Wohnkrise in Berlin

Tausende Euro! Mit dieser Masche wird man bei der Wohnungssuche abgezockt

Steigende Abschlagszahlungen für Küchen und Co. belasten viele Wohnungssuchende finanziell.

Author - Sharone Treskow
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Immer mehr Mieter müssen einen Abschlag zahlen, wenn sie eine Wohnung übernehmen wollen. (Symbolfoto)
Immer mehr Mieter müssen einen Abschlag zahlen, wenn sie eine Wohnung übernehmen wollen. (Symbolfoto)Westend61/Imago

Wer kennt es nicht? Man hat nach monatelanger Suche endlich mal eine Chance auf eine Wohnung – müsste aber die knallgrüne Küche vom schwedischen Möbelriesen übernehmen, die schon deutlich bessere Tage gesehen hat. Dann folgt der Schock: Die Vormieter wollen dafür ernsthaft noch 2000 Euro haben? Überhöhte Abschlagszahlungen sind leider keine Seltenheit, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.

Diesen Kostenfaktor vergessen viele: den Abschlag

Die Suche nach einer neuen Wohnung wird für viele Menschen zunehmend zur finanziellen Zerreißprobe – und das nicht nur wegen steigender Mieten. Eine aktuelle Umfrage im Auftrag von ImmoScout24 zeigt, dass immer häufiger ungewöhnlich hohe Abschlagszahlungen verlangt werden.

Ein Drittel der befragten Wohnungssuchenden gibt an, bei der Suche damit konfrontiert worden zu sein. Die zusätzlichen Forderungen entstehen meist bereits vor Vertragsabschluss und summieren sich zu einer weiteren Hürde in einem ohnehin angespannten Wohnungsmarkt.

Die Abschlagspreise steigen laut ImmoScout. (Symbolfoto)
Die Abschlagspreise steigen laut ImmoScout. (Symbolfoto)Westend61/Imago

Besonders problematisch: Die Abschläge fallen zusätzlich zu Kaution, Umzugskosten und der laufenden Miete an. Häufig verlangen Vormieter hohe Beträge für Möbel, Einbauküchen oder andere Ausstattungsgegenstände. Wer eine Wohnung möchte, muss diese Kosten oft akzeptieren – oder scheidet direkt aus dem Bewerberkreis aus.

Vierstellige Abschläge sind längst normal

Die Umfrage zeigt deutlich, in welchen Dimensionen sich die Forderungen bewegen. Mehr als die Hälfte der Betroffenen, konkret 55 Prozent, berichtet von Abschlagszahlungen zwischen 1000 und 3000 Euro. Weitere 37 Prozent mussten sogar Summen von über 3000 Euro zahlen. Besonders drastisch: Acht Prozent der Befragten sprechen von Forderungen jenseits der 5000 Euro.

Damit wird klar, dass es sich längst nicht mehr um Einzelfälle handelt. Hohe Abschlagszahlungen sind kein Randphänomen mehr, sondern Teil der Realität vieler Wohnungssuchender. Für Haushalte mit begrenztem Budget schrumpft dadurch die Auswahl an realistisch verfügbaren Wohnungen erheblich – oft noch bevor überhaupt über Miete oder Nebenkosten gesprochen wird.

Experten warnen vor unfairen Forderungen

Auch ImmoScout24 sieht die Entwicklung kritisch. Geschäftsführer Daniel Hendel ordnet die Ergebnisse deutlich ein: „Hohe Abschlagszahlungen verschieben die Hürden bei der Wohnungssuche weiter nach vorn. Für viele Haushalte wird der Zugang zu Wohnraum dadurch zusätzlich erschwert. Ein finanzieller Ausgleich für Einbauten kann sinnvoll sein. Wichtig ist aber, dass Forderungen nachvollziehbar und fair bewertet sind.“

Eine Abschlagszahlung sollte fair angesetzt sein. Doch wer nicht zahlen will, wird die Wohnung am Ende auch nicht bekommen.
Eine Abschlagszahlung sollte fair angesetzt sein. Doch wer nicht zahlen will, wird die Wohnung am Ende auch nicht bekommen.Marco Zangger/Imago

Die Umfrage macht deutlich, wie sehr sich die Wohnungssuche verändert hat. Wer heute umziehen will, benötigt nicht nur Geduld, sondern oft auch erhebliche finanzielle Reserven – noch bevor der Mietvertrag unterschrieben ist.

Ist Ihnen das auch schon einmal passiert – mussten Sie einen Abschlag für eine Mietwohnung zahlen? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.