Erinnern Sie sich?

Trauriges Ende von Interhotel: Das wurde aus den Hotels der DDR

Allein sieben Hotels in Berlin gehörten in der DDR zu Interhotel. Sie alle überlebten die Wende – und verschwanden doch aus dem Stadtbild.

Author - Florian Thalmann
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Blick auf das Palasthotel in Berlin, das in der DDR zur Kette Interhotel gehörte. Hier gab es mehr als 600 Zimmer, doch zehn Jahre nach der Wende wurde der Betrieb eingestellt, das Haus abgerissen.
Blick auf das Palasthotel in Berlin, das in der DDR zur Kette Interhotel gehörte. Hier gab es mehr als 600 Zimmer, doch zehn Jahre nach der Wende wurde der Betrieb eingestellt, das Haus abgerissen.Stana/imago

Nur noch wenige Tage, dann endet ein weiteres Kapitel der Hotel-Geschichte der DDR: Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, wird zum 31. Januar der Betrieb im ehemaligen Interhotel „Kongreß“ in Chemnitz eingestellt. Das Haus, das zuletzt den Namen Congress Hotel trug, macht dicht – ob es hier irgendwann eine Zukunft gibt, ist ungewiss. Da fragen sich viele: Was wurde eigentlich aus den Hotels der Kette Interhotel in Berlin? Wir verraten es.

Betrieb im Interhotel „Kongreß“ der DDR wird eingestellt

Das Interhotel „Kongreß“ in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) war das 27. Hotel der Kette in der DDR, wurde von 1969 bis 1974 geplant und gebaut. Nach 50 Jahren steht hier nun das Ende einer Ära bevor: Am Wochenende wird der Betrieb in dem traditionsreichen Haus,  das zuletzt zur GCH Hotel Group gehörte, eingestellt.

Es ist ein Schicksal, das nicht nur dieses eine Hotel der Kette Interhotel aus der DDR ereilt hat – zwar haben einige der Häuser nach der Wende den Besitzer gewechselt und werden noch heute betrieben, andere wurden geschlossen oder sind inzwischen sogar abgerissen. Dabei waren die Hotels einst ein großer Erfolg: Gegründet wurde die Kette Interhotel bereits am 1. Januar 1965, damals gehörten nur wenige Hotels dazu. Eines stand in Jena, eins in Erfurt, eins in Magdeburg, fünf in Leipzig und zwei in Karl-Marx-Stadt. Außerdem gab es ein Interhotel in Berlin.

Die Illustration zeigt das Hotel Berolina, das als erstes Interhotel Berlins eröffnete.
Die Illustration zeigt das Hotel Berolina, das als erstes Interhotel Berlins eröffnete.KHARBINE-TAPABOR/imago

Doch im Laufe der Jahre wurden daraus mehr und mehr: Knapp 40 Hotels gehörten zu Hochzeiten dazu. Doch sie dienten nicht nur dazu, FDGB-Feriengästen einen schönen Urlaub zu ermöglichen. Auch die Stasi hatte ihre Finger im Spiel. Denn in den Häusern wurden vor allem Gäste aus dem sozialistischen Ausland bewirtet, die Menschen aus dem Osten hatten nur bedingt Zugang. Das Ministerium für Staatssicherheit versuchte, die internationalen Gäste zu überwachen – und laut Berichten war der Prozentsatz der Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) innerhalb der Hotelbelegschaft überdurchschnittlich hoch.

Hotel Berolina war das erste Interhotel in Berlin

Das erste Berliner Interhotel war das Hotel Berolina in der Karl-Marx-Allee. Es hatte 13 Etagen, 375 Zimmer und ein Restaurant mit 200 Plätzen. Gebaut wurde es 1961 bis 1963, eröffnet als HO-Hotel, 1965 von der Interhotel übernommen. Auch nach der Wende wurde es noch für ein paar Jahre betrieben, dann abgerissen. Die Geschichte des ersten Interhotels in Berlin endete im Jahr 1995.

Das Grand Hotel stand schon in der DDR, heute kennen es viele unter dem Namen Westin Grand.
Das Grand Hotel stand schon in der DDR, heute kennen es viele unter dem Namen Westin Grand.teutopress/imago

Schon kurze Zeit nach dem ersten Interhotel in Berlin öffnete das zweite Haus in der Hauptstadt seine Pforten – das Hotel „Unter den Linden“ in Mitte. Die DDR-Planer wollen damals das Quartier Friedrichstraße aufwerten, bauten 1964 bis 1966 das Hotel. Das Haus bot nach der Eröffnung im Jahr 1966 insgesamt 340 Zimmer. Sogar Stars wie Karel Gott und Udo Lindenberg haben hier genächtigt.

Hotel „Unter den Linden“ aus der DDR verschwand 2006

Doch die Konkurrenz aus den eigenen Reihen wurde zu groß: Mehrere Edel-Hotels, die die Kette in der Umgebung eröffnete, machten das „Unter den Linden“ vom devisenträchtigen Palast zum Touristenhotel. Der Komfort in den benachbarten Häusern war besser. „Ich hätte selbst mit geschlossenen Augen alles gefunden, so klein war das Zimmer. Ein Bett und zwei Kommoden passten so gerade rein“, sagte eine ehemalige Mitarbeiterin des Hotels vor Jahren dem Spiegel. Trotzdem überlebte das Hotel die Wende, wurde bis 2006 betrieben und dann abgerissen. Heute finden sich an der gleichen Stelle Büro- und Geschäftsräume.

Im Berliner Palasthotel konnten insgesamt 1000 Menschen gleichzeitig übernachten.
Im Berliner Palasthotel konnten insgesamt 1000 Menschen gleichzeitig übernachten.teutopress/imago
2001 wurde das ehemalige Palasthotel, das zur Kette Interhotel in der DDR gehörte, abgerissen.
2001 wurde das ehemalige Palasthotel, das zur Kette Interhotel in der DDR gehörte, abgerissen.Rüttimann/imago

Das dritte Interhotel, dessen Geschichte traurig endete, war das Palasthotel, ebenfalls gelegen in Mitte. Es wurde 1979 eröffnet, lag zwischen Karl-Liebknecht-Straße und Spandauer Straße an der Spree – schräg gegenüber dem Palast der Republik. Geplant wurde das Haus ab 1976, eröffnet 1979. Unten befanden sich Restaurants, Bars und ein großes Café mit zusammen 2000 Sitzplätzen, darüber konnten die Hotelgäste in einem von 600 Zimmern und 40 Suiten nächtigen. 1000 Plätze für Übernachtungsgäste gab es.

Geschichte des Palasthotels aus der DDR endete 2001

Auch hier kamen vor allem Gäste aus dem Westen unter. Die Interhotel AG, die sich nach der Wende um viele der Häuser kümmerte, verwaltete auch das Berliner Palasthotel. Zehn Jahre konnte das Haus noch gebucht werden, doch 2000 wurde der Betrieb eingestellt. 2001 startete dann der Abriss. Besonders bitter: insgesamt 60 Millionen Mark wurden im Jahr 1995 in die Renovierung des kompletten Hauses investiert. Doch es half nichts: Das Haus der Kette Interhotel verschwand, wie viele andere, aus dem Berliner Stadtbild.

Andere Hotels überlebten – und werden noch heute unter anderen Namen betrieben. Das Grand Hotel Berlin in der Friedrichstraße, eröffnet im Jahr 1987, läuft heute unter dem Namen Westin Grand noch immer. Das Hotel Metropol öffnete 1977, ist heute das komplett umgebaute Maritim proArte Hotel.

Das Domhotel eröffnete 1990, firmierte noch unter Interhotel, wurde 1991 zum Hilton. Und das berühmte Hotel Stadt Berlin, das schon 1970 die ersten Gäste beherbergte, ist heute das ParkInn am Alexanderplatz.

Das frühere Hotel Stadt Berlin am Alexanderplatz ist heute das ParkInn – und gehört zur Berliner Skyline.
Das frühere Hotel Stadt Berlin am Alexanderplatz ist heute das ParkInn – und gehört zur Berliner Skyline.imagebroker/imago

Erinnern Sie sich an die Hotels von Interhotel aus der DDR?

Erinnern Sie sich an die Hotels der Kette Interhotel aus der DDR? Waren Sie auch mal in einem solchen Haus zu Gast – oder hatten Sie keine Chance auf ein Zimmer? Schicken Sie uns Ihre Erinnerungen per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!