WBM zurückgepfiffen

Kampf um DDR-Spaßbad: Bezirk stoppt Abriss des SEZ!

Seit dieser Woche werden an der Fassade des DDR-Spaßbads Tatsachen geschaffen. Der Bezirk geht dazwischen und fordert ein Abrissmoratorium.

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Die Initiative für den Erhalt des Sport- und Erhloungszentrums Berlin kämpft mit Unterstützern aus der Politik und der Nachbarschaft gegen den Abriss des Gebäudes aus DDR-Zeiten. Sie haben bereits 22.790 Unterschriften für den Erhalt des SEZ gesammelt.
Die Initiative für den Erhalt des Sport- und Erhloungszentrums Berlin kämpft mit Unterstützern aus der Politik und der Nachbarschaft gegen den Abriss des Gebäudes aus DDR-Zeiten. Sie haben bereits 22.790 Unterschriften für den Erhalt des SEZ gesammelt.Markus Wächter/Berliner Zeitung

An der Fassade des SEZ klaffen die Löcher. Unübersehbar hat ein Bagger hier sein Werk begonnen, Senat und Wohnungsbaugesellschaft WBM drücken an der Landsberger Allee auf die Tube. Das ehemalige DDR-Sport- und Spaßbad SEZ soll abgerissen werden, damit Wohnungen auf dem Gelände entstehen können.

Die WBM bestätigt offiziell erste Maßnahmen, Sprecher Matthias Borowski zum KURIER: „An unserem Bauvorhaben an der Landsberger Allee / Danziger Straße finden vorbereitende Arbeiten im Außenbereich statt. Ziel ist es, die Außenanlagen für die zukünftige Baustelleneinrichtung vorzubereiten. Für diese Arbeiten ist keine Abrissgenehmigung erforderlich. Die aktuell laufenden Tätigkeiten dienen ausschließlich der Vorbereitung der weiteren baulichen Schritte. Wir handeln hier planmäßig und verantwortungsvoll“

Am Freitagabend die Kehrtwende. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg pfeift die WBM zurück und stoppte die Abrissarbeiten. In einer Pressemitteilung hieß es:

„Die bezirkliche Bauaufsicht erreichten am gestrigen Donnerstag Information über Abrissmaßnahmen auf dem ehemaligen SEZ-Gelände (Landsberger Allee 77). Eine entsprechende Abrissanzeige der WBM bzw. Abrissgenehmigung liegt der Bauaufsicht derzeit nicht vor. Nach einem Vor-Ort-Termin am heutigen Vormittag wurde gegenüber den Verantwortlichen der WBM ein Baustopp ausgesprochen.“

Davon ausgenommen sind lediglich Reparaturen, Bau- und Verkehrssicherungsmaßnahmen.

Und der Bezirksstadtrat für Bauen, Florian Schmidt, erklärte: „Ich habe mich grundsätzlich für den Erhalt des SEZ eingesetzt [...]. Es ist bedauerlich, dass die WBM im Auftrag des Senats nun Maßnahmen ergreift, die anscheinend der Auftakt zum Abriss sind. Ich appelliere an Senat und Berliner Abgeordnetenhaus eine Abrissmoratorium auszusprechen. Die Frage, ob dass SEZ eine Zukunft hat oder nicht, sollte von der zukünftigen Landesregierung geklärt werden.“

Diese Bagger haben am Mittwoch teile des SEZ abgerissen, darunter das Außenbecken, das Restaurant „Kristall“ und die Eisbahn.
Diese Bagger haben am Mittwoch teile des SEZ abgerissen, darunter das Außenbecken, das Restaurant „Kristall“ und die Eisbahn.Markus Wächter/Berliner Zeitung

„Der Abriss des SEZ wäre ein echter Verlust“

Kämpfer für den Erhalt des DDR-Baus in Friedrichshain wollten die Abrissarbeiten ebenfalls so nicht hinnehmen. Für den Freitagnachmittag hatten sie ab 14 Uhr zu einer Mahnwache vor dem SEZ geladen. Gekommen waren rund 30 Leute, für die das SEZ mehr ist als nur eine marode Gebäudelandschaft.

Elke M. (51) hat als Kind im SEZ schwimmen und eislaufen gelernt. Bis 2022 traf sie sich hier regelmäßig mit Freunden zum Badminton spielen. „Ein Abriss wäre ein echter Verlust, wir wissen ja alle, wie es um die Sportstätten in Berlin bestellt ist. Man weiß nicht, wo man noch hin kann“, klagt die Pankowerin.

Elke M. kämpft gegen den Abriss des SEZ in Friedrichshain. Sie verbindet viele Kindheitserinnerungen mit dem DDR-Bau.
Elke M. kämpft gegen den Abriss des SEZ in Friedrichshain. Sie verbindet viele Kindheitserinnerungen mit dem DDR-Bau.Markus Wächter/Berliner Zeitung

Die Initiative für den Erhalt des SEZ wurde am Mittwoch von Anwohnern darauf aufmerksam gemacht, dass die WBM Fakten schafft und offenbar heimlich mit dem Abriss begonnen hat. Mitglieder der Initiative riefen daraufhin die Polizei, die den nicht genehmigten Arbeiten stoppte. Laut Susanne Lorenz von der Initiative rissen Bagger Teile des Außenbeckens und auch die Fassade des Restaurants „Kristall“ und das Dach der Eisbahn teilweise ab.

Initiative fordert ein Abrissmoratorium fürs SEZ

Bei dem überhasteten Abriss wurde laut Lorenz keine Rücksicht auf eventuell vorhandene Schadstoffe genommen, obwohl die Zwischennutzung genau aus diesen Gründen untersagt wurde: „Die künstlichen Mineralfasern flogen auf dem Gelände des SEZ umher und wurden ohne Rücksicht auf Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz per Hand eingesammelt“.  Die Initiative fordert ein Abrissmoratorium, Politik und Gesellschaft sollen sich zusammensetzen und gemeinsam über die Zukunft des Gebäudes entscheiden.

Susanne Lorenz kämpft mit der Initiative für den Erhalt des SEZ. „Es ist ein Skandal, was hier am Mittwoch passiert ist“, sagt sie zu den heimlichen Abrissarbeiten der WBM.
Susanne Lorenz kämpft mit der Initiative für den Erhalt des SEZ. „Es ist ein Skandal, was hier am Mittwoch passiert ist“, sagt sie zu den heimlichen Abrissarbeiten der WBM.Markus Wächter/Berliner Zeitung

Kein Abriss des SEZ vor den Wahlen 2026

Jetzt ist die letzte Chance, einen Abriss noch zu stoppen, sagt auch Stadtrat Florian Schmidt zum Kurier. Es sei wichtig, noch einmal über den Erhalt des SEZ nachzudenken. „Man sollte keine Fakten vor den Wahlen schaffen“, betonte Schmidt, der sich von den beschwichtigenden Aussagen der WBM nicht täuschen lässt. Man reiße ja noch kein Gebäude ab. „Die Maßnahmen, die am SEZ begonnen haben, zeigen, dass Senat und WBM mit ihrem Abrissplan Ernst machen wollen.“

Auf dem Gelände des SEZ sollen 550 neue, landeseigene Mietwohnungen entstehen, mit einem Anteil von 50 Prozent für einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen. Auch Schul- und Kitaflächen sowie eine öffentliche Grünfläche sind geplant.