Torsten Meisels Ehefrau ist eine kluge Frau. Sie akzeptiert die Sammelleidenschaft ihres Mannes klaglos, sorgt aber stets streng dafür, dass ihr Torsten sich nur im Keller des Hauses austobt. Denn Torsten Meisel (60) hat in den letzten zwei Jahrzehnten über 800 DDR-Werbefiguren zusammengetragen.
Rare Stücke aus der DDR Werbung
Vom „Tele-Lotto Otto“ über den „Minol Pirol“ und das Messe-Maskottchen ist alles dabei. Auch extra rare Ware aus der DDR hat der Sammler aus Dresden in den Vitrinen zu stehen.
Eigentlich heißt es doch, in der DDR gab es gar keine Werbung? „Von wegen“, weiß Torsten Meisel. Zu jedem Anlass ließ die DDR Werbemittel-Figuren herstellen, druckte auf alles, was nicht weg konnte, einen flotten Spruch oder Namen. Heute reißen sich Sammler um die oft liebevoll gestalteten Figuren. Von denen, zugegeben, nicht alle in der Kategorie Niedlich gewinnen würden.
Echt hässlich? Werbung für DDR-Insektentod „Mux“
Torsten Meisels liebste Figur bezeichnet der Sammler selbst als „echt hässlich“. Es ist eine weiße, alienartige Gestalt mit großen Augen. Der „Mux“ erinnert an ein Insekt und warb in DDR-Drogerien für das gleichnamige Insektenvertilgungsmittel „Mux“.

„Diese Figuren wurden auch in der DDR nicht in Massenproduktion hergestellt. Sie sind heute sehr selten“, sagt Torsten Meisel. Ein gut erhaltener „Mux“ erziele vierstellige Erlöse. „Weil es so wenige gab, wurde er von Drogerie zu Drogerie weitergereicht.“ Wie eine Art Wanderpokal. Ab und zu findet sich noch ein „Mux“ auf einem Dachboden, Meisels letzter Fund stand seit den 1970er Jahren unangetastet in der Ecke. Ein Glücksgriff!
Riesiger Tele-Lotto Otto eine Seltenheit
Das seltenste Teil im Hobbykeller des Unternehmers ist wohl ein 100 Zentimeter großer Tele-Lotto Otto. „In kleiner Ausführung stand die Glücksbringerfigur zu Tausenden in den Wohnzimmern und auch in den Lottoannahmestellen der DDR. Doch der große Lotto Otto muss in einem Fernsehstudio gestanden haben“, glaubt Torsten Meisel.

Ob Fewa-Johanna, BZA-Benno, Blitzi, die laut Slogan „Chemie ins Haus“ brachte, oder Schneidermeister Malimo mit dem Spruch „Der Meister spricht von Malimo, denn Malimo hat Weltniveau“ – seine besten Stücke hat Torsten Meisel von einem Sammler aus dem Westen abgekauft.
Der hatte kurz nach der Wende die Zeichen der Zeit erkannt und alles gesammelt, was die Menschen in der DDR als wertlos empfanden und wegwarfen, um sich den neuen Konsumwelten des Westens zuzuwenden.

„Sammler bewahren Geschichte”, sagt Torsten Meisel heute und gibt zu, dass sein Gebiet schon ein bisschen verrückt sei. Seine Frau lasse ihm aber „seinen Klaps“. Unter einer Bedingung, Minol-Pirole in sämtlichen Ausführungen, Messemännel in allen Größen, Interflug Stewardessen, Ede, der Lehrling aus dem Tierpark Friedrichsfelde und all die anderen Werbeträger müssen im Keller bleiben.

Dort warten sie, gut geschützt auf interessierte Besucher. Wenn sich jemand meldet, zeigt Torsten Meisel seine Schätze gern. Erst zu Weihnachten wurde ein Ausflug in die faszinierende DDR-Warenwelt als Präsent organisiert. Generationenübergreifend hatten die Besucher Freude an der Schau. „Mich hat besonders gefreut, dass auch die jungen Leute interessierte Nachfragen gestellt haben“, sagt Torsten Meisel. Bei den Älteren hört er oft, „Ach das hatten wir auch.“ Oder: „Das kene ich noch.“

Auf der Suche nach Kriminalkater Kurt
Einige Stücke fehlen dem Sammler aus Dresden aber noch. Etwa der Kriminalkater Kurt, den er in einem Berliner Museum zu Gesicht bekam. „Wenn es einen gibt, müssen da draußen noch mehr sein“, schlussfolgert Meisel und erklärt: „Die Figur hatte mit der Kripo in der DDR zu tun. Kriminalkater Kurt tauchte in Comics und Hörspielen auf.“ Wenn er den noch bekommen könnte, das wäre etwas.

Überhaupt ist das Sammelgebiet noch immer voller Überraschungen. Immer wieder tauchen Stücke auf, die Meisel noch nie zuvor gesehen hat. In der DDR war man erfinderisch und detailverliebt. Eine zweite Holzfigur der Johanna, die für FEWA Feinwaschmittel wirbt, hat Meisel beispielsweise nie wieder gefunden. Aber wer weiß, was noch so in Kellern und Kisten schlummert.



