Wer in der DDR aufwuchs, kennt sie. Steffi ist gemeint, die ostdeutsche Modepuppe mit legendärer Kunsthaarfülle. Während im Westen Mattels „Barbie“ seit 1964 die Kinderzimmer eroberte, schickte die DDR ab 1966 ihre Antwort ins Rennen. Steffi war mondän, stylish und eine echte Thüringerin.
„Steffi“ wird 60 Jahre alt
Gefertigt wurde „Steffi“ im traditionsreichen VEB Puppenfabrik Waltershausen. Und in diesem Jahr wird sie schon 60 Jahre alt. Dabei ist Steffi begehrter denn je. Was als sozialistische Alternative zur amerikanischen Glamourpuppe begann, ist heute ein beliebtes Sammlerstück. Während sich die Mädchen in der DDR insgeheim doch eine West-Barbie oder Petra wünschten, ist heute die Ost-Barbie das begehrte Sammlerstück.
Waltershausen – Puppenhochburg in Thüringen
Steffis Geschichte lässt sich nicht erzählen, ohne einen Blick auf das thüringische Örtchen Waltershausen zu werfen. Seit über 200 Jahren ist die Region in Thüringen ein Zentrum der deutschen Spielzeugproduktion. Entlang der historischen Spielzeugstraße – von Nürnberg über Coburg und Sonneberg bis ins Gothaer Land – entstanden einst Schaukelpferde, Puppenmöbel, Felltiere, Holzspielzeug und Zinnwaren. Waltershausen selbst wurde zum Herzstück der Puppenherstellung.

Die wirtschaftliche Not der Thüringer Walddörfer im 19. Jahrhundert hatte dazu geführt, dass viele Bewohner als Heimarbeiter in der Spielzeugindustrie landeten. Sie bot eine neue, wenn auch schlecht bezahlte Perspektive – und legte den Grundstein für einen Industriezweig, der bis in die DDR-Zeit hinein prägend für die Gegend blieb.
Immer alleinstehend - Die Geburt der Ost-Barbie
In der DDR wurden die Puppenfabriken Waltershausens nach und nach verstaatlicht und schließlich unter dem Markenzeichen „biggi“ zusammengeführt. 1976 entstand daraus der VEB Puppenfabrik biggi Waltershausen. Die Produktion lief dort auf Hochtouren: Mitte der 80er-Jahre verließ alle acht Sekunden eine neue Puppe das Fließband.
Bereits 1966 wurde am selben Standort die Modepuppe Steffi entwickelt – als sozialistische Alternative zur westlichen Barbie. Sie war robust, modisch und für DDR-Verhältnisse erstaunlich vielfältig ausgestattet.
Mit Spitzenbluse, Rüschenkleid, Hosenanzügen und Outfits aus der Kunstfaser Malimo, wurde Steffi in den Kinderzimmern ein Hingucker. Wie anders waren die langen Arme und Beine, das frauliche Gesicht der Puppe.

Steffi war ganz die mondäne Frau, selbstbewusst und stilsicher. Während im Westen Barbie und Petra bald männliche Begleiter wie Ken oder Fred an die Seite gestellt bekamen, blieb Steffi immer solo. Eine alleinerziehende Werktätige?
Steffi: Kultfigur, Ost-Ikone aus Walterhausen
Gefertigt aus stabilem Kunststoff, spiegelte Steffi den Zeitgeist der 60er- und 70er-Jahre wider. Ihre üppige Kunsthaarfrisur wurde zum Markenzeichen – liegen die Haare gut, ist das eines der begehrten Merkmale unter Sammlern.
Unbespielte Steffis sind Goldstaub bei ihnen. Denn nach dem Ende der DDR und der Schließung vieler volkseigener Betriebe verschwand auch die Puppenproduktion in Waltershausen Mitte der 1990er-Jahre.
Die biggi Spielwaren GmbH konnte sich im neuen Wirtschaftssystem nicht behaupten. Das historische Fabrikgebäude von 1902 beherbergt heute eine Kommune – die originale Inschrift über dem Eingang ist geblieben: „Für Kinder ist das Beste gut genug. Vorwärts immer, rückwärts nimmer.“
DDR-Puppe Steffi heute – ein Vintage-Schatz





