Wer ist schuld an den hohen Spritpreisen in Berlin und im Rest von Deutschland? Ein Liter Superbenzin kostet momentan im Schnitt 2,05 Euro (Stand: 09.03.2026, 11.18 Uhr). Alle Verantwortlichen zeigen mit dem Finger auf den nächsten. Warum das Kartellamt hier auch wenig tun kann – und die Autofahrer wohl weiterhin tief in die Tasche greifen müssen.
Benzinpreis über der Zwei-Euro-Marke ist „Abzocke“
Tankstellenbetreiber werfen den Mineralölkonzernen seit Beginn des Iran-Krieges massive Preisübertreibungen vor. Nach Angaben des Tankstellen-Interessenverbands (TIV) werde Kraftstoff weit teurer verkauft, als es die ursprünglichen Einkaufspreise rechtfertigten. Rohöl sei deutlich günstiger beschafft und verarbeitet worden, liege teils noch in Tanks – werde jetzt aber zu Preisen angeboten, „mit denen die Konzerne ursprünglich nicht kalkuliert hätten“.

Das sei „Abzocke“ und entspreche „Raubtierkapitalismus wie im 19. Jahrhundert“, kritisiert TIV‑Sprecher Herbert Rabl gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Auf die Preisgestaltung hätten die Tankstellenpächter wiederum keinen Einfluss, obwohl sie den ganzen Ärger der Kunden abbekommen. Auch Tankstellenbetreiber in Ostdeutschland berichten, dass ihre Mitarbeiter die Wut der Autofahrer unmittelbar zu spüren bekämen.
Hier wird die Gewinnspanne ausgeweitet
Gleichzeitig zeigt eine Analyse des Ökonomen Johannes Schwanitz im Spiegel, dass die jüngsten Preissteigerungen deutlich über das hinausgehen, was durch höhere Rohölkosten erklärbar wäre. Die Mineralölwirtschaft nutze die Lage, „um ihre Gewinnspanne auszuweiten“ – ein Muster, das bereits während der Energiekrise 2022 zu beobachten gewesen sei.

Auch damals stiegen die Preise an den Zapfsäulen deutlich stärker als der Rohölpreis. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil kündigte daher an, die sogenannte Abzocke verhindern zu wollen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche solle prüfen, ob kartellrechtliche Schritte möglich seien.
Gewinnmargen, Kartellrecht und Folgen für Tankstellen
Rabl hält ein Eingreifen des Kartellamts allerdings für wenig erfolgversprechend. Die derzeitigen Preise seien rechtlich nicht als Wucher einzustufen, das Amt sei in dieser Frage ein „zahnloser Tiger“. Auch ein staatlicher Tankrabatt, wie er 2022 eingeführt wurde, sei aus Verbandssicht keine Lösung – dieser würde letztlich nur dazu führen, dass der Staat steigende Konzernpreise subventioniert.
Die hohen Spritkosten treffen zudem nicht nur Autofahrer, sondern auch die Tankstellen selbst: Viele Kunden kaufen nach dem Tanken derzeit nichts mehr im Shop, obwohl dieser etwa 60 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht.
Mineralölunternehmen wehren sich
Während Betreiber und Verbände massive Übergewinne kritisieren, verweisen die Mineralölunternehmen auf deutlich gestiegene Produktpreise für Benzin und Diesel an den Börsen. Entscheidend seien nicht die Rohölpreise, sondern die tagesaktuellen Einkaufspreise für fertige Kraftstoffe. Diese bestimmten den sogenannten Wiederbeschaffungswert, aus dem sich die schnellen Preiserhöhungen nach Kriegsbeginn erklären sollen. Nur so könne die Versorgung gesichert bleiben, argumentiert die Branche.
Berliner sind stinksauer
Auch in Berlin haben die Spritpreise die Zwei-Euro-Marke längst überstiegen. Ein Unding, findet unser KURIER-Leser Klaus H.: „Unfassbar, dass sich die deutschen Autofahrer diesen Nepp gefallen lassen. ‚Abzocke‘ ist noch viel zu schwach formuliert. Wo bleiben die Demos vor Tankstellen, Fahrstreiks von Busgesellschaften?“ Weiter schreibt er: „Und, wozu haben wir eigentlich ein Bundeskartellamt? Wenn die nichts machen können, sind sie überflüssig, bringt wahrscheinlich etliche Millionen Ersparnis an Personalkosten.“
„Die Bundesregierung will den deutschen Bürgern nicht helfen, bei den enormen Spritpreisen. Ich finde das auch ok, denn auch reiche Autofahrer würden in den Genuss von subventioniertem Kraftstoff kommen“, schreibt unser Leser Mario T. – aber er wundert sich: „Warum werden deutsche Autofahrer an den Grenzen schikaniert? Kann man nicht mal großzügig wegsehen? Es wäre ein kleiner Beitrag gegen den Preiswucher der Mineralölkonzerne.“



