Bagger greifen an

Noch wenige Tage, dann wird Kultbad der DDR komplett zerstört

Jetzt ist es soweit. Am 2. März startet der Abriss des SEZ endgültig. Nur das Abgeordnetenhaus könnte alles in letzter Minute stoppen.

Author - Norbert Koch-Klaucke
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So schön war esd im SEZ, dem Spaßbad der DDR. Jetzt steht der komplette Abriss an.
So schön war esd im SEZ, dem Spaßbad der DDR. Jetzt steht der komplette Abriss an.IMAGO/Peter Meissner

Es bleiben nur drei Wochen, um das SEZ zu retten! Denn jetzt steht es fest: Das Sport- und Erholungszentrum an der Landsberger Allee soll ab März ohne Wenn und Aber komplett abgerissen werden. Das bestätigte das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg auf KURIER-Anfrage.

Abriss-Termin für das SEZ steht

Die für den Abriss zuständige Wohnungsbaugesellschaft WBM hatte die sogenannte „Anzeige zur Beseitigung von Anlagen“ fristgemäß Ende Januar beim Bauamt des Bezirkes eingereicht.

„Rückbau und Schadstoffsanierung des Sport und Erholungszentrum in Berlin-Friedrichshain samt seinen Außenanlagen und des  Funktionsgebäudes“ nennt die WBM den Komplett-Abriss des SEZ. So steht es in dem eingereichten Schreiben. Als Beginn der Arbeiten wird der 2. März.

Verantwortlich ist dafür Bausenator Christian Gaebler (SPD). Er will das SEZ abreißen, um dafür bis zu 680 neue Wohnungen zu bauen. 2031 sollen die Quartiere stehen, die Berlin angeblich so dringend braucht, wie Gaebler sagt.

Und so lässt er die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft WBM ihr Werk verrichten. Seit Ende November 2025 wüten bereits die Bagger am SEZ. Fassadenteile und Außenbecken wurden schon als „bauvorbereitende Maßnahmen“ abgerissen – trotz Protest von Abgeordneten und Bürgerinitiativen.

Das SEZ aus der Sicht der Häuer gegenüber: Deutlich ist die Zerstörungswut der letzten Wochen an dem DDR-Bauwerk zu erkennen.
Das SEZ aus der Sicht der Häuer gegenüber: Deutlich ist die Zerstörungswut der letzten Wochen an dem DDR-Bauwerk zu erkennen.privat

Nun soll es am 2. März also richtig am SEZ zur Sache gehen. Und der Fahrplan dafür steht schon fest. Diesen hat die WBM ebenfalls dem Bezirksbauamt vorgelegt. Der Abriss soll demnach in zwei Etappen stattfinden.

So soll das SEZ komplett verschwinden

In der ersten Phase ist die Schadstoffbeseitigung eines Teiles des ehemaligen Schwimmhallenbereiches und der Saunaanlagen im Außenbereich geplant. Danach soll ein Teil des Daches abgerissen werden. Bis September sollen die Arbeiten dauern.

Am Ende bleiben nur vier Stahlkonstruktionen, die sich in Richtung Volkspark Friedrichshain befinden, stehen. Sie sollen laut Machbarkeitsstudie in dem neuen Wohngebiet an das einstige DDR-Spaßbad erinnern.

In der zweiten Phase wird der Rest vom SEZ samt ehemalige Eisbahn, dem Unterbau der ehemaligen Rutsche, der Tribüne und Lüftungskanal abgerissen. Auch das Wirtschaftsgebäude, die Außenanlagen und der Parkplatz an der Landsberger Allee verschwinden. Außer den vier Trägern soll zum Jahresende vom SEZ nichts mehr bleiben.

Ende November 2025 wüteten schon die Bagger am SEZ. Dieser Teil gehört zu denen, die als erste Gebäudeteile abgerissen werden.
Ende November 2025 wüteten schon die Bagger am SEZ. Dieser Teil gehört zu denen, die als erste Gebäudeteile abgerissen werden.Pressefoto Wagner

Rein rechtlich kann der Bezirk den Abriss nicht stoppen. „Der Abriss ist politisch vom Senat gewollt. Das Areal gehört dem Land Berlin“, sagt Grüne-Bauexperte Julian Schwarze. Der Bezirk könne nur eingreifen, wenn während des Abrisses baurechtliche Vorgaben nicht eingehalten werden.

Es gibt noch eine letzute Chance für das SEZ

Bezirksbaustadtrat Florian Schmidt (Grüne) sind die Hände gebunden. „Ich bedauere sehe, dass die Abrissarbeiten derart zügig vorangehen sollen. Hier sollen Fakten geschaffen werde, obwohl die Debatte auch im Abgeordnetenhaus zunehmend Fahrt auf nimmt“, sagt er dem KURIER.

In der Tat sind noch nicht endgültig alle Messen über das SEZ gesungen. Denn am 2. März, am Starttag des Komplett-Abrisses, soll eine Anhörung zum SEZ im Bauausschuss des Abgeordnetenhauses stattfinden. Auf der Tagesordnung steht die Entscheidung über eine Machbarkeitsstudie, in der Experten die Möglichkeit eines Erhalts oder Teilerhalts des SEZ und dessen Kosten untersuchen soll.

Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne)
Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne)Gerd Engelsmann

„Damit hat das Abgeordnetenhaus es in der Hand, den Abriss zu stoppen“, sagt Bezirksbaustadtrat Schmidt. „Ich hoffe sehr, dass die offensichtliche Missachtung demokratischer Prinzipien, noch vor der anberaumten Anhörung im Abgeordnetenhaus durch Senat und WBM den Parlamentariern einen Motivationsschub gibt.“

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