Trauer um „die Lütte“

Traumzauberbaum und Co.– die großen Erfolge von Angelika Mann

Die Nachricht ihres Todes schockt Fans und Wegbegleiter. Viele erinnern sich gern an die tollen Programme und Lieder der Lütten.

Author - Florian Thalmann
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Angelika Mann stand im Laufe ihrer Karriere auf unzähligen Bühnen. Auch das Küßchenlied von der Kult-Platte Der Traumzauberbaum ist legendär.
Angelika Mann stand im Laufe ihrer Karriere auf unzähligen Bühnen. Auch das Küßchenlied von der Kult-Platte Der Traumzauberbaum ist legendär.Holger John/imago, zVg (Montage: BK)

Die Nachricht vom Tod von Angelika Mann macht noch immer viele Menschen fassungslos. Die Sängerin, die im Osten ihre ersten Schritte auf der Bühne machte und später ganz Deutschland eroberte, starb am Mittwoch im Alter von 76 Jahren, verlor den Kampf gegen den Krebs. Ihren Fans schenkte sie so viele schöne Lieder, Theaterstücke, Auftritte: Wir erinnern an die größten Erfolge von Angelika Mann.

Angelika Mann sang schon in der Apotheke

Deutschland trauert um „die Lütte“ – ihren legendären Spitznamen bekam Angelika Mann aufgrund ihrer Körpergröße von nur 1,46 Metern. Doch in der „Kleinen“ steckte eine ganz große Stimme, die unvergessen bleiben wird. Und die viele Fans seit der schrecklichen Nachricht ihres Todes wieder im Ohr haben. Dabei begann die berufliche Laufbahn von Angelika Mann ganz anders: Sie absolvierte zuerst eine Ausbildung zur Apothekenfacharbeiterin. Überliefert ist aber, dass sie schon in diesem Job ihren Kollegen in der Mittagspause vorsang.

Danach folgte dann die Ausbildung zur Sängerin und Pianistin an der Musikschule Friedrichshain. Die ersten großen Erfolge erzielte sie an der Seite des berühmten Komponisten und Liedermachers Reinhard „Lacky“ Lakomy – mit Schlager-Duetten wie „Sieben Zwerge“ und „Mir doch egal“. Auf ihrer Website beschrieb sie die Zeit selbst mit „1973 – Senkrechtstart in den deutschen Medien“.

Erfolge mit der Band „Obelisk“ und Reinhard Lakomy

Große Erfolge feierte sie auch mit der Band „Obelisk“ unter Andreas Bicking. 1980 dann eine Produktion, die viele prägte: Der „Traumzauberbaum“ von Reinhard Lakomy und Schriftstellerin Monika Ehrhardt-Lakomy.  Angelika Mann sang hier das „Küßchenlied“ – „Guten Morgen, Guten Morgen, die Nacht ist verronnen! Guten Morgen, guten Morgen, der Tag hat begonnen!“

Angelika Mann im Jahr 2004 auf der Bühne mit Liedermacher Reinhard Lakomy.
Angelika Mann im Jahr 2004 auf der Bühne mit Liedermacher Reinhard Lakomy.Scherf/imago

Mit der Textzeile „Beweg‘ deine Füßchen, der kleine Zeh – er schläft noch“ schaffte es Angelika Mann sogar auf einen der „Nippel“ bei „TV Total“, damals noch mit Stefan Raab. Immer wieder wurde der Ausschnitt in der Comedy-Show gezeigt. Generationen von Kindern wuchsen mit der Platte auf. Trauer deshalb auch im Universum des „Traumzauberbaum“: „Ach, meine liebe Lütte, es ist plötzlich so leer ohne Dich“, schrieb Monika Ehrhardt-Lakomy auf Facebook.

„Deine wunderbar dreckige Lache fehlt mir am meisten. Fast 50 Jahre waren wir unsere gegenseitigen Zeitzeugen. Danke für Deine Freundschaft und für Deine Arbeit auf unseren Alben für Kinder, Dein Küsschenlied wird immer bleiben.“ Angelika Mann war aber nicht nur Teil des „Traumzauberbaum“, sondern auch bei anderen Lakomy-Platten – etwa „Mimmelitt, das Stadtkaninchen“ und „Reinhardt Lakomys Geschichtenlieder“. Auch eigene Platten kamen im Laufe der Musik-Karriere reichlich hinzu, darunter „Lieder vom SchlackerSchnick“, „Das Geburtstagspferd“ und „Meine Lieder“.

1984 stellte Angelika Mann einen Ausreiseantrag

Weil sich Angelika Mann in der DDR nicht wohl fühlte, stellte sie im Jahr 1984 einen Ausreiseantrag, ging in den Westen. Und machte auch dort Karriere. Sechs Jahre lang stand sie als Lucy in der „Dreigroschenoper“ auf der Bühne – im Theater des Westens in Berlin, außerdem in Hamburg, Köln und sogar in Tokio. Außerdem spielte sie die Hexe in „Hänsel und Gretel“ im Friedrichstadt-Palast in Berlin.

Auch in die Hexen-Rolle schlüpfte Angelika Mann immer wieder. Hier steckt sie während einer Fernsehproduktion des RBB für die Weihnachtszeit im Filmpark Babelsberg in Potsdam im Kostüm.
Auch in die Hexen-Rolle schlüpfte Angelika Mann immer wieder. Hier steckt sie während einer Fernsehproduktion des RBB für die Weihnachtszeit im Filmpark Babelsberg in Potsdam im Kostüm.Ralf Hirschberger/dpa

Später stand die Lütte auch auf den Kleinkunstbühnen Deutschlands auf, war in verschiedenen Programmen zu sehen. Darunter „Der Mörder ist immer der Gärtner“, eine musikalische Revue im Berliner Kriminal Theater und „Die Hexe Baba Jaga“ in der Comödie in Dresden. Zusammen mit Schlager-Star und Entertainer Achim Mentzel spielte sie „Ich will keine Schokolade“ im Kabarett „Kneifzange“ in Berlin.

„Heiße Zeiten“ mit Angelika Mann wurde zum Erfolg

2010 schlug die Lütte dann ein neues Theater-Kapitel auf. Das Wechseljahre-Musical „Heiße Zeiten“ feierte Premiere. Der Auftakt zu einer ganzen Serie aus witzigen Musik-Revuen, die auf vielen Bühnen zu sehen waren. Es folgten „Höchste Zeit“ und „Himmlische Zeiten“. Auch das Theaterstück „Kalender-Girls“ wurde vom Publikum gefeiert. 2019 folgte dann ein weiterer großer Musical-Auftritt: Im Stück „Der Mann mit dem Lachen“ an der Staatsoperette Dresden spielte Angelika Mann die Königin Anne Stuart, wurde dafür sogar mit dem Deutschen Musical Theater Preis für die beste Nebenrolle ausgezeichnet.

Zuletzt trug Angelika Mann die Haare kurz - eine Folge der Chemotherapie, der sie sich unterziehen musste. Am vergangenen Mittwoch starb sie an Krebs.
Zuletzt trug Angelika Mann die Haare kurz - eine Folge der Chemotherapie, der sie sich unterziehen musste. Am vergangenen Mittwoch starb sie an Krebs.Erik-Holm Langhof/EHL Media/imago

Comödie Dresden: Erinnerungen leuchten noch lange

Zuletzt feierte das Stück „Weiße Zeiten“ an der Comödie Dresden Premiere – Angelika Mann war hier noch Gast der Premiere, sollte eigentlich selbst auf der Bühne stehen. Doch die Gesundheit machte ihr einen Strich durch die Rechnung. „Weiße Zeiten war als vierter Teil dein großes Ziel – und unser großer Wunsch, dir noch einmal die ganz große Bühne zu geben“, schreibt das Team der Dresdner Comödie auf Facebook. „Trotz allen Hoffens ging dieser gemeinsame Plan nicht auf. Und doch bleibt deine Doris lebendig, zieht weiter durch die Theater und trägt dich in sich.“

Angelika Mann: Die Lütte bleibt unvergessen

Die „Lütte“ bleibe unvergessen. „Ein Leuchten, das durch viele Produktionen getragen hat – und das nur du entfachen konntest: mit deinem Humor, deiner Präsenz, deiner unerschütterlichen Lust auf die Bühne und dieser vertrauten Nähe zum Publikum, die man nicht lernen kann.“ Der Abschied geht ans Herz: „Du bleibst Teil unseres Hauses“, heißt es in dem Beitrag. „Und Teil unserer Erinnerungen. Und sie leuchten noch lange.“ Angelika Mann starb am vergangenen Mittwoch in Folge ihrer Krebserkrankung.