Die Wintersport-Saison steht in den Startlöchern. Die Freude ist riesig, doch sie wird getrübt. Imago/GEPA Images

Endlich ist es so weit! Draußen ist es noch recht herbstlich, doch im Fernseher flimmern schon die schönsten Winterlandschaften, denn die Wintersport-Saison geht bereits wieder los. Bei zahlreichen Menschen steigt in dieser Zeit der Fernsehkonsum um ein Vielfaches an. So auch bei mir. Doch die Freude ist nicht ungetrübt.

Wintersport ohne Winter verhagelt mir die Laune

Denn es sind eben nicht mehr nur die wirklich weißen Winterlandschaften, die da im Fernsehen zu sehen sind und von Spitzensportlerinnen und Sportlern wie Mikaela Shiffrin, Dorothea Wierer oder Johannes Kläbo beackert werden. Immer wieder sind es einfach nur weiße Kunstschnee-Streifen, die da inmitten grüner Landschaft liegen.

Biathlon-Athletin Denise Herrmann am Schießstand in Oberhof. Die Strecke ist beschneit, alles drumherum ist grün. Imago/Beautiful Sports

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Mal ist es mit Ansage, so wie beim Langlauf-Weltcup in Dresden entlang der Elbe, mal ist es selbst für die Veranstalter ein Schock, so wie im Jahr 2020 als im thüringischen Oberhof nicht einmal die eigenen Schneekanonen ausreichten, um die Strecke ausreichend zu beschneien. Schnee von der Biathlon-Team-Challenge auf Schalke musste mit Lastwagen einmal halb durch Deutschland gefahren werden. Von der Ökobilanz her eine Vollkatastophe.

Ich liebe jede Wintersportart

Und genau da sind wir beim Thema. Ich liebe Wintersport. Ich könnte den ganzen Tag vorm Fernseher sitzen, wenn die verschiedensten Sportarten am Wochenende laufen. Ich werde zucken, wenn Richard Freitag und Kamil Stoch vom Schanzentisch abspringen. Ich werde die Luft anhalten, wenn Franziska Preuß und Lisa Vittozzi nach null Fehlern im liegenden Anschlag nun stehend ran muss, ich werde die Augen zusammenkneifen, wenn Petra Vlhova und Henrik Kristoffersen sich durch die Slalomstangen zwängen und ich werde so tun, als würde ich Unterschiede in der Performance erkennen, wenn Felix Loch und Natalie Geisenberger sich den Eiskanal herunterstürzen. Wenn ich drum herum allerdings zu viel grün sehe, gleich mit deutlich weniger Freude.

Denn, dass das Beschneien von Hängen und Langlaufstrecken ein echter Energiefresser ist, ist längst bekannt. Pro Hektar Kunstschnee braucht es 4,7 Millionen Liter Wasser. Zudem kostet die Herstellung rund 20 kWh Strom. Nur falls diese Zahlen etwas abstrakt sind: Menschen in Deutschland verbrauchen im Schnitt im Jahr 45.000 Liter Wasser und 1300 kWh Strom.

Wenn ich beim Wintersport grün sehe, sehe ich rot

Egal wie spannend ein Wettkampf ist, wenn ich sehe, wie sich Markus Eisenbichler in ein grünes Tal stürzt, geht meine Laune in den Keller. Und das aus gutem Grund. Denn in vielen Fällen ist es überhaupt nicht nötig, die Wettkämpfe an Orten auszutragen, an denen es zum Wettkampf-Zeitpunkt keinen Schnee gibt. Denn – und auch das zeigt die Wintersportsaison jedes Jahr – es gibt die Orte, an denen genug Schnee liegt, um einen Biathlon-Weltcup abzuhalten.

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Der Langlauf in Dresden setzt dem Wintersport ohne Winter die Krone auf: Am Elbufer wird eine Schneebahn ausgelegt. Imago/Mario Aurich

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Was spricht beispielsweise im Biathlon dagegen, falls das österreichische Hochfilzen vom 6. bis 12. November zu wenig Schnee haben sollte, im schwedischen Östersund zu bleiben und dabei auch noch einiges an Fahrtkosten zu sparen?

Wintersport ohne Winter liegt wohl an wirtschaftlichen Interessen

Wahrscheinlich sind es mal wieder wirtschaftliche Interessen. Die Ausrichter wollen Geld verdienen. Zur Not gegen die Natur. Wer könnte eingreifen? Sicher die Verbände. Die könnten Klauseln in die Verträge einbauen, ein Naturschnee-Minimum verlangen und in letzter Konsequenz bestimmte Austragungsorte aus dem Kalender werfen. Ein Anfang wäre der Langlauf in Dresden, der stets nur auf einer aufgeschütteten Bahn an der Elbe stattfindet.

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Und ich? Ich werde auch in diesem Winter wohl alles an Wintersport gucken, was meine Freizeit zulässt und dabei hoffen, so wenig grün wie möglich zu sehen.

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens.
Anregungen an wirvonhier@berlinerverlag.com.