Es ist eine Masche, die jeder Ikea-Kunde kennt – trotzdem spricht kaum jemand darüber: Man wird bedingungslos gezwungen, einmal durch den gesamten Laden zu laufen. Warum die Fahrstuhl-Situation jetzt sogar noch schlimmer geworden ist und wie Ikea sich rausredet.
Diese Masche vermindert meine große Ikea-Liebe
Vorneweg möchte ich klarstellen: Ich liebe Ikea. Ich liebe die schönen Einrichtungsdesigns, die bezahlbaren Möbel, die hübsche Bettwäsche und die Gesamterfahrung. Doch letzteres leidet ein wenig unter einer Masche, die mich wahnsinnig stört: dass man von Ikea quasi gefangen genommen wird.

Die Rede ist von der unausgesprochenen Regel, dass man, einmal oben angekommen – via Rolltreppe oder Fahrstuhl –, nicht mehr in den Ein- und Ausgangsbereich zurückkommt. Sondern durch eine geschickte Platzierung der Treppen und Fahrstühle gezwungen ist, durch die SB-Halle unten zu laufen. Und das ist kein kurzer Spaziergang, wie jeder weiß, der schon einmal bei Ikea gewesen ist.
Einmal oben angekommen, führt bei Ikea kein kurzer Weg zurück
Ich war kürzlich in einer besonders ärgerlichen Situation. Meine Freundin und ich waren je mit einem zweijährigen Kleinkind zu Besuch im Ikea-Einrichtungshaus in Tempelhof. Wir sind zuerst nach oben gefahren, ein bisschen durch die Ausstellung geschlendert und dann weiter in die SB-Halle, wo wir auch fleißig eingekauft haben.
Da große Möbel unter unseren Einkäufen waren, haben wir diese erst mal im Auto in der Tiefgarage verstaut. Dann wollten wir unseren Hunger stillen und sind noch einmal rein ins Einrichtungshaus, nach oben ins Restaurant. Nach einer leckeren Runde Köttbullar und doch etwas anstrengenden Stunden mit Kleinkindern bei Ikea wollten wir einfach nur noch nach Hause.

Doch dann das Problem: Müssen wir jetzt ernsthaft noch einmal durch den ganzen Laden laufen? Nein, denken wir uns. Wir stellen uns vor den Aufzug, der theoretisch von ganz oben runter in die Ein- und Ausgangshalle führt. Er ist die einzige Möglichkeit, denn eine Treppe gibt es hier nicht und die Rolltreppe fährt nur von unten nach oben. Rufen kann man den Fahrstuhl von oben auch nicht. Doch wir warten, bis jemand anders hochfährt, und steigen ein, drücken den Knopf. Aber nichts passiert. Stattdessen weist uns eine Gewichtsbeschränkung darauf hin – die definitiv neu ist –, dass der Fahrstuhl mit Menschen beladen grundsätzlich nicht runterfährt.
Gefangen im Ikea, der einzige Ausweg ist lang
Da waren wir erst mal baff. Gefangen im Ikea. Gezwungen, zum zweiten Mal an diesem Tag durch den Möbel-SB zu wackeln, mit Kleinkindern wohlgemerkt. Alle Eltern wissen, wie viel Stress das bedeutet. Doch so schnell wollten wir nicht aufgeben und haben freundlich einen Mitarbeiter darauf angesprochen, ob er nicht für uns – mit einem Kinderwagen und zwei Zweijährigen – bitte den Fahrstuhl freischalten kann. Die Antwort lautete ganz klar: „Nein“.

Stattdessen verwies er uns auf die tollen „Abkürzungen“, die man ja durch den Möbel-SB nehmen kann. Das haben wir am Ende auch gemacht, es blieb uns ja nichts anderes übrig. Aber genau das ist meiner Meinung nach eine absolute Frechheit. Was ist mit Menschen, die bewegungseingeschränkt oder einfach schwach auf den Beinen sind? Schwanger sind? Auch die müssen sich wohl gezwungenermaßen auf den langen Weg durch die vielen Gänge voller Kerzen, Lampen und Verstaumöglichkeiten machen. Bis sie endlich in die Freiheit dürfen.
Doch was steckt hinter dieser Masche? Für mich ist völlig klar: Die Kunden sollen etwas kaufen, dazu verführt werden, zumindest eine günstige Pflanze mitzunehmen. Statt nur ein paar Köttbullar zu essen und wieder zu verschwinden.
Warum nehmen sie ihre Kunden gefangen? Das sagt Ikea
Trotzdem habe ich mal bei Ikea nachgefragt, was die offizielle Begründung hinter dem gesperrten Fahrstuhl ist, dem einzig kurzen Weg nach draußen. Ein Sprecher erklärt mir daraufhin: „Unsere Besucherführung in den Ikea-Einrichtungshäusern ist so gestaltet, dass alle Gäste sicher, klar und komfortabel durch das Haus geleitet werden. Dazu gehört auch, dass der Weg vom Restaurant oder der Ausstellung zurück in den Eingangsbereich über den regulären Rundgang führt.“

Der Komfortabilität dieser Regel kann ich aus Erfahrung widersprechen. Ein Argument, das ich jedoch verstehen kann: der Diebstahlschutz. „Der Ausgang über die Kassen stellt sicher, dass alle Artikel korrekt erfasst und keine Produkte versehentlich mitgenommen werden. Deshalb bitten wir alle Besucher:innen, den vorgesehenen kurzen Weg zu nutzen, der über die Möbel-Selbstbedienung zu den Kassen führt“, ergänzt der Ikea-Sprecher.
Warum mich die Erklärung von Ikea nicht zufriedenstellt
Interessant ist jedoch folgende Ergänzung: „Die Aufzüge in unseren Einrichtungshäusern sind zudem vorrangig für Personen vorgesehen, die aufgrund von Mobilitätseinschränkungen darauf angewiesen sind. Aus technischen und sicherheitsrelevanten Gründen verbinden daher nicht alle Aufzüge sämtliche Ebenen miteinander.“
Dazu kann ich nur sagen: Mit Kinderwagen ist man eingeschränkt. Trotzdem wurde uns der Fahrstuhl nach unten von einem Mitarbeiter verwehrt. Und auch wenn man meine Einzelerfahrung jetzt mal ausklammern mag: In jedem Fall fährt dieser Fahrstuhl nicht herunter. Auch nicht, wenn man mobilitätseingeschränkt ist. Er ist gesperrt. Somit ist das Argument für mich mehr als hinfällig.




