Schock im Osten

Berühmtes Hotel aus der DDR macht dicht

1974 öffnete es als Interhotel „Kongreß“, doch nun endet eine Ära: Das Congress Hotel in Chemnitz macht schon in wenigen Tagen dicht.

Author - Florian Thalmann
Teilen
Das Interhotel Kongreß war in der DDR nicht nur ein geliebtes Haus der Interhotel-Kette, sondern auch ein Wahrzeichen von Karl-Marx-Stadt.
Das Interhotel Kongreß war in der DDR nicht nur ein geliebtes Haus der Interhotel-Kette, sondern auch ein Wahrzeichen von Karl-Marx-Stadt.Wolfgang Schmidt/imago

Es war eines der Hotels der berühmten Kette Interhotel – und ohne Zweifel das bekannteste Hotel in Chemnitz. Doch nun der Schock: Wie jetzt bekannt wurde, schließt das Congress-Hotel in Chemnitz, das frühere Interhotel „Kongreß“ in Karl-Marx-Stadt, seine Pforten. Das traditionsreiche Haus wurde schon 1974 eröffnet – nun endet in dem Bau eine Ära.

Plötzliches Aus des Congress Hotel schockt den Osten

Dieses Aus schockt den Osten Deutschlands: Wie verschiedene Medien berichten, schließt das Congress Hotel in Chemnitz seine Pforten. Der Eigentümer des Gebäudes und der Betreiber des Hotels bestätigten das unter anderem gegenüber der „Sächsischen Zeitung“. Es ist ein schnelles Ende: Zum 31. Januar soll der Betrieb in dem traditionsreichen Haus eingestellt werden. Weitere Angaben machten die Betreiber nicht – und sie wollten sich nicht zu Spekulationen äußern.

Hintergrund sind Vorwürfe der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. „Die Entscheidung des Betreibers, das Hotel zu schließen, ist ein Arschtritt für die Beschäftigten“, sagte Regionalchef Thomas Lißner in Dresden. Er bezeichnete die Praxis als „eiskaltes Geschäftsgebahren“ – und prangert das Vorgehen der Betreiber an.

Denn Chemnitz war im vergangenen Jahr Kulturhauptstadt. Das Hotelunternehmen habe das noch mitgenommen, die Beschäftigten hätten monatelang am Anschlag gearbeitet. „Jetzt heißt es einfach Tschüss.“

Blick auf das Interhotel Kongreß, das in der DDR als 27. Hotel der Interhotel-Kette errichtet wurden.
Blick auf das Interhotel Kongreß, das in der DDR als 27. Hotel der Interhotel-Kette errichtet wurden.HärtelPress/imago

Das lässt auch die beschäftigten geschockt zurück. „Das Herz hängt natürlich an so einem Haus, wenn man so lange da ist“, sagte eine Mitarbeiterin, die seit 40 Jahren in dem Hotel tätig war und auch schon in der DDR hier arbeitete, gegenüber dem MDR. „Die Arbeit hat immer Spaß gemacht.“ auch für Sven Schulze (SPD), den Oberbürgermeister von Chemnitz, kommt das Aus plötzlich. „Es ist eine bedauerliche und sehr überraschende Entscheidung.“

Im Interhotel Kongreß gab es auch ein auch ein Terassencafé. hier ein Foto von 1990.
Im Interhotel Kongreß gab es auch ein auch ein Terassencafé. hier ein Foto von 1990.HärtelPress/imago

Das berühmte Hotel wurde in der DDR 1974 eröffnet

Tragisch ist es um die Jobs, aber auch um die Geschichte bdes berühmten Ost-Hotels. Das Hotel wurde 1974 eröffnet, war das 27. Interhotel der DDR und trug den Namen Interhotel „Kongreß“. Der Bau dauerte fünf Jahre, federführend war Architekt Rudolf Weißer, der zu DDR-Zeiten der Chefarchitekt vom damaligen Karl-Marx-Stadt war. Zu seinen bedeutenden Bauwerken gehörte auch die Stadthalle Chemnitz.

Das Congress Hotel Chemnitz im Jahr 2024. Am 31. Januar wird der Betrieb in dem Haus eingestellt.
Das Congress Hotel Chemnitz im Jahr 2024. Am 31. Januar wird der Betrieb in dem Haus eingestellt.HärtelPress/imago

Interhotel „kongreß“ bot in der DDR 380 Zimmer

Das Interhotel hatte eine Höhe von 97 Metern, bot damals 380 Zimmer und Appartements für 760 Gäste, mehrere Restaurants und sogar eine Nachtbar in der 26. Etage. Nach der Wende wurde das Haus von der französischen Hotelkette Accor weitergeführt, gehörte bis 2017 zu den „Mercure“-Hotels. 2018 ging es weiter an die Dorint-Kette, die allerdings zunächst nur 101 Zimmer auf den oberen sieben Etagen des Hauses betrieb.

Danach ging es an die GCH Hotel Group, die es seit Januar 2024 unter dem Namen Congress Hotel Chemnitz vermarktete. Die NGG wirft der Gruppe nun auch massiven Investitionsstau vor. So sei etwa die Genehmigung für den Brandschutz ausgelaufen. Laut Regionalchef Lißner typisch für Immobilien- und Investmentunternehmen. Zuerst der Einstieg in den Hotelmarkt, der kurzfristige Profit, doch die Investitionen bleiben aus. Ob in dem Gebäude die Hotelgeschichte für immer endet: unklar.