine langfristige Zukunft eröffnet, besteht auch die Möglichkeit von Schließungen.“ Ein Satz, der Hunderten Beschäftigten deutschlandweit Angst macht. In jedem Haus sind Mitarbeiter in dreistelliger Höhe angestellt.

Mietverträge laufen aus – Zukunft ungeklärt

Zu den betroffenen Häusern gehören neben den beiden Berliner Adressen auch Standorte in München (Rotkreuzplatz), Köln (Hohe Straße, Breite Straße), Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg. Wann genau die Mietverträge auslaufen, lässt Galeria offen. Eine Sprecherin teilte lediglich mit, man befinde sich im „mittelfristigen“ Zeitfenster – ein dehnbarer Begriff, der kaum Ruhe in die Belegschaften bringen dürfte.

Begründet wird der Druck mit der Lage des gesamten innerstädtischen Einzelhandels, der seit Jahren um Kunden kämpft. Philipp Kretzer, Chief Sales Officer von Galeria, gibt sich optimistisch: „Wir kämpfen für den Erhalt unserer Filialen und möchten an den Standorten bleiben.“ Voraussetzung sei jedoch ein „wirtschaftlich tragfähiges Modell“.

Der Einzelhandel hat zu kämpfen, das spürt auch Galeria deutlich.
Der Einzelhandel hat zu kämpfen, das spürt auch Galeria deutlich.Emmanuele Contini/imago

Um für den Ernstfall gewappnet zu sein, kündigt die Führung zudem „zeitnahe vorsorgliche Verhandlungen“ über einen möglichen Interessenausgleich und Sozialplan an. Damit sollen die Mitarbeitenden nicht wieder – wie in den vergangenen Jahren – völlig unvorbereitet vor geschlossenen Türen stehen.

Verdi erhebt schwere Vorwürfe – Eigentümer in der Kritik

Die Gewerkschaft Verdi reagiert empört. Vorstandsmitglied Silke Zimmer wirft den neuen Eigentümern, darunter Unternehmer Bernd Beetz, leere Versprechen vor: „Wir hätten uns von dem neuen Eigentümer Bernd Beetz mehr erwartet als leere Versprechungen.“ Laut Verdi seien die Häuser „vernachlässigt und regelrecht runtergewirtschaftet“ worden. Scharfer Vorwurf: „Immer sollen die Beschäftigten für die Unfähigkeit des Managements den Kopf hinhalten.“

Die Forderung der Gewerkschaft ist klar: Die Eigentümer müssten endlich investieren und Verantwortung übernehmen – nicht erneut an den Standorten und Beschäftigten sparen. Immerhin betreibt Galeria bundesweit noch 83 Warenhäuser und beschäftigt rund 12.000 Menschen. Erst im Sommer 2024 wurden neun Filialen dichtgemacht, nachdem die finanzielle Schieflage des Signa-Mutterkonzerns und hohe Mieten das Unternehmen in die Knie gezwungen hatten.

Verdi kämpft für den Erhalt der Galeria-Jobs.
Verdi kämpft für den Erhalt der Galeria-Jobs.Jürgen Heinrich/Imago

Heute gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma von Bernd Beetz. Doch ob das reicht, um die verbliebenen Standorte – allen voran die beiden Berliner Häuser – in die Zukunft zu retten, ist offener denn je.

Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.