Endlich hat mal Ostdeutschland die Nase vorn! Nach einer neuen Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ist Sachsen im Osten derzeit das attraktivste Bundesland für Unternehmen. Der Freistaat stößt damit Bayern vom Thron.
Schlusslichter in Westdeutschland
Besonders gut schneidet Sachsen laut den Ökonomen in den Bereichen Arbeit und Humankapital, Finanzierung sowie Infrastruktur ab. Bayern, noch Sieger der ersten Studie aus dem Jahr 2022, rutscht ab. Das ZEW sieht vor allem Defizite bei der Infrastruktur und mehreren Unterkategorien. Auftraggeber der Untersuchung ist die Stiftung Familienunternehmen mit Sitz in München.
Am unteren Ende der Rangliste des ZEW finden sich ausgerechnet drei westdeutsche Länder: Schleswig-Holstein, das Saarland und Rheinland-Pfalz bilden die Schlusslichter unter den dreizehn Flächenländern. Deutlich nach oben ging es dagegen für Niedersachsen, das sich vom zehnten auf den dritten Platz verbesserte. Die Stadtstaaten wurden gesondert bewertet – hier liegt Berlin vor Hamburg und Bremen.

Westdeutsche Bundesländer rutschen ab
Auffällig: Die alte Ost-West-Grenze spielt im Standortvergleich kaum noch eine Rolle. Im Standortranking sei die deutsche Teilung „nicht mehr erkennbar“, heißt es in der Studie. „Insgesamt fällt auf, dass die wohlhabenden westdeutschen Länder zwar weiterhin gut oder sehr gut positioniert sind, jedoch graduell an Punkten und Rangplätzen verlieren.“
Davon betroffen ist nicht nur Bayern. Baden-Württemberg rutschte von Platz drei auf fünf ab, Hessen fiel vom vierten auf den siebten Rang und damit ins Mittelfeld.
„Der neue Bundesländerindex liefert die erfreuliche Nachricht, dass gerade einige Länder im Osten die Weichen in Richtung Zukunft stellen“, sagte Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Die Stiftung arbeitet unabhängig und gehört nicht zum Verband Die Familienunternehmer in Berlin, von dem sich im Herbst zahlreiche Wirtschaftsvertreter distanzierten, nachdem dieser Gesprächsbereitschaft mit der rechtspopulistischen AfD signalisiert hatte.

Kinderbetreuung ist in Süddeutschland am schlechtesten
Ein Schwachpunkt im Süden zeigt sich ausgerechnet bei der Kinderbetreuung. In der Kategorie Arbeit und Humankapital bewerteten die Forscher unter anderem Schulen, Hochschulen und Kitas. Bayern und Baden-Württemberg landeten bei der Kinderbetreuung auf den Plätzen zwölf und dreizehn – ganz hinten.
Neben Arbeit, Finanzierung und Infrastruktur flossen auch die Bereiche Steuern und Institutionen in die Gesamtwertung ein. Beim Thema Steuern konnte Bayern noch den Spitzenplatz verteidigen. Bewertet wurden unter anderem Gewerbesteuerhebesätze, Immobilienbesteuerung und die Qualität der Finanzverwaltung. Unter der Kategorie Institutionen fasste das ZEW die Leistungsfähigkeit der Verwaltung sowie das Kulturangebot zusammen.



