Zwei Modekollektion pro Jahr, hinzu kommen zahlreiche weitere Projekte wie die Modekollektion für die BVG, national und international, sowie seine Tätigkeit als Coach und Gastjuror bei „Germany’s Next Topmodel“ und „Beauty & The Nerd“ – Kilian Kerner ist unermüdlich, Perfektionist und besessen von seiner Arbeit. Das sagt er selbst von sich, und das merkt man auch, wenn man ihn einmal getroffen hat.
Kilian Kerner: Mit Schmerzen durch die Fashion Week
Ein Interview mit dem Berliner Designer ist von vorne bis hinten durchgeplant, Kilian überlässt fast nichts dem Zufall. Doch genau dieser enorme Anspruch an sich selbst und sein Umfeld, das jeden Termin perfekt plant, wurde dem 46-Jährigen jetzt zum Verhängnis. Seine neue Fashionshow auf der Berliner Fashion Week konnte Kilian Kerner nur unter extremen Schmerzen organisieren.
„Ich habe einen Riss in der Bandscheibe. Das wurde vor neun Wochen festgestellt. Seit zwei Wochen ist es schlimmer geworden. So dass ich zum Teil nicht mehr laufen konnte. Ich habe solche Schmerzen, dass ich gestern mein Hotelzimmer zusammengeschrien habe. Daraufhin wurde mein Rücken betäubt. Aber nichts hat so richtig geholfen. Die Fittings habe ich zum Teil im Liegen gemacht. Sowas wünsche ich nicht mal meinem ärgsten Feind“, erzählt Kilian dem Berliner KURIER.
Auf Instagram hielt er seine Fans über seinen Gesundheitszustand auf dem Laufenden. Noch am Tag der Show wurde er von Ärzten betreut, bekam die maximale Dosis an Schmerzmitteln, um den Tag überhaupt zu überstehen. „Ich hatte Zweifel, ob ich das heute schaffe.“
Kilian Kerner zieht nach Warnschuss die Notbremse
Es ist nicht das erste Mal, dass Kilians Körper schreit und ihm etwas sagen will, was der Designer lange nicht hören wollte: Stopp!
„Ich werde in zwei Wochen 47 Jahre alt und merke, das geht alles nicht mehr so einfach. Letztes Jahr gab es von August bis Dezember eine Phase, die vom Arbeitspensum her unnormal war. Ich hatte sechs Projekte gleichzeitig, darunter ein Projekt, das sehr viel gefordert hat. Ich weiß noch, ich war zu der Zeit in München, wir haben die Premiere von GNTM gedreht und in der Nacht war die Abgabe für das Projekt“, erinnert sich Kilian.

„Als ich im Flugzeug saß, bekam ich auf einmal unfassbare Schmerzen. Es fühlte sich so an, als sei der Schmerz im Herzen. Ich kriegte Panik. Ich hatte Angst, einen Herzinfarkt zu bekommen. Was ich nicht wusste, ist, dass ich in der Schulter total verspannt war. Dieser Schmerz ist ins Herz gezogen. Deswegen dachte ich, ich bekomme einen Herzinfarkt. Das war zum Glück nicht der Fall. Ich war einfach extrem verspannt.“
Der Krankenwagen musste kommen. Für Kilian bedeutete das eine Zwangspause, ob er wollte oder nicht. „Ich höre jetzt auf meinen Körper. Ich bin jemand, der nicht gerne zum Arzt geht. So etwas wie Physiotherapie habe ich früher nie wirklich ernst genommen. Aber ich weiß, dass das ein großer Warnschuss war“, sagt Kilian.
„Ich kann einfach schlecht Nein zu mir sagen, zu meinem eigenen Anspruch. Zu anderen Menschen kann ich gut Nein sagen, zu mir selber nicht. Ich bin einfach besessen von meiner Arbeit. Es gibt nicht vieles in meinem Leben, das mir so wichtig ist wie meine Arbeit. Es ist meine Leidenschaft, meine Liebe.“
Kilian Kerner: Große Gefühle auf dem Laufsteg
Diese Liebe zeigt Kilian Kerner vor allem auf dem Laufsteg. Ob das alte Hollywood, die Auseinandersetzung mit dem Tod, ein Statement gegen Hassrede oder die verschwundenen Kinder der DDR – Kilian Kerners Fashionshows sind nicht bloß eine Präsentation von Mode, sie sind eine Performance.

Auch für die Show im Rahmen der Fashion Week in Berlin Ende Januar hat sich der Designer etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Sie trägt den Titel „Gangstaaa“ und wird erstmals in zwei Teile aufgeteilt, ähnlich wie ein Film. Episode eins spielt in Berlin, Episode zwei im März auf der Fashion Week in Paris, wo Kilian Kerner erstmals vertreten sein wird. Die Aufregung ist groß, erzählt er. „Ich hatte deswegen schlaflose Nächte.“
Glamour mit Haltung: Die Idee hinter „Gangstaaa“
Kilians glamouröse Designs haben immer einen Hauch Dramatik, seine Vergangenheit als Schauspieler sieht man ihnen stets an. „Für mich ist ‚Gangstaaa‘ nicht eine Glorifizierung von Kriminalität. Der Titel steht für Menschen, die für sich einstehen, die ihr Leben so gestalten, wie sie wollen, die vom Außenseitertum in die Mitte kommen und strahlen. Es ist eine sehr selbstbewusste und laute Kollektion.“

Als Inspiration diente Kilian Kerner eine fiktive Geschichte. „Eine Mitte 50-jährige Milliardärin – das Geld kommt von ihrem Mafiosi-Mann – wohnt in einer riesigen Villa. Jeden Morgen wacht sie nackt auf, zieht sich ihr Negligé an, schmeißt sich ihren Pelz über, nimmt sich ihren Champagner und stolziert die 200 Meter lange Treppe hinunter. Dort trifft sie auf ihren Mann und ihre Kinder, die sie alle nicht mag. Eigentlich mag sie nur sich, das Geld und den Champagner.“




