Am Freitagabend kommt ein kleines Dorf in Sachsen im Fernsehen ganz groß raus: Im MDR läuft um 20.15 Uhr die neue Sendung „Hol dir deine Show“, dieses Mal gesendet aus Oberbärenburg im Erzgebirge. ein Ort, der ganz nah dran liegt an einem der größten Geheimnisse der DDR!
Rund 230 Einwohner leben hier, sie wohnen umgeben von viel Natur mitten im Spielzeugland des Ostens. Bei Oberbärenburg befindet sich auch die Bobbahn Altenberg – ein Relikt aus Honeckers Zeiten, um das sich viele Legenden ranken. Und das für den Wintersport der DDR unglaublich wichtig war.
Bobbahn Altenberg liegt in der Nähe von Oberbärenburg
Oberbärenburg gehört heute wie der Ortsteil Waldbärenburg zur Stadt Altenberg, ist ein staatlich anerkannter Erholungsort. Eine Woche vor dem Start der Olympischen Spiele wird es in der Sendung vom Freitagabend aber alles andere als erholsam: Es geht natürlich um den Wintersport und die verschiedenen Wintersportattraktionen, die es rund um Oberbärenburg gibt. Eine liegt ganz in der Nähe – und ist ein Stück DDR-Geschichte: die Bobbahn Altenberg.
Die war eines der Sport-Geheimnisse der DDR. Der Bau wurde 1980 geplant – weil man den Wintersport in der DDR voranbringen wollte, es neben der einzigen Kunsteisbahn in Oberhof aber nur Natureisbahnen gab. Sie waren komplett abhängig von der Witterung, machten das kontinuierliche Training der DDR-Athleten unmöglich. Ein Problem, das man auch in anderen Sportarten kannte – etwa beim Skispringen. Damit die Springer auch im Sommer trainieren konnten, erfand man die noch heute genutzten Skisprungmatten aus grünen Kunststofffäden. Mit ihrer Hilfe wurden Sportler wie Jens Weißflog zu Skisprung-Superstars.

Auch die Bobfahrer sollten sich vom Wetter lösen, weshalb das Politbüro die Planung der Bahn in Auftrag gab. 1982 begannen dann die Bauarbeiten, allerdings unter strenger Geheimhaltung – und unter der Führung des Ministeriums für Staatssicherheit. Die Bahn sollte eigentlich in Oberhof entstehen, der Plan wurde aber verworfen. Die zweite Option: Wernigerode im Harz. „Aber die Bahn sollte nicht mit dem Hintern an die West-Grenze gebaut werden“, sagte der ehemalige Rennrodler Horst Hörnlein, der damals zum Planungsteam gehörte, in einer Dokumentation des MDR.
Wahl für das Projekt der Stasi fiel auf Altenberg
Dann fiel die Wahl auf Altenberg – eine Stadt, die schon damals zu den beliebtesten Wintersportorten der DDR gehörte. Beim genauen Standort war auch Oberbärenburg in der engeren Auswahl – doch aufgrund der vielen Frosttage jedes Jahr entschied man sich für den Kohlgrund. Die Bevölkerung erfuhr nichts von der Baumaßnahme – das gesamte Gebiet wurde mit Warnschildern ausgestattet, das Betreten war unter Androhung von Schüssen verboten. Nur die Arbeiter durften auf das Gelände.

Das sorgte für viele Gerüchte. Manch einer spekulierte, dass im Wald eine Raketenabschussbasis gebaut wird. Auch Bauarbeiter aus der Region wurden nicht angestellt – die Arbeiter, die man für den Bau heranholte, mussten in Zelten schlafen. Auch die Grundsteinlegung fand ohne viel Publikum statt.
Doch nach den Bauarbeiten der herbe Rückschlag: Erste Probefahrten zeigten, dass die Bahn zu schwierig gebaut war – selbst Rodel-Star Wolfgang Hoppe hielt sie für nicht beherrschbar. Die Fahrt vom obersten Startpunkt wäre lebensgefährlich gewesen. Sogar Vermutungen der Sabotage kamen auf, denn hinter vielen Konstruktionsunterlagen steckte ein Ingenieurbüro aus dem Westen.
Teile der Bobbahn Altenberg mussten gesprengt werden
Die Folge: die Bahn musste umgebaut werden. Zehn der 17 Kurven der Bahn wurden gesprengt und neu gebaut, finanziert von der Stasi. Die Rennbahn, die ursprünglich zwischen 150 und 160 Millionen Mark kosten sollte, lag plötzlich bei Baukosten in Höhe von 350 Millionen Mark. Die SED versuchte natürlich, die peinlichen Fehler beim Bau zu vertuschen – doch das gelang schon deshalb nicht, weil die Explosionen der Sprengungen schwer zu verheimlichen waren. „Die Sprengungen, die hier durchgeführt wurden, waren sicherlich bis Altenberg zu hören“, sagte ein Bauarbeiter, der an den Arbeiten beteiligt war. „Das war ein Krawall hier – das ging etwa eine Woche lang.“

Mit den DDR-Meisterschaften im Zweierbob wurde die Bahn im Jahr 1986 inoffiziell eingeweiht, die offizielle Einweihung erfolgte im Jahr 1987. Der Beginn einer langen Sport-Geschichte, die sich im Altenberger Eiskanal abspielte. Nach der Wende wurde die Bahn auch bundesweit berühmt und beliebt, immer wieder wurden hier Meisterschaften, später auch Europa- und Weltmeisterschaften ausgetragen.
Stasi-Chef hatte an der Bobbahn seine „Mielke-Suite“
Zu den Legenden um die Bobbahn gehört auch, dass es an der Bahn sogar eine sogenannte „Mielke-Suite“ gab – mit Holzvertäfelung, Ledermöbeln und Co. Von hier konnte Stasi-Chef Erich Mielke höchstpersönlich die Wettkämpfe verfolgen.
Und manches Geheimnis der Bobbahn wurde sogar erst nach der Wende gelüftet: Erst 1990 kam ans Tageslicht, dass man ganz in der Nähe der Bahn ein weiteres geheimes Trainingszentrum gebaut hatte. In einer Halle stand hier ein Nachbau der Anschubstrecke der Bobbahn bei Oberbärenburg. Hier konnten die Sportler sogar im Hochsommer auf Kunsteis trainieren – ein Projekt, das in der Welt damals einmalig war. Und außerdem streng geheim.



