„Besser nicht einatmen!“

Smogrätsel gelöst, Kriegsluft aus der Ukraine vernebelt Berlin

Dichter Dunst über Berlin! Ein Meteorologe erklärt, warum Smog und Nebel die Stadt einhüllen und die Luft teils aus dem Ausland kommt.

Author - Jana Hollstein
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Berlin verschwindet unter einer Nebeldunstglocke.
Berlin verschwindet unter einer Nebeldunstglocke.Florian Thalmann/Berliner KURIER

Wer momentan durch Berlin läuft, muss je nach Viertel durch dichten Dunst waten. Am Alexanderplatz kommt man auf eine Sichtweite von gerade mal hundert Metern. Warum verschwindet Berlin im Smog oder Nebel? Der KURIER hat beim Meteorologen Karsten Brandt nachgefragt.

Wärmere Luft sorgt für Nebel über Berlin

„Es kommen zwei Sachen zusammen“, analysiert Karsten Brandt bei einem Blick auf die derzeit miserable Luftqualität in Berlin. Zum einen ist das etwas, was viele Berliner freuen wird: Es wird spürbar wärmer, Eis taut langsam auf. Gleichzeitig ist der Boden noch kalt. Die wärmere Luft trifft auf die kalte Schnee- und Eisfläche, an die wir uns in den letzten Wochen so gewöhnt haben, und der Wasserdampf kondensiert in der Luft. Entsprechend bildet sich Nebel. Das ist aber noch nicht alles.

Am Alexanderplatz kann man nicht weiter als etwa hundert Meter in die Ferne sehen.
Am Alexanderplatz kann man nicht weiter als etwa hundert Meter in die Ferne sehen.Florian Thalmann/Berliner KURIER

Denn was in Berlin zu sehen ist, ist nicht unbedingt in Berlin geboren. „Wir haben massiv Luft aus der Ukraine, Slowakei, Tschechien und Polen, erklärt Brandt. In Polen etwa werde bei den Niedrigtemperaturen durch Kohlekraftwerke massiv geheizt, und der Smog zieht rüber nach Ostdeutschland und Berlin. Auch das sehen wir gerade in der Luft. Die Einschätzung des Wetterexperten: „Luft macht an der Grenze nicht halt. Wenn Berlin und Ostdeutschland saubere Luft haben wollen, dann muss man mit den Polen reden.“

Ukraine-Krieg weht auch nach Berlin

Doch die Kohlekraftwerke unserer osteuropäischen Nachbarn sind nicht das einzige Problem, das wir aus der Ferne zu spüren bekommen. Tatsächlich liegen bei uns nach Einschätzung von Karsten Brandt auch die Überbleibsel von Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine in der Luft, wo man ganz andere Probleme hat als ein bisschen Feinstaub: „Das macht auf jeden Fall etwas aus – bei der Schießerei, bei den Bränden in der Ukraine. Es ist nicht so genau zu schätzen, aber ich könnte mir vorstellen, dass so zehn bis 20 Prozent Kriegsluft dabei ist.“

Das Ergebnis ist laut Brandt „eine Riesensauerei aus Smog und Nebel“. Er rät: „Besser nicht einatmen!“

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