Pierre Sanoussi-Bliss

„Meine Probleme als schwarzer Schauspieler gingen erst nach der Wende los“

Pierre Sanoussi-Bliss kritisiert den Blick des Westens auf Ostdeutsche. Der Schauspieler spricht offen über Vorurteile und seine Erfahrungen nach 1989.

Author - Stefan Henseke
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Beides sind DDR-Gewächse: Schauspieler Pierre Sanoussi-Bliss und der Trabant in der Berliner Miniaturwelt „Little Big City“.
Beides sind DDR-Gewächse: Schauspieler Pierre Sanoussi-Bliss und der Trabant in der Berliner Miniaturwelt „Little Big City“.Breuel-Bild/imago

Mit der Rolle des Axel Richter in der ZDF-Krimiserie „Der Alte“ wurde Pierre Sanoussi-Bliss zum gesamtdeutschen Fernsehstar. Schon in der DDR spielte er erfolgreich Theater, war im DEFA-Film „Coming Out“ zu sehen, im vergangenen Jahr ging er für RTL in den Dschungel. Der 63-Jährige ärgert sich heute darüber, wie viele im Westen auf ihn und andere aus dem Osten schauen, abfällig reden.

Pierre Sanoussi-Bliss: „Es ging mir in der DDR gut“

„Es nervt einfach, dass wir immer über einen Kamm geschoren werden, mit den immer gleichen Reizworten“, sagt er jetzt in einem Interview mit der Berliner Zeitung. Ständig ginge es nur über die AfD, wenn über den Osten gesprochen wird. „Dabei sind ihre größten Wortführer Westimporte – und auch im Westen wird die AfD immer stärker“, sagt der Schauspieler. Doch das würde in den Debatten geflissentlich ignoriert.

Den gebürtigen Berliner Sanoussi-Bliss ärgert der überhebliche Schmalspurblick, mit dem auf das Leben in der DDR geschaut wird. „Ich war nicht in der Partei, nicht in der Stasi und hatte dennoch nichts auszustehen“, sagt er. Von Gastspielen im Westen sei er immer wieder zurückgekehrt. Das hätte er doch nicht getan, wenn sein Leben in der DDR so schlimm gewesen wäre.

„Es ging mir gut, ich hab an einem der besten Theater des Landes gearbeitet, hatte eine schöne Einraumwohnung im Plattenbau“, sagt der 63-Jährige in dem Interview. „Nach der Wende hab ich mich eher über den Westen gewundert. Die Freiheit in allen Ehren, aber mir kam er mit seinen Paragrafen ganz schön rückständig und piefig vor.“

Die Probleme kamen erst nach der Wende

Schwarz, schwul, erfolgreich. Schublade auf, Schublade zu. Pierre Sanoussi-Bliss sagt, dass seine Hautfarbe erst nach 1989 zum „Problem“ wurde. „Ja, und das gehört auch zur Wahrheit: Meine Probleme als schwarzer Schauspieler gingen erst nach der Wende los“, erklärt der Schauspieler in der Berliner Zeitung. „Bei der Defa war ich der Prinz und der Zauberer, ich hatte alle möglichen Rollen, ohne dass diese schwarz notiert gewesen wären. Nach der Wende war ich plötzlich eine Hautfarbe – und bin es bis heute.“

In der DDR hätte es Tausende Schwarze gegeben. Doch das komme in Filmen nicht vor und rücke damit auch nicht ins gesamtdeutsche Bewusstsein. Weder in „Weißensee“ noch in „Sonnenallee“ spiele ein schwarzer Schauspieler mit.

Pierre Sanoussi-Bliss war 2025 ein Kandidat in der RTL-Realityshow „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“.
Pierre Sanoussi-Bliss war 2025 ein Kandidat in der RTL-Realityshow „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“.RTL/dpa

Sanoussi-Bliss sagt, dass er Regisseur Leander Haußmann persönlich kenne, sie hätten zuammen studiert – doch er komme in seinem Kopf nicht vor. „Ich hab ihn mal gefragt, warum er mich nicht für seinen Film ‚NVA‘ besetzt hat. Schließlich war ich auch in der Armee, allein in meiner Kompanie waren drei Schwarze“, sagt der Schauspieler im Interview mit der Berliner Zeitung.

Haußmann hätte ihn angeguckt, als ob er sich nicht im Traum hätte vorstellen können, dass er als Schwarzer in der NVA war. „Das ist etwas, was mich persönlich ärgert: dass wir weder im Blick auf den Osten vorkommen, noch im jetzigen Blick auf das Land.“

Wie sind ihre Erfahrungen in der DDR und nach der Wende? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com