Fußball

Warum viele DDR-Ostvereine gerade 60 Jahre alt werden

In den vergangenen Wochen sind viele Fußballvereine aus dem Osten 60 Jahre alt geworden. Das hat einen besonderen Grund.

Author - Sebastian Krause
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Der 1. FC Magdeburg gewinnt 1974 als einziger DDR-Verein einen Europapokal im Fußball. Er setzt sich im Finale des Europapokals der Pokalsieger in Rotterdam mit 2:0 gegen den AC Mailand durch.
Der 1. FC Magdeburg gewinnt 1974 als einziger DDR-Verein einen Europapokal im Fußball. Er setzt sich im Finale des Europapokals der Pokalsieger in Rotterdam mit 2:0 gegen den AC Mailand durch.via www.imago-images.de

Was haben der BFC Dynamo, Union Berlin und Lok Leipzig gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Doch das täuscht. Die drei Traditionsvereine aus der ehemaligen DDR haben in den vergangenen Wochen alle ihr 60-jähriges Bestehen gefeiert.

Zufall? Nein. Ihre Gründung geht auf einen Beschluss der DDR-Sportführung zurück, der große Auswirkungen auf den Fußball im Osten hatte.

Fußball-Abteilungen werden in eigene Vereine ausgegliedert

Der Fußball von damals war noch hauptsächlich als Abteilung innerhalb eines Sportvereins organisiert. Bis in die 1960er-Jahre war die Leitung des Fußballs ein organisatorisches Durcheinander. So gab es neben der Sektion Fußball des Deutschen Sportausschusses noch die Leitungen der Sportvereinigungen sowie das Staatliche Komitee für Körperkultur und Sport. Alle einte: Sie waren weisungsbefugt und ihre Kompetenzen waren nicht klar voneinander getrennt.

DDR-Oberliga-Spiel am 8.3.1975 zwischen der SG Dynamo Dresden und Wismut Aue
DDR-Oberliga-Spiel am 8.3.1975 zwischen der SG Dynamo Dresden und Wismut AueRobert Michael/imago

Das änderte sich im Winter 1965/66. Da beschloss die DDR-Führung, zehn Fußball-Abteilungen auszugliedern und reine Fußballklubs zu gründen. Das waren 1. FC Magdeburg, Hansa Rostock, Chemnitzer FC, BFC Dynamo, Union Berlin, Carl Zeiss Jena, Lok Leipzig, Hallescher FC, Rot-Weiß Erfurt und Vorwärts Berlin. Ziel war es, das sportliche Niveau zu verbessern.

Die BSG dominiert den Sport in der DDR

Dadurch haben alle großen Ostvereine zwischen dem 28. Dezember und dem 31. Januar ihr 60-jähriges Bestehen gefeiert – auch wenn die Historie einzelner Vereine viel weiter zurückreicht.

Auch der 1. FC Union Berlin gehört zu den Ostmannschaften, die in den vergangenen Wochen ihren 60 Geburtstag feierten.
Auch der 1. FC Union Berlin gehört zu den Ostmannschaften, die in den vergangenen Wochen ihren 60 Geburtstag feierten.Matthias Koch/imago

Fußballgeschichte der Vereine reicht weiter zurück

Beispiel Union Berlin: Der 1. FC Union ist zwar am 20. Januar 1966 gegründet worden, aber die Ursprünge des Vereinsfußballs reichen bis 1906 zum SC Union Oberschöneweide zurück. Mittlerweile ist Union mit 71.000 Mitgliedern der größte Berliner Verein.

Beispiel Energie Cottbus: Auch dort startete der Fußball in den üblichen Sektionen. 1963 wurde die 1. Mannschaft des SC Aktivist Brieske-Senftenberg zum SC Cottbus geschickt – darunter Spieler wie Klaus Stabach, der bei der am 31. Januar 1966 gegründeten BSG Energie die Mitgliedsnummer 1 erhielt.

1. FC Magdeburg gewinnt als einziger Ostverein einen Europapokal

Die Umstellung des Fußballs im DDR-System zahlte sich aus. Höhepunkt war das Jahr 1974, als der 1. FC Magdeburg als erster und einziger Verein aus der DDR einen Europapokal gewann. Am 8. Mai setzte sich das Team von der Elbe im Finale des Europapokals der Pokalsieger in Rotterdam mit 2:0 gegen den AC Mailand durch. Ein Triumph für das DDR-System.

Im Zuge der Wiedervereinigung löste sich der Deutsche Fußball-Verband (DFV) Ende November 1990 auf – und damit nahmen auch die Erfolge der DDR-Mannschaften ab. Das letzte Spiel der DDR-Nationalmannschaft endete am 12. September 1990 in Brüssel mit einem 2:0-Sieg gegen Belgien.

Beim Spiel von Dynamo Dresden gegen Bayern München hatten Stars wie Matthias Sammer den Verein bereits verlassen.
Beim Spiel von Dynamo Dresden gegen Bayern München hatten Stars wie Matthias Sammer den Verein bereits verlassen.WEREK/imago

Dynamo Dresden feiert letzten Erfolg für DDR-Mannschaften

Ein letztes Ausrufezeichen der DDR-Mannschaften gab es aber noch. Eine Woche nach dem Ende des DFV spielte der amtierende DDR-Meister Dynamo Dresden im Rudolf-Harbig-Stadion gegen den Deutschen Meister Bayern München um den Deutschland-Cup. Ergebnis: 1:0 für Dynamo.

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