Benzinpreise

Warum die hohen Spritpreise „Abzocke“ sind

Mineralölkonzerne nutzen die Krise für überhöhte Spritpreise und wecken den Unmut der Autofahrer, die nach Gerechtigkeit rufen.

Author - Sharone Treskow
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Die Benzinpreise klettern immer weiter nach oben. Wer hat wirklich Einfluss darauf?
Die Benzinpreise klettern immer weiter nach oben. Wer hat wirklich Einfluss darauf?Sebastian Gabsch/Imago

Wer ist schuld an den hohen Spritpreisen in Berlin und im Rest von Deutschland? Ein Liter Superbenzin kostet momentan im Schnitt 2,05 Euro (Stand: 09.03.2026, 11.18 Uhr). Alle Verantwortlichen zeigen mit dem Finger auf den nächsten. Warum das Kartellamt hier auch wenig tun kann – und die Autofahrer wohl weiterhin tief in die Tasche greifen müssen.

Benzinpreis über der Zwei-Euro-Marke ist „Abzocke“

Tankstellenbetreiber werfen den Mineralölkonzernen seit Beginn des Iran-Krieges massive Preisübertreibungen vor. Nach Angaben des Tankstellen-Interessenverbands (TIV) werde Kraftstoff weit teurer verkauft, als es die ursprünglichen Einkaufspreise rechtfertigten. Rohöl sei deutlich günstiger beschafft und verarbeitet worden, liege teils noch in Tanks – werde jetzt aber zu Preisen angeboten, „mit denen die Konzerne ursprünglich nicht kalkuliert hätten“.

Die Mitarbeiter der Tankstellen bekommen die Wut der Autofahrer ab, obwohl sie nichts für die steigenden Preise können. (Symbolbild)
Die Mitarbeiter der Tankstellen bekommen die Wut der Autofahrer ab, obwohl sie nichts für die steigenden Preise können. (Symbolbild)Oliver Müller/Imago

Das sei „Abzocke“ und entspreche „Raubtierkapitalismus wie im 19. Jahrhundert“, kritisiert TIV‑Sprecher Herbert Rabl gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Auf die Preisgestaltung hätten die Tankstellenpächter wiederum keinen Einfluss, obwohl sie den ganzen Ärger der Kunden abbekommen. Auch Tankstellenbetreiber in Ostdeutschland berichten, dass ihre Mitarbeiter die Wut der Autofahrer unmittelbar zu spüren bekämen.

Hier wird die Gewinnspanne ausgeweitet

Gleichzeitig zeigt eine Analyse des Ökonomen Johannes Schwanitz im Spiegel, dass die jüngsten Preissteigerungen deutlich über das hinausgehen, was durch höhere Rohölkosten erklärbar wäre. Die Mineralölwirtschaft nutze die Lage, „um ihre Gewinnspanne auszuweiten“ – ein Muster, das bereits während der Energiekrise 2022 zu beobachten gewesen sei.

Wer tanken geht, den trifft jetzt der Schlag. Laut Tankstellenbetreibern sind die Mineralölkonzerne schuld.
Wer tanken geht, den trifft jetzt der Schlag. Laut Tankstellenbetreibern sind die Mineralölkonzerne schuld.Wolfgang Maria Weber/Imago

Auch damals stiegen die Preise an den Zapfsäulen deutlich stärker als der Rohölpreis. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil kündigte daher an, die sogenannte Abzocke verhindern zu wollen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche solle prüfen, ob kartellrechtliche Schritte möglich seien.

Gewinnmargen, Kartellrecht und Folgen für Tankstellen

Rabl hält ein Eingreifen des Kartellamts allerdings für wenig erfolgversprechend. Die derzeitigen Preise seien rechtlich nicht als Wucher einzustufen, das Amt sei in dieser Frage ein „zahnloser Tiger“. Auch ein staatlicher Tankrabatt, wie er 2022 eingeführt wurde, sei aus Verbandssicht keine Lösung – dieser würde letztlich nur dazu führen, dass der Staat steigende Konzernpreise subventioniert.

Die hohen Spritkosten treffen zudem nicht nur Autofahrer, sondern auch die Tankstellen selbst: Viele Kunden kaufen nach dem Tanken derzeit nichts mehr im Shop, obwohl dieser etwa 60 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht.

Mineralölunternehmen wehren sich

Während Betreiber und Verbände massive Übergewinne kritisieren, verweisen die Mineralölunternehmen auf deutlich gestiegene Produktpreise für Benzin und Diesel an den Börsen. Entscheidend seien nicht die Rohölpreise, sondern die tagesaktuellen Einkaufspreise für fertige Kraftstoffe. Diese bestimmten den sogenannten Wiederbeschaffungswert, aus dem sich die schnellen Preiserhöhungen nach Kriegsbeginn erklären sollen. Nur so könne die Versorgung gesichert bleiben, argumentiert die Branche.

Berliner sind stinksauer

Auch in Berlin haben die Spritpreise die Zwei-Euro-Marke längst überstiegen. Ein Unding, findet unser KURIER-Leser Klaus H.: „Unfassbar, dass sich die deutschen Autofahrer diesen Nepp gefallen lassen. ‚Abzocke‘ ist noch viel zu schwach formuliert. Wo bleiben die Demos vor Tankstellen, Fahrstreiks von Busgesellschaften?“ Weiter schreibt er: „Und, wozu haben wir eigentlich ein Bundeskartellamt? Wenn die nichts machen können, sind sie überflüssig, bringt wahrscheinlich etliche Millionen Ersparnis an Personalkosten.“

„Die Bundesregierung will den deutschen Bürgern nicht helfen, bei den enormen Spritpreisen. Ich finde das auch ok, denn auch reiche Autofahrer würden in den Genuss von subventioniertem Kraftstoff kommen“, schreibt unser Leser Mario T. – aber er wundert sich: „Warum werden deutsche Autofahrer an den Grenzen schikaniert? Kann man nicht mal großzügig wegsehen? Es wäre ein kleiner Beitrag gegen den Preiswucher der Mineralölkonzerne.“

Tank-Touristen fahren aktuell fleißig nach Polen rüber.
Tank-Touristen fahren aktuell fleißig nach Polen rüber.Winfried Mausolf / Imago

Hier bezieht der Leser sich wohl auf die Grenzkontrollen. Viele Tank-Touristen fahren aktuell nach Polen rüber, um dort den rund 50 Cent günstigeren Sprit zu kaufen. Jedoch dürfen pro Person – abgesehen vom befüllten Autotank – maximal 20 weitere Liter in Benzinkanistern nach Deutschland eingeführt werden. Wer dagegen verstößt, muss Bußgelder zahlen.

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