Möbelhaus

Massenentlassungen bei Ikea Deutschland

Knapp 300 Menschen verlieren ihren Job. Ein Kundencenter schließt. Sind Digitalisierung und Automatisierung der wahre Grund?

Author - Stefanie Hildebrandt
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Ikea setzt in seinen Möbelhäusern auf Digitalisierung.
Ikea setzt in seinen Möbelhäusern auf Digitalisierung.Sven Hoppe

Der Möbelkonzern Ikea sorgt in Mecklenburg‑Vorpommern für Aufregung und Entsetzen unter der Belegschaft. Der Konzern hat angekündigt, eines von drei Kundenservice-Centern zu schließen.

Ost-Kundencenter schließt

Ikea betreibt bisher Service-Center in Rostock, an der Zentrale in Hofheim-Wallau in Hessen und in Bremerhaven.

Das Kundenservice-Center in Rostock soll nun zum 30. September geschlossen werden, das berichtet die Ostsee-Zeitung. Rund 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren demnach ihren Job, wie die Gewerkschaft Verdi bestätigte.

Überraschung bei Beschäftigten und Betriebsrat

Die Belegschaft wurde laut Bericht am Mittwochmorgen in einer Betriebsversammlung informiert – völlig unerwartet, wie mehrere Mitarbeiter schildern. Selbst der Betriebsrat erfuhr nach eigenen Angaben erst eine halbe Stunde vor Beginn der Versammlung von der Schließung. Bereits am Donnerstag sollen Verhandlungen über einen Sozialplan oder einen Interessenausgleich beginnen.

Ikea-Chef Jesper Brodin
Ikea-Chef Jesper BrodinOliver Berg

Offizielle Begründung: Probleme mit der Mietsituation

Ikea verweist laut Ostsee‑Zeitung auf Schwierigkeiten mit der Mietsituation. Das Service-Center ist Untermieter in einem Bürokomplex gegenüber dem Einrichtungshaus in Rostock‑Schutow. Ein Neubau oder Umzug sei wirtschaftlich nicht darstellbar, so die Geschäftsführung. Das Einrichtungshaus selbst ist von der Entscheidung nicht betroffen.

In der Belegschaft wird allerdings die Vermutung geäußert, dass nicht nur Mietfragen, sondern auch Automatisierung und der Einsatz von KI‑gestützten Bots eine Rolle spielen könnten.

Die offiziellen Stellungnahmen deuten zumindest an, dass Ikea seine Kundenkommunikation stärker digitalisieren will. Für viele Beschäftigte verstärkt das die Angst, dass klassische Servicejobs zunehmend verschwinden.

Die geplante Einstellung des „Customer Support Center“ (CSC) wird laut Ikea voraussichtlich bis Ende August 2026 erfolgen. „Auch wenn solche Entscheidungen nie einfach sind, werden sie getroffen, um die langfristige Stärke und nachhaltige Zukunft von Ikea Deutschland im sich wandelnden Einzelhandel zu sichern“, betonte das Unternehmen in einer Erklärung.

Bedeutung für Mecklenburg-Vorpommern

Der Schritt trifft mit Mecklenburg-Vorpommern ein Bundesland, das in den vergangenen Jahren bereits mehrere große Service‑ und Callcenter‑Abgänge verkraften musste. 2020 strich der Dienstleister Majorel fast 1000 Stellen.

Der Autovermieter Sixt stoppte den geplanten Bau eines Innovationszentrums in Rostock. Die Ostsee‑Zeitung ordnet die Ikea‑Entscheidung als weiteres Warnsignal ein: Die Region verliere erneut qualifizierte Arbeitsplätze – und das in einem Bereich, der lange als wirtschaftliche Stütze galt.

Ein Standort mit Geschichte

Das Rostocker Service-Center wurde 2006 eröffnet – noch bevor das heutige Einrichtungshaus gebaut wurde. Erst Anfang des Jahres war die bis dahin eigenständige GmbH vollständig in den Ikea‑Konzern integriert worden. Nun endet die Geschichte des Standorts abrupt.

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