Er spricht über den Tod wie andere über das Wetter. Rainer Langhans (85) bleibt selbst heute noch ein Phänomen. Der Autor, der vor allem als Mitglied der legendären Kommune I und der Beziehung mit Uschi Obermaier in den späten 1960er‑Jahren bekannt wurde, gilt als eine der prägendsten Figuren der 68er‑Bewegung. Trotz Prostatakrebs wirkt er zufrieden wie selten zuvor.
Rainer Langhans beschäftigt sich täglich mit dem Tod
Als die Hippie-Ikone bei der Dschungel-Party von Julian F. M. Stoeckel erscheint, sind alle überrascht. Normalerweise trifft man Rainer Langhans sehr selten auf Events, erst recht auf solch schillernden wie diesem. „Für mich ist das sehr ungewohnt, ich mache sowas sehr selten. Es ist hier insofern besonders interessant für mich, weil hier das scheinbar blühende Leben ist. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass das hier wirklich das blühende Leben ist. Sterblich sind wir nun mal alle“, sagt er dem Berliner KURIER.
15 Jahre liegt Rainer Langhans’ Dschungelcamp-Teilnahme nun zurück. Viel sagen kann und will er zu dem Thema gar nicht mehr, so unbedeutend ist Reality-TV und Unterhaltung für ihn geworden.

Im letzten Jahr erschütterte die Nachricht, dass Rainer Langhans an Prostatakrebs erkrankt ist und ihm die Ärzte nur noch eine kurze Lebzeit prognostizieren. „Der (Krebs) bekommt mir ganz gut“, sagt er mit einem kleinen Lächeln.

Langhans lehnte eine Operation und eine Chemotherapie immer ab, stattdessen bereite er sich akribisch auf den Tod vor. „Ich beschäftige mich jeden Tag damit und übe jeden Tag. Die Leute sind immer erschreckt und sagen: ‚Oh, der lebt nicht mehr lange.‘ Ich würde sagen, es ist umgekehrt: Um so mehr du das übst, um so länger lebst du. Wenn du es nicht übst, wirst du bald sterben müssen – vor allem, wenn du so eine Diagnose hast wie ich: Prostatakrebs.“
So gehen seine Frauen mit Langhans’ baldigem Tod um
Doch wie bitte übt man das Sterben? „Das heißt, dass du immer wieder zu sterben versuchst, bevor du wirklich das letzte Mal ran musst“, erklärt der 85-Jährige. „Indem du versuchst, bevor es so weit ist, aus dem Körper herauszugehen, sich über ihn zu erheben.“
Rainer Langhans weiß nicht, wie lange er noch hat, ist aber zuversichtlich. „Ich habe noch nicht den Eindruck, dass es schon bald der Fall sein wird. Jetzt gerade ist erstmal noch eine Weile gut.“




