Auf diesen Moment mussten Fans des DDR-Kultcomics Mosaik lange warten. Auf die Ausgabe „Das Konzert unter Wasser“ mit den Comic-Helden Digedags. Ein Heft, das vor 62 Jahren in der DDR nicht erscheinen durfte. Nun liegt es fix und fertig in der Druckerei PIEREG in Berlin-Marienfelde. „Wir liefern die Hefte jetzt aus“, sagt Chef Sven Regen (51). Und er hat etwas, das wohl jeder Mosaik-Fan gerne hätte: das Heft Nummer 1 des frischgedruckten letzten Abenteuers der Digedags.
Dieses Heft ist der Anfang, der jetzt wirklich das Ende der Comic-Ära der Digedags (1955 bis 1975) besiegelt. Das Heft Nummer 1, das regulär aus der Druckmaschine gefaltet, geschnitten und geheftet kam, thront in der Werkhalle über weiteren Hunderten von gestapelten Exemplaren.

Diese Ausgabe sollte eigentlich im Juni 1964 als Mosaik-Nummer 91 in den Kiosken der DDR liegen, damals die sogenannte „Erfinder-Serie“ beenden. Ein Streit zwischen dem Mosaik-Gründer Hannes Hegen (1925–2014) und dem DDR-Verlag Junge Welt verhinderte das Erscheinen dieser Ausgabe und die des Vorgänger-Heftes „Das Duell an der Newa“.
DDR-Comic: Mehr Geheimnisse ums letzte Digedags-Heft
Dem Mosaik-Sammler Henning Krowiasch und einem weiteren Fan ist es zu verdanken, dass diese letzten Digedags-Abenteuer nun doch in der Druckerei von Sven Regen gedruckt wurden. Sie hatten das Manuskript zu den Heften aus Hegens Nachlass erworben. Die Mosaik-Zeichner Ulf S. Graupner und Steffen Jähde machten daraus die Bildgeschichte.

Wer denkt, jetzt sind alle Geheimnisse gelüftet, der irrt. Denn nun verrät auch der Druckerei-Chef, warum es für ihn eine besondere Ehre war, diese Hefte zu drucken. „Auch ich bin Mosaik-Fan“, sagt Sven Regen. „Allerdings bin ich mit den Abrafaxen aufgewachsen. Wie so mancher in der DDR pflegte auch ich als Kind einen guten Kontakt zu einer Zeitungsverkäuferin, von der ich am Kiosk die heiß begehrten Mosaik-Hefte bekam.“ Heute druckt PIEREG-Chef Regen in Marienfelde auch Mosaik-Sonderausgaben mit Abenteuern der Digedags-Nachfolger.
In ehemaliger Supermarkt-Druckerei entstand das Digedags-Heft
Regen und die Druckerei, die sich in einem Gewerbegebiet im einstigen West-Berlin befindet: Das ist im Ergebnis eine erfolgreiche deutsch-deutsche Geschichte, die man in Berlin leider viel zu wenig zu hören bekommt. Sie fängt 1991 an, als Regen mit 17 Jahren eine Ausbildung bei der Lebensmittelkette Reichelt beginnt. Diplom-Betriebswirt wird er, fängt 2002 als Vize-Chef in der Druckerei von Reichelt in Marienfelde an. Prospekte, Preisschilder und Plakate für die eigenen Supermärkte wurden dort produziert.

Dort ist seit 1977 Erhard Pietsch (starb 2018) Werbeleiter und Chef der Supermarkt-Druckerei. Er und Regen retten das Werk, als Reichelt vom Branchenriesen Edeka übernommen wird. Der eine aus dem Westen, der andere aus dem Osten – die Männer erwerben die Druckerei, übernehmen alle 27 Mitarbeiter. Aus den Nachnamen Pietsch und Regen entsteht 2002 der neue Druckereiname – PIEREG.
Heute sind es 55 Mitarbeiter, die nicht nur Mosaik-Hefte produzieren. Sie arbeiten für die Sparkasse. Die Speisekarten in den ICE kommen aus Marienfelde. Stadtpläne, Programmvorschauen für Berlins Opernhäuser, ein Bildband für den DDR-Pfefferminzlikör „Berliner Luft“, dicke Firmenkataloge, Ratgeber, Fachbücher der Bundesregierung – Zoo und Tierpark lassen bei PIEREG ihre Geschäftsberichte drucken.
Auch die Uni Harvard lässt beim Mosaik-Fan drucken
Die Liste der Kunden ist lang. Zu ihnen gehörte auch der 2024 verstorbene Meister-Fotograf Hansgert Lambers. Sein in Marienfelde gedruckter Bildband „Verweilter Augenblick“ wurde mit dem Deutschen Fotobuchpreis 2023 in Silber ausgezeichnet.

Wie gut die Berliner Druckerei ist, spricht sich auch im Ausland herum. Die renommierte US-Uni Harvard ließ bei PIEREG dicke Image-Bücher drucken. „Wir haben es geschafft, wir haben am Markt überlegt“, sagt Regen.
Für ihn steht fest: Trotz Internet wird gedrucktes Papier immer eine Zukunft haben. Beide können sogar nebeneinander existieren. „Wir drucken für Google Gutscheine, machen Infomaterial für Youtube.“
Und wer jetzt auf die Grüne Woche geht, bekommt auch Kontakt mit den Druckern aus Marienfelde. Denn der Flyer zur Messe stammt auch aus ihren Druckmaschinen.

Übrigens: Jetzt kann jeder das geheime Mosaik-Heft „Das Konzert unter Wasser“ bestellen. Der „Steinchen für Steinchen“-Verlag (hier erscheinen die Mosaik-Hefte mit den Abrafaxen) stellt für das Digedags-Heft einen „Verkaufsshop“ im Internet zur Verfügung. Unter digedags.mosaik.eu kann das Heft (kostet 15 Euro) bestellt werden.






