Er war der „Kleene mit der großen Gusche“, hatte Millionen Fans im Osten – doch dann wagte Eberhard Cohrs einen Schritt, den er später bedauern sollte. Der berühmte Komiker aus Sachsen flüchtete aus der DDR in den Westen. Was bei anderen wie der Schauspielerin Angelika Mann der Karriere keinen Abbruch tat, sorgte bei Cohrs für einen Knick in der Laufbahn. Denn im Westen verstand niemand seinen Dialekt.
Eberhard Cohrs wurde in der DDR zum Fernsehstar
Im Januar wäre Eberhard Cohrs 105 Jahre alt geworden – der beliebte Komiker aus dem Osten ist aber schon lange nicht mehr da. Er starb bereits 1999 an Krebs, hat aber bis heute einen festen Platz in den Herzen vieler Menschen im Osten. Er trat zu Beginn seiner Laufbahn im Kabarett auf, fand über Heinz Quermann später auch den Weg ins Fernsehen der DDR, stand unter anderem an der Seite von Bobby Bölke und Horst Feuerstein auf der Bühne. Besonders beliebt: Sein sächsischer Humor – mit ihm eroberte er die Zuschauer im Sturm.
Doch im Jahr 1977 wagte er einen Schritt, den auch andere Stars des Ostens im Laufe ihrer Karriere gehen wollten: Als Eberhard Cohrs im Klubhaus der Eisenbahner in West-Berlin auftreten sollte, nutzte er die Gelegenheit, um aus der DDR abzuhauen. Der Grund: Ihm drohte ein Berufsverbot, weil er auch Witze machte, die der Obrigkeit in der DDR nicht passten. Es ging in seinen Sketchen auch um die Herrschaft der SED und um die Mangelwirtschaft in der DDR.

Cohrs kam in einem Hotel im Westen unter, seine Frau Dagmar reiste noch am Tag seiner Flucht zurück in die DDR. Über das Prinzip der Familienzusammenführung reiste sie ihrem Mann später nach. Es hätte der Auftakt für eine große Bühnenkarriere im goldenen Westen werden können, doch der Traum ging nicht in Erfüllung. Eberhard Cohrs trat zwar etwa in der TV-Show „Am laufenden Band“ mit Rudi Carrell auf. Aber: Die Show vor dem West-Publikum wurde zur Katastrophe.
Im Westen verstand das Publikum Eberhard Cohrs nicht
Während das Publikum in der DDR sich vor Lachen ausgeschüttet hatte, folgten im Westen nur mäßige Reaktionen. „Die Rudi-Carrell-Show war in Bremen. Und die haben dort keen Sächsisch verstanden“, sagte Eberhard Cohrs Jahre später in einem Interview. „Da hätt ich een Dolmetscher gebraucht.“ Er habe einen großen Fehler gemacht, räumte er ein. Denn seine Fernsehkarriere – sie war damit vorbei.

Eberhard Cohrs kam nach der Wende zurück in den Osten
Doch eine Tür hielt Cohrs sich offen: Er arbeitete als Autor für bekannte West-Komiker, schrieb für Carrell, aber auch für Diether Krebs und Harald Juhnke. „Ich war vom Fernsehen weg, und deswegen sagten die Leute, der ist weg, von dem hört man nischt mehr. Aber der Kleene hatte vollauf zu tun“, sagte Cohrs. Doch das eigentliche Wunder passierte nach der Wende: Eberhard Cohrs kam wieder zurück in den Osten, trat auf. Und das Publikum freute sich darüber.
Kein Wunder: Cohrs ging auf die Bühne und sagte: „Es tut mir leid, dass ich damals abgehauen bin, denn am nächsten Tag gab’s Tomaten.“ Da habe er das Publikum sofort wieder auf seiner Seite gehabt. Wunderschön sei das gewesen. Und es ebnete ihm den Weg zurück auf die Bühne und ins Fernsehen.

Eberhard Cohrs war in verschiedenen Shows des MDR zu sehen, verzauberte die Zuschauerinnen und Zuschauer wieder mit seinem besonderen Humor. Dafür ging er privat durch schwere Zeiten: Cohrs erkrankte an Darmkrebs und machte damit Schlagzeilen, dass er auf seine Frau geschossen hatte. Im August 1999 starb er an den Folgen seiner Erkrankung. Nach seinem Tod wurde außerdem bekannt, dass er Mitglied bei der Waffen-SS war. Doch seine Zuschauer erinnern sich an Cohrs vor allem als den „Kleenen mit der großen Gusche“.




