Die Meldung schockte viele Menschen aus dem Osten – denn sie könnte auch das Ende eines Stückchens Geschichte der DDR bedeuten: Vor fünf Monaten wurde berichtet, dass die bekannte DDR-Marke Kolibri vor dem Aus steht. Der Hersteller von Büromitteln mit Sitz im sächsischen Bad Gottleuba musste Insolvenz anmelden, könnte der Digitalisierung zum Opfer fallen. Doch nun gibt es wieder Hoffnung.
Kultfirma aus der DDR meldete Insolvenz an
Das Unternehmen wurde bereits im Jahr 1937 in Dresden gegründet, fiel aber der Dresdner Bombennacht vom 13. Februar 1945. Nach dem Krieg bezog die heutige Firma Kolibri eine stillgelegte Druckerei in Bad Gottleuba, nach und nach wurde der Betrieb dort wieder aufgenommen. Ein paar Jahre später war laut Firmengeschichte Papier und Karton einfacher zu erhalten, weshalb man die ersten Produkte entwickelte, die sich später wie ein roter Faden durch die Geschichte des Unternehmens ziehen sollen.
Auch zu DDR-Zeiten wurden hier Büromittel hergestellt und ins nichtsozialistische Ausland exportiert, etwa in den Westen, nach Belgien, Holland und Skandinavien. Das Unternehmen konnte wachsen und sich technisch weiterentwickeln. Und produziert noch heute Produkte wie Unterschriftenmappen, Eckspanner, Schnellhefter, Ösenhefter und Aktenordner. In der DDR waren die Produkte weit verbreitet, wurden überall genutzt. Inzwischen arbeitet und produziert Kolibri unter anderem für bekannte Marken wie Soennecken, stellt Produkte unter deren Label her.

Eine Geschichte, die jetzt vor dem Ende stand: Vor fünf Monaten hieß es, Kolibri habe Insolvenz angemeldet, müsse Mitarbeiter entlassen. Doch nun gibt es zumindest teilweise gute Nachrichten für das Kult-Unternehmen aus dem Osten: Es wird wieder kostendeckend gearbeitet. Zehn Mitarbeiter mussten entlassen werden, um Kolibri zu retten – doch schon vor zwei Monaten sagte Insolvenzverwalter Nils Freudenberg der „Sächsischen Zeitung“, dass weitere Kündigungen nicht geplant seien.
Teil des Betriebsgeländes der DDR-Firma wird verkauft
Bei einer Gläubigerversammlung wurde außerdem beschlossen, einen nicht mehr benötigten Teil des Betriebsgeländes zu verkaufen, damit wieder etwas Geld in die Kasse kommt. Auch mit möglichen Käufern für das Unternehmen ist man bereits im Gespräch, hieß es zuletzt. Drei Interessenten soll es bereits geben, Ergebnisse der Verhandlungen und weitere Details gibt es bisher nicht. Ob das Unternehmen gerettet werden kann, wird sich zeigen. Gute Nachricht für die verbliebenen 19 Mitarbeiter: Sie sollen auch weiterhin beschäftigt werden.
Schuld an der Situation des Unternehmens ist auch die Digitalisierung – die Büromittelbranche krankt unter anderem an den sich verändernden Bedingungen in Behörden. Denn: Immer weniger Mappen oder Hefter werden in Büros benötigt. Hinzu kam laut Sächsischer Zeitung im vergangenen Jahr die verspätete Genehmigung des Haushalts in der öffentlichen Verwaltung. Einnahmen, die für ein kleines Unternehmen wie Kolibri dringend gebraucht werden. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Stück Geschichte der DDR erhalten bleibt.




