800 Kult-Werbefiguren

Diese verrückte DDR-Sammlung ist eine echter Schatz

Minol-Pirol, Tele-Lotto Otto und BZA-Benno: Die  Sammlung von Torsten Meisel aus Dresden beweist, dass es in der DDR sehr wohl Werbung gab.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Torsten Meisel hat in Dresden eine außergewöhnliche Sammlung von DDR Werbefiguren zusammengetragen.
Torsten Meisel hat in Dresden eine außergewöhnliche Sammlung von DDR Werbefiguren zusammengetragen.Tobias Koch

Torsten Meisels Ehefrau ist eine kluge Frau. Sie akzeptiert die Sammelleidenschaft ihres Mannes klaglos, sorgt aber stets streng dafür, dass ihr Torsten sich nur im Keller des Hauses austobt. Denn Torsten Meisel (60) hat in den letzten zwei Jahrzehnten über 800 DDR-Werbefiguren zusammengetragen.

Rare Stücke aus der DDR Werbung

Vom „Tele-Lotto Otto“ über den „Minol Pirol“ und das Messe-Maskottchen ist alles dabei. Auch extra rare Ware aus der DDR hat der Sammler aus Dresden in den Vitrinen zu stehen.

Eigentlich heißt es doch, in der DDR gab es gar keine Werbung? „Von wegen“, weiß Torsten Meisel. Zu jedem Anlass ließ die DDR Werbemittel-Figuren herstellen, druckte auf alles, was nicht weg konnte, einen flotten Spruch oder Namen. Heute reißen sich Sammler um die oft liebevoll gestalteten Figuren. Von denen, zugegeben, nicht alle in der Kategorie Niedlich gewinnen würden.

Echt hässlich? Werbung für DDR-Insektentod „Mux“

Torsten Meisels liebste Figur bezeichnet der  Sammler selbst als „echt hässlich“. Es ist eine weiße, alienartige Gestalt mit großen Augen. Der „Mux“ erinnert an ein Insekt und warb in DDR-Drogerien für das gleichnamige Insektenvertilgungsmittel „Mux“.

Mux warb für ein gleichnamiges Produkt des VEB Farbenfabrik Wolfen.
Mux warb für ein gleichnamiges Produkt des VEB Farbenfabrik Wolfen.DDR Werbefiguren Welt Torsten Meisel

„Diese Figuren wurden auch in der DDR nicht in Massenproduktion hergestellt. Sie sind heute sehr selten“, sagt Torsten Meisel. Ein gut erhaltener „Mux“ erziele vierstellige Erlöse. „Weil es so wenige gab, wurde er von Drogerie zu Drogerie weitergereicht.“ Wie eine Art Wanderpokal. Ab und zu findet sich noch ein „Mux“ auf einem Dachboden, Meisels letzter Fund stand seit den 1970er Jahren unangetastet in der Ecke. Ein Glücksgriff!

Riesiger Tele-Lotto Otto eine Seltenheit

Das seltenste Teil im Hobbykeller des Unternehmers ist wohl ein 100 Zentimeter großer Tele-Lotto Otto. „In kleiner Ausführung stand die Glücksbringerfigur zu Tausenden in den Wohnzimmern und auch in den Lottoannahmestellen der DDR. Doch der große Lotto Otto muss in einem Fernsehstudio gestanden haben“, glaubt Torsten Meisel.

Ein großer Tele Lotto Otto ist das außergewöhnlichste Stück in der Sammlung.
Ein großer Tele Lotto Otto ist das außergewöhnlichste Stück in der Sammlung.Tobias Koch

Ob  Fewa-Johanna, BZA-Benno, Blitzi, die laut Slogan „Chemie ins Haus“ brachte, oder  Schneidermeister Malimo mit dem Spruch „Der Meister spricht von Malimo, denn Malimo hat Weltniveau“ –  seine besten Stücke hat Torsten Meisel von einem Sammler aus dem Westen abgekauft.

Der hatte kurz nach der Wende die Zeichen der Zeit erkannt und alles gesammelt, was die Menschen in der DDR als wertlos empfanden und wegwarfen, um sich den neuen Konsumwelten des Westens zuzuwenden.

Benno warb für unsere Vorgängerzeitung, die Berliner Zeitung am Abend, die BZA. Die erste Ausgabe erschien am 15. Juli 1949 im Berliner Verlag.
Benno warb für unsere Vorgängerzeitung, die Berliner Zeitung am Abend, die BZA. Die erste Ausgabe erschien am 15. Juli 1949 im Berliner Verlag.DDR Werbefiguren Welt Torsten Meisel

„Sammler bewahren Geschichte”, sagt Torsten Meisel heute und gibt zu, dass sein Gebiet schon ein bisschen verrückt sei. Seine Frau lasse ihm aber „seinen Klaps“. Unter einer Bedingung, Minol-Pirole in sämtlichen Ausführungen, Messemännel in allen Größen, Interflug Stewardessen, Ede, der Lehrling aus dem Tierpark Friedrichsfelde und all die anderen Werbeträger müssen im Keller bleiben.

Die berühmteste Ölkanne der DDR: Der Minol-Pirol war das Maskottchen des VEB Kombinats Minol und zählte zu den beliebtesten Werbefiguren des DDR-Fernsehens.
Die berühmteste Ölkanne der DDR: Der Minol-Pirol war das Maskottchen des VEB Kombinats Minol und zählte zu den beliebtesten Werbefiguren des DDR-Fernsehens.DDR Werbefiguren Welt Torsten Meisel

Dort warten sie, gut geschützt auf interessierte Besucher. Wenn sich jemand meldet, zeigt Torsten Meisel seine Schätze gern. Erst zu Weihnachten wurde ein Ausflug in die faszinierende DDR-Warenwelt als Präsent organisiert. Generationenübergreifend hatten die Besucher Freude an der Schau. „Mich hat besonders gefreut, dass auch die jungen Leute interessierte Nachfragen gestellt haben“, sagt Torsten Meisel. Bei den Älteren hört er oft, „Ach das hatten wir auch.“ Oder: „Das kene ich noch.“

Torsten Meisel zeigt seine Sammlung Interessierten gern und hat zu jedem Stück eine Geschichte zu erzählen.
Torsten Meisel zeigt seine Sammlung Interessierten gern und hat zu jedem Stück eine Geschichte zu erzählen.Tobias Koch

Auf der Suche nach Kriminalkater Kurt

Einige Stücke fehlen dem Sammler aus Dresden aber noch. Etwa der Kriminalkater Kurt, den er in einem Berliner Museum zu Gesicht bekam. „Wenn es einen gibt, müssen da draußen noch mehr sein“, schlussfolgert Meisel und erklärt: „Die Figur hatte mit der Kripo in der DDR zu tun. Kriminalkater Kurt tauchte in Comics und Hörspielen auf.“  Wenn er den noch bekommen könnte, das wäre etwas.

Kriminalkater Kurt steht noch auf der Liste des Sammlers.
Kriminalkater Kurt steht noch auf der Liste des Sammlers.privat

Überhaupt ist das Sammelgebiet noch immer voller Überraschungen. Immer wieder tauchen Stücke auf, die Meisel noch nie zuvor gesehen hat. In der DDR war man erfinderisch und detailverliebt. Eine zweite Holzfigur der Johanna, die für FEWA Feinwaschmittel wirbt, hat Meisel beispielsweise nie wieder gefunden. Aber wer weiß, was noch so in Kellern und Kisten schlummert.

Die FEWA Johanna warb für ein Produkt des VEB Fettchemie Karl-Marx-Stadt.
Die FEWA Johanna warb für ein Produkt des VEB Fettchemie Karl-Marx-Stadt.DDR Werbefiguren Welt Torsten Meisel

Wer Interesse am Austausch mit dem Sammler hat, findet auf seiner umfassenden Webseite alle Informationen. Torsten Meisel freut sich, wenn Gleichgesinnte Kontakt mit ihm aufnehmen.

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