Der Schnee, der seit Anfang Januar gefallen ist, macht nicht nur viele Kinder froh – sondern auch alle, die den Wintersport lieben. Skispringer, Langläufer und Biathleten erobern vor allem in der kalten Jahreszeit die Pisten. Aber: Auf den Sprungschanzen des Landes kann auch im Sommer trainiert werden. Und das haben Wintersportler und Wintersportfans der DDR zu verdanken! Kein Witz: Aus dem Osten kommt eine Erfindung, die den Wintersport auf der ganzen Welt revolutioniert hat. Vorhang auf für die Skisprungmatten aus der DDR.
Erfindung aus der DDR revolutionierte das Skispringen
Mit ordentlichem Tempo sausen Skispringer ihre Schanzen herunter, hoffen auf einen möglichst weiten Sprung. Damit das klappt, ist gutes Training wichtig. Im Winter ist Schnee heute keine Selbstverständlichkeit mehr – und im Sommer sind weiße Flocken von oben erst recht unwahrscheinlich. Was tun?
Schon lange machte man sich Gedanken darüber, wie Skispringen ohne Schnee funktioniert. Beispiele gefällig? Im berühmten Zirkus Busch sprangen Skispringer schon kurz nach 1900 auf eine Schanze, die mit Kokosmatten ausgelegt war – und auch Tannennadeln, Mandelschalen, Pulver und Gummi sollen im Laufe der Sportgeschichte probiert worden sein. Allerdings oft immer nur mit mäßigem Erfolg.
Hans Renner hatte in der DDR die pfiffige Idee
Die pfiffigste aller Ideen kam aus der DDR – sie ist noch heute bekannt und beliebt. Die Rede ist von den sogenannten Skisprungmatten aus langen, grünen Plastikborsten, mit denen noch heute viele Schanzen ausgelegt sind. Erfunden wurden sie von Hans Renner, der damals Nationaltrainer für die Skispringer der DDR war. Der Grund: Die Wettbewerbe liefen für die DDR-Sportler nicht gut – er suchte deshalb eine Möglichkeit, auch im Sommer zu trainieren.

Überliefert ist, dass der DDR-Trainer an einem regnerischen Tag aus seiner Haustür trat – und einen Schritt auf einen Fußläufer aus Plaste setzte, der relativ glatt war. Er sei ausgerutscht und auf dem Hintern gelandet, berichtete Ronny Kroll vom Wintersportzentrum Oberhof im ZDF. Die Idee war geboren: Könnten die Skispringer nicht auf Plaste-Matten landen? Schon 1954 gab es dann erste Versuche, doch einfache Matten waren zu glatt. Hans Renner begann daraufhin, die einzelnen Matten zu Fäden zu zerschneiden und zu bündeln. Der Durchbruch!
Skisprungmatten aus Plaste machten Training möglich
Die Bündel montierte man auf dem Hang überlappend an einem Netz aus Draht. Das Ergebnis: Der perfekte Ersatz für Schnee war geschaffen. Denn: Werden die Matten mit Wasser befeuchtet, lagert sich dieses in den Zwischenräumen zwischen den einzelnen Kunststofffäden ein. Die Kombination aus Wasser und Fäden sorgt für die perfekten Gleiteigenschaften, außerdem geben die Bündel etwas nach.

Erste Versuche mit den Matten, die damals in Friedrichroda in der DDR produziert wurden, wurden in Zella-Mehlis durchgeführt. In der Stadt feiert man die Erfindung noch heute: Zum 70-Jahre-Jubiläum der ersten Mattentests gab es am Regenberg, wo die Erfindung erstmals ausprobiert wurde, sogar eine Jubiläumsfeier.
Dank DDR war Skispringen auch ohne Schnee möglich
Die Skisprungmatten traten schnell ihren Siegeszug um die Welt an. Dank Export in den Westen konnte die DDR sogar noch ordentlich Devisen scheffeln. Denn immerhin: Durch die geniale Erfindung aus der DDR war das Training fortan auch ohne Schnee möglich, ein riesiger Fortschritt für Sportler und Fans. Auch das ZDF widmete Hans Renner und seiner besonderen Idee deshalb vor nicht allzu langer Zeit einen Teil der Doku-Reihe „DDR genial“, in der wichtige Erfindungen aus der Zeit vorgestellt wurden.
„Das war Erfindungsgeist, der die DDR ausgezeichnet hat“, lobt DDR-Skisprung-Star Jens Weißflog in der Dokumentation. „Nicht nur Provisorien zu schaffen, sondern dann was Richtiges.“ Er selbst sprang im Jahr 1984 in Sarajevo zum olympischen Gold.
Überhaupt: Neben Skispringern auf der ganzen Welt, die durch die Erfindung aus der DDR seit Jahrzehnten auch ohne Schnee trainieren könnten, hatte die Idee von Hans Renner natürlich vor allem Folgen für den DDR-Sport. Denn die Skispringer aus dem Osten schafften es dank besserer Trainingsbedingungen bis an die Weltspitze.




