Nimmt der Preiswahnsinn denn nie ein Ende? Wird alles sogar noch schlimmer? Saudi-Arabien rechnet laut „Wall Street Journal“ mit einem Ölpreisanstieg auf 180 US-Dollar, sollte der Energieschock durch den Iran-Krieg über April hinausgehen.
Drei Euro pro Liter sind in Deutschland möglich
Für Deutschlands Tankstellen bedeutet das nichts Gutes. Der Präsident des Automobilclubs Mobil in Deutschland, Michael Haberland (56), sagte zu „Bild“: „Wenn sich der Preis für ein Barrel Rohöl auf 180 Dollar erhöht, ist es möglich, dass sich der Literpreis an Normaltankstellen in Richtung drei Euro bewegt. An Autobahnen könnte diese Marke sogar gerissen werden.“
Nicht jede Steuer steigt auch automatisch mit
Die Schock-Rechnung dahinter ist klar: In ein Barrel Rohöl passen 159 Liter. Geht der Barrel-Preis von aktuell 107 Dollar auf 180 Dollar rauf, sind 73 Dollar mehr fällig. Das macht pro Liter 0,46 Dollar. Umgerechnet in Euro ergibt sich ein Aufpreis von rund 40 Cent.
Die meisten Steuern würden zwar nicht automatisch mitsteigen, da es sich bei der Energiesteuer (früher Mineralöl- und Ökosteuer) und der CO₂-Steuer um feste Beträge handelt. Bei Benzin sind das in Summe 81,2 Cent, bei Diesel 67 Cent – unabhängig vom Ölpreis und der Dauer des Iran-Kriegs.

Ab Mai könnten die Preise Richtung drei Euro klettern
Aber: Bei einer Rohöl-Preissteigerung auf 180 Dollar würde die Mehrwertsteuer um etwa 14 Cent hochschießen. Am Freitag lagen die Tankstellenpreise bei 2,16 Euro (Super) und 2,29 Euro (Diesel). Addiert man die von den Saudis prognostizierte Ölverteuerung und die damit steigende Mehrwertsteuer, drohen ab Mai etwa 2,70 Euro für Super und 2,83 Euro für Diesel.
An Autobahnen sind rechnerisch sogar 3,40 Euro für Benzin und 3,57 Euro für Diesel zu befürchten. Denn laut ADAC ist das Tanken hier im Schnitt 26 Prozent teurer. Laut Haberland liegt der Steueranteil bei einem Benzinpreis von 2 Euro bei 1,13 Euro. Bei einem Literpreis von 3 Euro sind es 1,29 Euro.
Deutschland „bedient sich hemmungslos“
„Nichts wird in Deutschland so hoch versteuert wie der Sprit. Der Staat bedient sich hemmungslos. Wenn dann noch Märkte schwanken, kann das zu erheblichen Preissprüngen führen. Das Jahr 2022 hat gezeigt, wie drastisch sich diese Entwicklung auswirken kann: Da kostete an manchen Tagen ein Liter Superbenzin an Autobahnraststätten über 3 Euro. Das sollte unbedingt vermieden werden. Denn das wäre ein Desaster für Unternehmen, Pendler und Familien“, sagte Haberland.
Der Automobilclub-Chef fordert: „Deutschland sollte dem Beispiel von Italien, Kroatien, Ungarn oder Österreich folgen. Konkret bedeutet das: eine spürbare Entlastung von mindestens 25 Cent pro Liter oder eine Preisdeckelung bei 1,75 Euro. Das ist innerhalb von drei Tagen umzusetzen.“ Die geplante Maßnahme, Tankstellen zu verdonnern, den Preis nur noch einmal am Tag erhöhen zu dürfen, bezeichnet Haberland hingegen als „Placebo“.




