Die Wut ist riesengroß. Beschäftigte der Eberswalder Wurstwerke in Britz und die Gewerkschaft NGG wollen gegen die Schließung des Betriebs Ende Februar protestieren. Am 14. Februar um 12.05 Uhr soll der ostdeutsche Traditionsbetrieb „verabschiedet“ werden, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitteilte.
Viele Beschäftigte sind wütend. Es gehe auch ein Stück Eberswalder Regionalgeschichte zu Ende, hieß es. Bei der Protestveranstaltung soll es auch Wurst vom Grill geben.
In der DDR war Eberswalder Wurst begehrt
Die EWN Wurstspezialitäten GmbH & Co. KG teilte im Januar mit, die Produktion am Standort Britz bis zum 28. Februar 2026 einzustellen. „Leider mussten wir feststellen, dass es unter den gegebenen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen keine realistische Perspektive gibt“, hieß es. Nach Angaben des Unternehmens arbeiten 500 Menschen am Standort. Die Gewerkschaft sprach von einem „ungehemmten Profitstreben“.
Eberswalder Wurst kannte in der DDR jeder. Es war sogenannte Bückware. Sehr begehrt, aber oft nur schwer zu bekommen. Auch die beliebte Stadion-Bratwurst beim 1. FC Union kommt aus Eberswalde.
Das Schlacht- und Verarbeitungskombinat Eberswalde wurde 1977 gegründet. In den 80er Jahren galt es sogar als größter Fleischverarbeitungsbetrieb Europas. 3000 Mitarbeiter waren hier beschäftigt, für den Unterbringung in Eberswalder wurden sogar zwei Neubaugebiete hochgezogen. Und nun soll alles vorbei sein?
Marke „Eberswalder“ soll bestehen bleiben
Die traditionsreiche Marke „Eberswalder“ soll zwar bestehen bleiben, die Produktion aber verlagert werden. Die Wurstwerke in Britz gehören seit 2023 zur Zur-Mühlen-Gruppe, eine Tochter des Fleischriesen Tönnies in Nordrhein-Westfalen. Der Lebensmittelkonzern gab sich den neuen Namen Premium Food Group.

Nach dem Aus sucht das Land Brandenburg nach Möglichkeiten, den Standort zu erhalten. „Wir versuchen, dort eine Lösung zu finden, dass dieser Standort womöglich für Neuansiedlungen und neue Investitionen zur Verfügung steht“, sagt Agrarministerin Hanka Mittelstädt (SPD). Die Wurstfabrik in Britz dürfe keine „Ruine“ werden.
Weiter erklärt die Agrarministerin: „Ich würde mir natürlich wünschen, dass regionale Wurst auch regional produziert wird und dass in der Eberswalder Wurst, wenn sie woanders produziert wird, trotzdem Brandenburger Schwein und Rind drinsteckt.“
Landesbauernverband sieht „Verbrauchertäuschung“
Der Präsident des Landesbauernverbandes, Henrik Wendorff, spricht sogar von „Verbrauchertäuschung“. „Eberswalder Würstchen sollen aus Eberswalde kommen“, sagt er ganz klar.





